Germanwings-Absturz trifft Lufthansa hart

Germanwings-Absturz trifft Lufthansa hart

Ein schwarzer Tag für die Lufthansa und ihre Billig-Tochter Germanwings.

Für den deutschen Lufthansa-Konzern steht nach dem Absturz des Germanwings-Flugs 4U9525 von Barcelona nach Düsseldorf auch der Ruf der deutschen Gründlichkeit und der technischen Zuverlässigkeit auf dem Spiel. Der Airbus A320 der Lufthansa-Diskont-Tochter Germanwings ist mit 150 Personen an Bord bei Barcelonette in Südfrankreich abgestürzt.

Bisher hatte die Marke Germanwings im Lufthansa-Konzern einen guten Klang. Doch mit dem schrecklichen Absturz eines 24 Jahre alten Airbus-Jets vom Typ A320 in den französischen Alpen verbindet sich mit dem Namen der Lufthansa-Tochter auf einen Schlag nicht nur Trauer um wahrscheinlich 150 Todesopfer. Für die AUA-Mutter steht der Ruf der technischen Zuverlässigkeit auf dem Spiel.

Obwohl am Absturztag aus Respekt vor den Opfern keiner der Offiziellen darüber reden will: Der Crash trifft das Unternehmen auch wirtschaftlich hart. Hohe Pensionslasten, Fehlspekulationen beim Kerosin und die fortgesetzten Arbeitskämpfe haben den Gewinn des Dax-Konzerns (ISIN DE0008232125) im vergangenen Jahr fast auf Null schmelzen lassen.

Noch ist nicht entschieden, ob Konzernchef Carsten Spohr die streikfreudigen Piloten und auch die übrigen Berufsgruppen auf einen harten Sparkurs bringen kann. Den Beweis, das Lufthansa neben einem Premium-Angebot auch billig kann, muss der gelernte Pilot ebenfalls noch antreten.

Die Börse hat die negativen Folgen des Unglücks für das Unternehmen in einem ersten Schritt schon mal vorweggenommen und den Aktienkurs fast ans Ende des Börsenbarometers Dax geschickt. Für den größten Luftverkehrskonzern Europas steht viel auf dem Spiel. Technische Sicherheit und organisatorische Zuverlässigkeit gehören zum Markenkern, den Spohr schon häufig beschworen hat. Die letzten Abstürze von Lufthansa-Maschinen liegen bereits Jahrzehnte zurück und forderten auch deutlich weniger Todesopfer.

Vertrauensschaden

"Für die Lufthansa entsteht ein erheblicher Vertrauensschaden, der auch nicht ohne weiteres wieder zu bereinigen ist", sagt beispielsweise der Analyst Jochen Rothenbacher von der Equinet Bank. Selbst wenn die Fluggesellschaft keine Schuld treffe, bleibe in der Wahrnehmung der Kunden doch immer Negatives hängen. Auch der Flugzeughersteller Airbus könnte nach Analystenschätzungen in wirtschaftliche Mitleidenschaft gezogen werden, falls ungünstige Details zur Absturzursache bekannt würden.

Trotz beachtlicher Erfolge in den vergangenen zwei Jahren soll der Markenname Germanwings demnächst in der Versenkung verschwinden. Lange vor dem Unglück hat die Lufthansa Pläne bekanntgegeben, dass sie ab diesem Herbst abseits ihrer Drehkreuze Frankfurt und München nur noch unter dem Markennamen "Eurowings" günstig unterwegs sein will. Die 58 "Germanwings"-Jets sollen zwar nicht erneut umlackiert werden, die Tickets aber nur noch unter Eurowings buchbar sein.

Hintergrund sind deutliche Kostenvorteile bei der Euro-Tochter. Während die Piloten der Germanwings zu fast den gleichen Komfort-Bedingungen arbeiten wie ihre Kollegen bei der Lufthansa, verdienen Eurowings-Piloten deutlich weniger. Germanwings ist mit ihren derzeit noch 58 Maschinen dem Management nicht mehr billig genug: Die Stückkosten der Airline liegen zwar rund 20 Prozent unter der Lufthansa-Mutter, aber auch weitere 20 Prozent oberhalb der Konzernschwester Eurowings (23 Jets) und ausländischer Wettbewerber.

Wie lange es das Unternehmen Germanwings noch gibt, hängt nicht zuletzt von den Tarifgesprächen mit der Vereinigung Cockpit (VC) ab. Lufthansa hat bereits damit gedroht, die teuren Germanwings-Piloten so schnell wie möglich zur Lufthansa zu versetzen. Eine Maschine nach der anderen könnte dann zur Billigschwester Eurowings wechseln und von günstigeren Piloten geflogen werden.

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