Fernbus-Allianz setzt Bahn unter Druck

Fernbus-Allianz setzt Bahn unter Druck

Nach der Fusion der Anbieter MeinFernbus und Flixbus wird der neue Riese 75 Prozent des deutschen Fernbus-Verkehrs kontrollieren; heuer soll sich die Zahl der Busse auf 1000 Fahrzeuge fast verdoppeln. Das setzt Konkurrenten - wie etwa die Bahn oder Billigflieger - unter Druck.

Die Fusion der beiden größten deutschen Fernbus-Unternehmen ist nicht nur eine neue Episode im umkämpften neuen Markt. Vieles spricht dafür, dass das Ringen um Passagiere europaweit jetzt erst richtig beginnt. Und zwar nicht nur zwischen den großen Bus-Unternehmen. Der Zusammenschluss von MeinFernbus und Flixbus kann auch Billigflieger treffen. Vor allem aber wird es aber für die Bahn ernst - und dies nicht nur in Deutschland. Ähnlich wie im Internet- und Telekommunikationsgeschäft könnte auch hier der Schnellere bald den Größeren hinter sich lassen.

Dabei wollte die Deutsche Bahn aus dem Zusammenschluss der Marktführer MeinFernbus und Flixbus eine eher gute Nachricht für sich herauslesen. "Die heutigen Nachrichtenmeldungen verdeutlichen, wie schwierig der Fernbus-Markt ist", erklärte der Staatskonzern. Das ist sicher ein Teil der Wahrheit: Der Konkurrenzkampf zwischen mehreren Dutzend Unternehmen auf dem erst 2013 freigegebenen Markt ist hart, Firmen haben sich schon zurückgezogen oder gar Insolvenz angemeldet.

Ein Riese, der heuer noch größer wird

Daher kommt es nicht unerwartet, dass sich der Markt bereinigen würde. Doch wie vieles in der jungen Branche geht es schneller, als manche erwartet haben. Das fusionierte Unternehmen steht jetzt für 75 Prozent des Fernbus-Verkehrs in Deutschland. 2015 soll die Zahl seiner Busse auf 1000 fast verdoppelt werden, ebenso wie die der Passagiere auf bis zu 20 Millionen. Die Bahn, mit ihrem Bus-Zweig als Marktführer gestartet, hat nur noch einen Anteil von rund neun Prozent und ist damit noch zweitgrößter Anbieter. Ähnlich vertreten ist die Deutsche Post mit dem Postbus.

Die Bahn hat bisher eher ein Defensiv-Taktik gewählt: Zwar dehnte auch sie ihr Bus-Angebot auf einigen Strecken aus. Sie verzichtete aber auf die jährlichen Preiserhöhungen für IC und ICE und versprach besseren Service und pünktlichere Züge. Schnelles Internet soll es in den nächsten Jahren zudem ebenfalls geben. Daran arbeitet die Bahn aber schon seit vielen Jahren, und im Fernbus ist Wlan schon weitgehend Standard. Die Bus-Preise betragen ohnehin einen Bruchteil der Bahn-Tickets, auch wenn sie jetzt langsam anziehen könnten, wie auch das Marktforschungsinstitut IGES erwartet: "Das Tiefpreisniveau kann die Branche ohnehin nicht durchhalten", sagte IGES-Mobilitätsexperte Christoph Gipp. Günstiger würden die Busse aber bleiben.

Die Fernbus-Allianz setzt aber schon auf neue Anreize: Kommunikation über soziale Medien soll Passgiere schon vor der Reise zusammenbringen, damit sich Sitzplatz-Partnerschaften im Bus bilden können, kurz "Social Seating" genannt. Den Geschwindigkeitsvorteil der Züge will die neue Fernbus-Allianz mit Nonstop-Verbindungen kontern. Auch die Lücke, die die Bahn durch das Aus für ihre Nachtzug-Verbindungen lässt, wollen die Busse füllen. MeinFernbus-Gründer Torben Greve sieht die Konkurrenz auch von anderen Bus-Betreibern daher gelassen: "Wir sind Impulsgeber der Branche, wir sind immer drei Schritte voraus."

BAHNEN BEI VERKEHR ÜBER GRENZEN HINWEG IM NACHTEIL

Das wird sich vor allem zeigen, wenn wie angekündigt Europa ins Auge gefasst wird. Hier will die neue Allianz Marktführer werden. Gerade beim Verkehr über Grenzen hinweg könnte der Bus Vorteile gegenüber dem Zug ausspielen. Die großen Bahnen, fast überall noch in Staatshand, schotten ihre nationale Märkte mit Regierungshilfe immer noch stark ab. Wenn ein deutscher Zug mit deutschem Lokführer die Grenze überqueren will, stehen dem eine Reihe von technischen und rechtlichen Hürden entgegen. Der Bus fährt dagegen meist ohne Stopp quer durch die EU.

Sollte die Bahn darauf gesetzt haben, dass den beiden Start-Ups das nötige Kapital für den Expansionskurs fehlen könnte, ist dies spätestens mit dem Einstieg des Investors General Atlantic hinfällig. Selbst ein Börsengang der Firma wird nicht ausgeschlossen.

Die Fernbus-Marktführer haben zudem keinen schlechten Zeitpunkt für ihre Offensive gewählt: Die Streiks im vergangenen Jahr haben Zehntausende Bahn-Kunden in Busse getrieben, die das neue Fernbus-Angebot erstmals nutzten. Und die zuletzt gesunkenen Spritpreise drücken die Kosten noch einmal deutlich. Das Kundenpotenzial bleibt damit hoch: Rund 60 Prozent der Deutschen könnten sich vorstellen, den Fernbus einmal zu nutzen. "Die Wachstumsraten bei den Buskunden werden auch in den kommenden Jahren deutlich wachsen", sagte IGES-Forscher Gipp voraus.

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