Pünktlich zur Ferienzeit: Neuer Streik bei Lufthansa droht

Pünktlich zur Ferienzeit: Neuer Streik bei Lufthansa droht

Die Piloten von Lufthansa loten einen neuen Arbeitskampf aus. Sie stören sich vor allem an der Lufthansa-Billigtochter Eurowings, wo ihre Kollegen nur 130.000 Euro verdienen. Bei der Konzernmutter bekommt ein Pilot hingegen mindestens 225.000 Euro.

Bei Lufthansa braut sich ein Sturm zusammen. Kurz vor dem Höhepunkt der Feriensaison und gut vier Monate nach dem Absturz einer Germanwings-Maschine in den Französischen Alpen droht ein neuer Streik der Piloten. Es wäre der 13. im seit mehr als einem Jahr laufenden Tarifkonflikt und eine neue Machtprobe der Flugzeugführer mit Konzernchef Carsten Spohr. Nach dem Crash mit 150 Toten Ende März hatte es eine Art Schonzeit für Deutschlands größte Airline und ihre Passagiere gegeben - ohne Arbeitskämpfe. Doch das könnte sich bald ändern. "Die Zeit, in der aus Pietätsgründen nicht mehr gestreikt wird, ist vorbei", ist sich Analyst Jochen Rothenbacher vom Brokerhaus Equinet sicher.

Die Piloten-Gewerkschaft - seit ein paar Tagen mit einem neuen Verhandlungsführer und frischem Kampfgeist am Start - lotet einen neuen Arbeitskampf aus. Ihm gegenüber steht der seit Mai 2014 amtierende Carsten Spohr beinahe mit dem Rücken zur Wand. Die Konkurrenz vom Golf, etwa der Air-Berlin-Partner Etihad, sitzt ihm im Nacken. Die Kosten müssen runter - komme was wolle. Anders als die Deutsche Bahn jüngst bei ihrem monatelangen zermürbenden Tarifstreit mit den Lokführern wird Spohr deshalb kaum einknicken - auch wenn Streiks zur Ferienzeit im Sommer und damit im wichtigsten Quartal für die Kranich-Airline extrem weh tun.

Es geht um die Strategie des ganzen Konzerns

"Wenn Spohr jetzt nachgibt, holt ihn das Kostenproblem in zwei, drei Jahren wieder ein", betont Equinet-Branchenanalyst Rothenbacher. Auch viele andere Luftfahrtexperten gehen davon aus, dass Spohr kaum Zugeständnisse machen kann und wird. "Denn die Personalkosten der Lufthansa sind deutlich höher als bei den meisten anderen Airlines, mit denen sie im Wettbewerb steht", sagt Ruxandra Haradau-Döser von Kepler-Cheuvreux. "Wenn er nachgibt, würde der Kapitalmarkt das abstrafen", betont ein anderer Branchenfachmann. Investoren wie Michael Gierse von Union Investment sehen das ähnlich. "Selbst wenn der Streik viel Geld kostet, muss er hart bleiben."

In dem Tarifkonflikt geht es nur vordergründig um die Frührente für 5400 Piloten - in Wahrheit steht die Konzernstrategie im Fokus. Die Fronten sind verhärtet. Anfang Juli scheiterte ein Schlichtungsversuch bereits in der Vorbereitungsphase. Besonders kritisieren die Piloten den Ausbau der Lufthansa-Billigtochter Eurowings, da dort nur Kollegen zum Einsatz kommen sollen, die nicht nach dem Konzerntarifvertrag bezahlt werden. Die Tochter soll zu rund 40 Prozent niedrigeren Kosten fliegen als die Lufthansa selbst. Deren Piloten bekommen derzeit Spitzengehälter - ohne variable Vergütung - von bis zu 225.000 Euro, Eurowings-Piloten nur 130.000 Euro. Aus Spohrs Sicht ist der Ausbau von Eurowings überlebenswichtig, um gegen die Billigrivalen Ryanair und Easyjet zu bestehen.

Arbeitskampf drückt auf den Gewinn

Knackpunkt ist, dass die Piloten diese Fragen in einer Gesamtschlichtung erörtern wollen. "Wir wollen dann alle Themen auf dem Tisch haben", bekräftigt Markus Wahl von der Vereinigung Cockpit (VC). Spohr will das nicht. "Das kann man nicht in die Hände eines Schlichters legen", lässt er einen Lufthansa-Sprecher ausrichten. Beide Seiten bekunden Gesprächsbereitschaft. Aber solange sie nicht über die gleichen Dinge reden wollen, gibt es keine Lösung. Zudem hat die Tarifkommission der Gewerkschaft mit Benjamin Sindram einen neuen Verhandlungsführer, der sich erst beweisen muss. Das Gremium dürfte laut Insidern vor weiteren Streiks dennoch den Kontakt zu Spohr suchen - und zwar abseits der offiziellen Gespräche.

Finanziell sind die Folgen des Arbeitskampfes für die Airline bereits zu spüren. Im ersten Halbjahr 2015 dürften sich die dadurch verursachten Gewinneinbußen für den Konzern laut Spohr auf 100 Millionen Euro summieren, nach 230 Millionen Euro im Vorjahr. Als Reaktion trimmt Spohr die Kosten, wo immer es geht. "Die Lufthansa kämpft derzeit mit harten Bandagen an vielen Fronten um Kosten und Marktposition", sagt Equinet-Experte Rothenbacher.

So ist etwa der laufende Konflikt mit den Flugbegleitern keineswegs nicht ausgestanden. Außerdem verhandelt die Lufthansa mit dem Flughafenbetreiber Fraport, um die Flughafengebühren für die Nutzung des Frankfurter Airports zu senken. Zuletzt hat Spohr ankündigt, dass er ab September eine Gebühr von 16 Euro erheben will, wenn Flugtickets nicht über die Lufthansa selbst ausgestellt werden, sondern über ein globales Vertriebssystem (GDS). Fondsmanager Gierse nennt das eine "Verzweiflungstat" und "Fehlentscheidung". Er fürchtet, dass die Lufthansa dadurch Geschäftsreisende vergraulen könnte - ihre "wertvollsten Reisenden".

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