Forscher bestätigen: Verbreitete Korruption kann nur schwer ausradiert werden

Forscher bestätigen: Verbreitete Korruption kann nur schwer ausradiert werden

Ein Team aus Spieltheoretikern rund um den österreichischen Mathematiker Karl Sigmund hat erforscht, was Viele schon ahnten: Ist eine Gesellschaft mal von Korruption durchdrungen, dann kann dies fast unmöglich geändert werden.

Korruption ist extrem schwer zu bekämpfen, wenn sie schon weit verbreitet ist, berechnete ein Team um den österreichischen Mathematiker Karl Sigmund. Gut funktionierende Systeme seien aber kaum gefährdet, in einen Bestechlichkeits-Sumpf abzusinken. Ausmerzen könne man sie am ehesten, indem man käufliche Überwacher bloßstellt, so die Forscher im Fachmagazin "Journal of Theoretical Biology".

Eine Umfrage von Ernst&Young unter Managern bescheinigt, dass Österreich korrupter ist als Frankreich, Großbritannien und Deutschland.

Sigmund, der an der Uni Wien und am Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse (IIASA) in Laxenburg bei Wien arbeitet, hat mit seinen Kollegen mathematisch betrachtet, wie sich Bestechlichkeit von Überwachern in einem "Tragik des Allgemeinguts (Allmendeproblematik)"-Modell auswirkt. In solchen spieltheoretischen Modellen wird untersucht, wie positive Anreize und Strafen durch Überwacher dazu führen, dass Menschen eine gemeinsame Ressource nachhaltig bewirtschaften und nicht ausbeuten, bis sie zerstört ist.

Korruptes Sytem lässt sich schwer ändern

Bis jetzt habe dabei noch niemand berücksichtigt, dass oft auch die Überwacher Eigeninteressen in den Vordergrund stellen. Am Beispiel von illegalen Rodungen errechneten die Forscher nun, wie sich deren Bestechlichkeit auswirkt. Sie entdeckten dabei, dass ein solches System "bistabil" ist. Wenn es gut funktioniert, sei es kein großer Aufwand, die Bestechlichkeit fernzuhalten, erklärte Sigmund: "Ist ein System aber von Korruption durchdrungen, dann ist es furchtbar schwer, dies zu ändern".

Um es aus einem stabilen Zustand voller Bestechlichkeit zu hieven, solle man den Hebel bei den Überwachern ansetzen. "Bei ihnen spielt die Reputation eine große Rolle, da genügt es schon, ein bisschen Transparenz zu haben, ob ein Überwacher etwas taugt oder nicht", so Sigmund. Denn niemand würde einem Überwacher mit zweifelhaften Ruf Verantwortung übertragen. "Und wenn das Überwachungssystem erst einmal in einem guten Zustand ist, werden auch die 'Kunden' angehalten sein, sich anständig zu benehmen", meint er.

In der Studie wird Korruption zwar ausschließlich im Fall von illegalen Rodungen untersucht, die Ergebnisse ließen sich aber auf etliche anderen Situationen übertragen, wo Bestechlichkeit im Spiel ist. Dieses Thema habe der japanischer Koautor Yoh Iwasa dem Team 'aufgedrängt', sagte Sigmund. "Er ist sehr viel in Südostasien unterwegs und sieht, was dort an furchtbaren Umweltsünden begangen wird", erklärte der Biomathematiker.

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