Samsung: Ein Jäger wird zum Gejagten

Samsung: Ein Jäger wird zum Gejagten

Der Vorstoß in neue Produkt-Dimensionen soll für Samsung den Umsatz und Gewinn neu befeuern.

Die starke Konkurrenz aus den USA und China setzt den südkoreanischen Elektronikkonzern Samsung auch im ersten Quartal 2015 unter Druck. Abermals geht der Gewinn zurück - dieses Mal um satte 40 Prozent. Die Umsatz- und Gewinnrückgänge sollen mit neuen Smartphone-Modellen gestoppt werden. Samsung will im zweiten Quartal seinen Abwärtstrend stoppen. Samsung wird zum Gejagten - wie einst Nokia.

Seoul. Der südkoreanische Smartphone-Weltmarktführer Samsung kämpft weiterhin mit sinkenden Umsätzen und rückläufigen Gewinnen. Das vierte Quartal in Folge meldet Samsung rückläufige Ergebnisse. Der Nettogewinn schrumpfte zwischen Jänner und März im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 38,9 Prozent, wie das Unternehmen am Mittwoch in Seoul mitteilte. Unter dem Strich verdiente der Konzern 4,6 Bill. Won (3,94 Mrd. Euro).

Einziger Lichtblick: Samsung hat laut Analysten wieder die Spitze der Weltrangliste zurück erobert. Weltweit 83,2 Millionen verkaufte Handy entsprechen einem Marktanteil von 24 Prozent. Apple kommt demnach nur auf 18 Prozent. Vor einem Jahr hatte Samsung noch einen Marktanteil von 31 Prozent.

Dies dürfte Apple im direkten Vergleich aber wenig Sorge bereiten. Der US-Konzern, der zwar über 60 Prozent seines Umsatzes mit seinen Smartphones verdient und somit stark vom Smartphone-Geschäft abhängig ist, kann offensichtlich seinen Profit weiter ausbauen. Samsung muss offenbar beim Durschschnittserlös pro verkauftem Smartphone weiterhin Zugeständnisse machen. Und: Samsung steht in starker Konkurrenz zu Anbietern wie Xiaomi, Huawei oder ZTE, die vor allem in Asien immer stärker in Erscheinung treten und auch bei der Qualität kräftig aufgeholt haben.

Apple hingegen eilt von einem Rekordergebnis zum nächsten. Am Dienstag hat Apple einmal mehr hervorragende Ergebnisse für das abgelaufene Quartal gemeldet mit einem Gewinnsprung um 33 Prozent zum Vorjahreszeitraum vermeldet. Von Jänner bis März verdiente der US-Konzern 13,6 Mrd. Dollar (etwa 12,5 Mrd. Euro).

Die strikte Preis- und Absatzpolitik mit dem Verkauf über bestimmte Netzbetreiber sowohl eigenen Shops, funktioniert weiterhin blendend. Apple gibt auch klar die Konditionen vor, zu welchen Preisen es seine Smartphones verkauft.

Und im größten Markt ist Apple erfolgreich wie nie zuvor. In China hat Apple erstmals mehr Handys verkauft als im Heimmarkt USA. Der Umsatz in China kletterte von Januar bis März um 71 Prozent auf 16,8 Milliarden Dollar, auch dank vieler Geschenke zum Neujahrsfest in der Volksrepublik. Apple-Chef Tim Cook sagte bei der Vorlage der Quartalszahlen am Montagabend, Apple profitiere dort vor allem von der wachsenden Mittelschicht.

Chips für den Ausgleich

Samsung versucht bereits sein stagnierendes Handygeschäft indes mit anderen Produktsparten zumindest zu kompensieren. Gute Verkaufszahlen für Speicherchips haben den Rückgang bei den Smartphones ausgeglichen. Samsung ist aber als Marktführer Getriebener seines eigenen Erfolgs, der im Jahr 2012 mit der Übernahme der Marktführung der Höhepunkt war. Für das zweite Quartal rechnet Samsung wieder mit steigenden Gewinnzahlen.

Die Südkoreaner benötigen dringend einen Erfolg, da sie Marktanteile an chinesische Billighersteller wie Xiaomi verlieren. Der Verkauf der neuen Smartphones Galaxy S6 und Galaxy S6 Edge, der mit 10. April angelaufen ist, soll die Trendwende einläuten. Und gleichzeitig auch Apple wieder auf Distanz bringen. Die US-Amerikaner hatten Samsung zum Jahresende den Titel des weltgrößten Smartphone-Herstellers abgejagt.

Samsung: Ein Jäger wird zum Gejagden

Die derzeitige Situation von Samsung erinnert stark an den Niedergang bei Nokia. Der einst finnische Langzeit-Weltmarktführer hatte das Smartphone-Geschäft falsch eingeschätzt: Neue Konkurrenz wurde ignoriert oder unterschätzt und mit mehreren Handy-Betriebssystemen hatten sich die Finnen verzettelt. Der Markteintritt von Apple 2007 sowie danach Google, aber auch Samsung wurden auf auf die leichte Schulter genommen Und zudem hat Nokia der Bedeutung des "Öko-Systems" rund um das Handy mit zusätzlichen Sevices und Diensten (wie Nokia Music oder Navi-Dienste) als zusätzliche Wertschöpfungskette und komplementäre Erlösquelle zu wenig Beachtung geschenkt. Und das, obwohl derartige Produkte im eigenen Haus schon seit dem Jahr 2000 entwickelt wurden.

Samsung und Apple hatten mit Smartphones ab dem Jahr 2007 den Siegeszug zur Spitze gestartet. Apples Aufstieg als Smartphonehersteller profitierte auch und vor allem mit dem Verkauf bzw. der Gratisabgabe von Zusatzdiensten, sogenannter Apps, über den eigenen Online-Store.

Nach mehr als 13 Jahren Marktführerschaft wurde Nokia mit Jahresbeginn 2012 von Samsung vom Thron gestoßen. 2010 hatte Nokia noch einen Marktanteil von insgesamt 37,6 Prozent. Nach dem Verkauf der Handysparte an Microsoft sind Nokia bzw. Microsoft-Handys mit einem einstelligen Marktanteil im unteren Bereich so gut wie in der Bedeutungslosigkeit angelangt. Bis heue ist es Microsoft nicht gelungen Smartphones und Apps zu einer schlagkräftigen Einheit zu verknüpfen. Der Konsument bevorzugt die Konkurrenz.

Nokia hatte im September 2010 den damaligen Ex-Microsoft-Manager und heute Wieder-Microsoft-Manager Stephen Elop engagiert. Er hatte es geschafft den Niedergang des Unternehmens zu befeuern. Elop verglich Nokia unmittelbar nach Amtsübernahme des Ex-Weltmarktführer mit einer "brennenden Öl-Plattform", sprach später immer wieder vom "Krieg der Öksosysteme" und wollte ooffiziell Nokia zu einem Anbieter von Smartphones mit Windows-Betriebssystemen umbauen, der sein Heil als Anbieter von Geodienste sah. Die letzte Nokia-Phantasie von Elop mündete allerdings im Verkauf an Microsoft.

Nachdem unter Elops Ägide rund 50.000 Nokia-Mitarbeiter gefeuert wurden, Elop das Unternehmen auf Microsoft-Kurs gebracht hatte, wurde zum finalen Schlag angesetzt. Elop verkaufte das Unternehmen im September 2013 an Microsoft immerhin zum Kaufpreis von rund 7,1 Milliarden Euro - darunter Patente für rund 1,65 Milliarden Euro. Mircosoft hat im September 2014 angekündigt, den Namen Nokia aus seiner Mobilfunksparte zu eliminieren. Elop hat für den Verkauf von Nokia 19 Millionen Euro als Abfindiung kassiert - obwohl Nokia unter seiner Ägide stets Verluste eingefahren hatte.

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