Steirischer Kleinbetrieb klagt gegen Amazon - und gewinnt

Steirischer Kleinbetrieb klagt gegen Amazon - und gewinnt

Gegenwind aus der Steiermark für Amazons CEO Jeff Bezos.

Gäbe es Amazon nicht, dann hätte das Kleinunternehmen goFIT aus Mürzhofen 30 Prozent mehr Umsatz. Deshalb zog das Unternehmen vor Gericht und gewann den Prozess in erster Instanz.

Ein regelrechter David-gegen-Goliath-Kampf spielte sich zuletzt am Landesgericht Köln ab: goFIT, ein Kleinbetrieb mit sechs Mitarbeitern aus dem steirischen 959-Seelen-Ort Mürzhofen, hat gegen den US-amerikanischen eCommerce-Riesen Amazon geklagt – und in erster Instanz Recht bekommen. Gegenstand der Klage war, dass goFIT seine Gesundheitsmatten nicht über die Website amazon.de vertreibt, der Name aber dennoch von Amazon verwendet wird. Wer also dort nach Begriffen wie „gofit“, „gofit gesundheitsmatte“ oder gar „gofit gesundheitsmatte original“ sucht, dem wird nicht das gewünschte Produkt angezeigt – sondern die Produkte der Konkurrenz. goFIT ist gegen die Verwendung des eigenen Namens in der Amazon-Suche gerichtlich vorgegangen.

Laut Dietlinde Haverkamp, Geschäftsführerin von goFIT, schadet diese Verwendung des Namens zur Bewerbung von Konkurrenzprodukten seit drei Jahren ihrem Geschäft: „Derzeit machen wir 2,5 Millionen Euro Umsatz pro Jahr“, sagt sie zu format.at: „Vor drei Jahren, bevor Amazon unseren Namen in der Suche verwendete, waren es 30 Prozent mehr.“

Amazon muss nun seine Suche umprogrammieren, heißt es von goFIT, und darf das Kennzeichen einer Verkäuferin von Markenartikeln in Zusammenhang mit sogenannten Suchwortvorschlägen auf der Website amazon.de nicht mehr benutzen – bei Verstößen durch Amazon droht ein Ordnungsgeld von 250.000 Euro oder Ordnungshaft für die Geschäftsführung. Allerdings kann der US-Konzern noch in Berufung gehen; auf Anfrage von format.at zu der Causa heißt es bei Amazon Deutschland bloß knapp, dass man laufende Gerichtsverfahren nicht kommentiert.

Konzern in der Kritik

Schon länger blicken Marktbeobachter kritisch auf Amazons Geschäftspraktiken; omnipräsent scheint etwa der Streit mit der deutschen Gewerkschaft verdi, inklusive Streiks in den Logistikzentren. Amazon orientiert sich am Tarifvertrag der Logistikbranche; die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di fordert aber höhere Löhne und tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind.

Im November 2014 wurde außerdem bekannt, dass Amazon mit Hilfe der Beratungsgesellschaft PwC seine steuerlichen Verhältnisse in Luxemburg optimiert hat – in der Zeit, in der der heutige EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker Ministerpräsident von Luxemburg war.

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