"Grexit" schreckt deutsche Wirtschaft kaum noch

"Grexit" schreckt deutsche Wirtschaft kaum noch

Pro-EU-Demonstrationen in Athen

Am Montag gegen die Verhandlungen um einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone weiter. Wie die Gespräche auch immer ausgehen: Die deutsche Wirtschaft sieht ihrem Ausgang gelassen entgegen.

Die deutsche Wirtschaft fordert eine rasche Entscheidung über die Zukunft Griechenlands, auch wenn dies ein Ausscheiden aus dem Euro ("Grexit") bedeuten würde. Bayer -Chef Marijn Dekkers sowie der Versicherungsverband GDV mahnten am Freitag, jetzt müssten die Unwägbarkeiten endlich beendet werden. Der Außenhandelsverband BGA und der Industrieverband BDI halten die Folgen eines "Grexit" für verkraftbar. Am Ende entscheide darüber aber die griechische Regierung, sagte der Präsident des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Eric Schweitzer.

Der Kreditversicherer Euler Hermes rechnet bei einer Staatspleite Griechenlands und der Einführung von Kapitalverkehrskontrollen mit Lieferschwierigkeiten in vielen Branchen. Die Warenproduktion in Griechenland sei stark abhängig von Importen, sagte Euler-Hermes-Chefvolkswirt Ludovic Subran im Gespräch mit Reuters. "Und dort würde es zu Lieferstörungen kommen." Die am meisten betroffenen Branchen wären Computer-Produkte und Elektro-Geräte sowie Metalle und Chemikalien. Aber auch Geschäfte mit Maschinenteilen, Motoren, Textilien und Pharmazeutika würden beeinträchtigt werden.

GDV-Präsident Alexander Erdland sagte Reuters: "Wir wünschen uns eine für beide Seiten tragfähige Lösung, um Griechenland im Euro zu halten." Das dürfe aber kein Selbstzweck sein. Entscheide sich die Regierung in Athen gegen einen Reformkurs, "dann ist das auch eine Entscheidung gegen den Euro". Dann müssten daraus Konsequenzen gezogen werden.

Es geht um Europa

DIHK-Präsident Schweitzer warnte: "Es geht um den politischen Zusammenhalt Europas". Die Probleme des Landes würden durch einen Grexit nicht gelöst. Letztlich gelte aber: "Über den Verbleib Griechenlands in der Euro-Zone entscheidet die Bereitschaft der griechischen Regierung, die notwendigen Veränderungen vorzunehmen."

BDI-Präsident Ulrich Grillo hatte Reuters am Donnerstag bereits gesagt, sollte es zu einem Ausscheidens Griechenlands aus dem Euro kommen, werde die hiesige Wirtschaft auch das verkraften. Bayer-Chef Dekkers warf in der "Bild" die Frage auf, ob das Land wirklich gerettet wäre, wenn es im Euro bliebe.

Die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone wollen am Montag versuchen, doch noch eine Lösung des Streits um Reformen im Gegenzug für weitere Hilfen an Griechenland zu finden. Mit den Reformen wollen die Geldgeber die Hellas-Wirtschaft wettbewerbsfähiger machen. Athen lehnt aber viele Sparmaßnahmen kategorisch ab.

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