EZB öffnet die Geldschleusen: Rückblick und Ausblick

EZB öffnet die Geldschleusen: Rückblick und Ausblick

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Ankauf von Anleihen beschlossen, um noch mehr Geld in die Finanzkreislauf zu schleusen. Ein Überblick, welche Papiere die EZB kaufen wird. Und welche Maßnahmen die EZB bisher getroffen hatte. Ein Großteil der Renditen für 10-Jahrespapiere sind am Tag vor der neuen Geldschwemme bereits bis zur Mittagsstunde gestiegen.

Die Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag eine neue Geldschwemme gestartet. Die Maßnahme stößt jedoch nicht nur auf Wohlwollen, sondern auf massive Kritik. Viele halten EZB-Chef Mario Draghi bereits für den mächtigsten Mann Europas. Und mit dem Start der Anleihekäufe wird Draghi seine Machtposition weiter zementieren. Die Hauptkritik: Die Währungshüter, die nicht demokratisch gewählt sind und von Parlamenten kontrolliert werden, brechen in der Not einige Tabus, handeln also im Alleingang.

Welche Wertpapiere könnte die EZB kaufen?

STAATSANLEIHEN
Dass die EZB darauf verzichten kann, staatliche Schuldverschreibungen zu erwerben, ist faktisch ausgeschlossen. Staatsanleihen sind die mit Abstand größte Anlageklasse, in der die Notenbank zugreifen könnte. Nach EZB-Daten sind derzeit Staatspapiere im Wert von rund 6,5 Billionen Euro im Umlauf, die den Anforderungen der Notenbank gerecht werden. Der EZB ist es verboten, Staaten direkt mit der Notenpresse zu finanzieren. Der Kauf am freien Markt, also etwa von Banken, ist ihr allerdings grundsätzlich erlaubt.

UNTERNEHMENSANLEIHEN
Schuldverschreibungen größerer Unternehmen haben einen Nachteil: Sie sind seltener. Die EZB gibt das Marktvolumen von "Corporate Bonds", die ihrem Sicherheiten-Katalog entsprechen, mit 1,4 Bill. Euro an. Darüber hinaus konzentriert sich das Aufkommen stark auf einzelne Länder wie Frankreich.

BANKANLEIHEN
Gedeckte Bankanleihen ("Covered Bonds") kauft die EZB bereits. Diese Papiere gelten als vergleichsweise wenig riskant, weil sie doppelt besichert sind - durch Sicherheiten wie Grundstücke und die Haftung der ausgebenden Bank. Dass die EZB dies auf ungedeckte Bankanleihen ausweitet, halten Experten für eher unwahrscheinlich. Schließlich ist die Notenbank seit November zentrale Bankenaufsicht im Euroraum. Da könnte ein solcher Schritt Fragen aufwerfen.

SSA-ANLEIHEN
Unter "SSA-Bonds" sind Schuldverschreibungen zu verstehen, die von staatlichen oder staatsnahen Organisationen begeben werden. Beispiele sind Anleihen der Europäischen Investitionsbank (EIB) oder der deutschen Förderbank KfW.

Der Eurokurs zum Dollar, der Leitzins, das Wirtschaftswachstum und die Inflation in der Eurozone seit 2010.

Die Renditen ziehen an

Die Renditen für 10-Jahrespapiere sind am Mittwoch in zahlreichen Staaten der Eurozone gestiegen. Griechenland steuert dabei neuerlich auf die 10-Prozent-Marke zu. Trotz der jüngsten Turbulenzen wegen der bevorstehenden Neuwahlen kommenden Sonntag waren die Renditen in der Vorwoche auf unter neun Prozent gefallen.

Klar nach oben entwickelten sich die Werte für Belgien, nachdem das Budgetdefizit des Landes für 2014 höher als erwartet ausfällt. Belgien war Ende der Vorwoche bei lediglich 0,586 Prozent gelegen, nun kletterte es sprunghaft auf 0,789 Prozent - allerdings immer noch ein durchaus günstiger Wert.
Dagegen konnte das derzeitige EU-Vorsitzland Lettland mit 1,197 Prozent eine deutliche Verbilligung einfahren. Zuletzt waren es 1,497 Prozent gewesen. Litauen wiederum musste einen Anstieg von 1,498 auf nunmehr 1,75 Prozent hinnehmen.

Die Renditen von Marktführer Deutschland stiegen auf 0,486 Prozent, Finnlands 10-Jahresanleihen notierten bei 0,502 Prozent, gefolgt von den Niederlanden (0,54 Prozent) und Österreich (0,566 Prozent). Dahinter kommt Frankreich (0,694 Prozent), das Belgien (0,789 Prozent) überholt hat, sowie Lettland (1,197 Prozent).

Irland weist 1,235 Prozent aus und hat sich geringfügig verbilligt. Es folgen Spanien (1,519 Prozent), Litauen (1,75 Prozent) und Italien (1,763 Prozent). Slowenien kommt auf 1,83 Prozent, Portugal auf 2,546 Prozent und Schlusslicht Griechenland auf 9,811 Prozent.

Keine Daten aus der Eurozone lagen aus Luxemburg, Malta, Zypern, Estland und der Slowakei vor.

Was hat die EZB bisher getan

Seit Beginn der Euro-Schuldenkrise im Jahr 2010 kämpft die EZB gegen ein Auseinanderbrechen des gemeinsamen Währungsraums mit mehreren geldpolitischen Mitteln. Ihre Maßnahmen bisher:

ZINSSENKUNGEN
Seit der Verschärfung der Schuldenkrise ab 2011 drehte die EZB kräftig an der Zinsschraube. Mittlerweile liegt der Leitzins auf dem Rekordtief von 0,05 Prozent. Das hilft Geschäftsbanken.

STRAFZINSEN
Parken Banken Geld bei der EZB, müssen sie dafür inzwischen Zinsen zahlen. Das soll die Kreditvergabe ankurbeln.

GELDSPRITZEN
Ende 2011/Anfang 2012 unterstützte die EZB Banken mit Notkrediten (LTRO) im Volumen von einer Billion Euro. Die Kredite wurde zu Mini-Zinsen und für drei Jahre gewährt. 2014 folgten weitere Notkredite, allerdings diesmal in deutlich geringerem Umfang.

KAUF VON KREDITPAKETEN Seit Herbst 2014 kauft die EZB Pfandbriefe (Covered Bonds) und gebündelte Kreditverbriefungen (ABS). Das soll Geschäftsbanken Freiräume zur Vergabe von Krediten verschaffen.

WENIGER ZINSENTSCHEIDUNGEN
Ab 2015 werden wichtige geldpolitische Entscheidungen nicht mehr alle vier Wochen, sondern nur noch alle sechs Wochen verkündet. Das soll Erwartungen an den Finanzmärkten eindämmen und den EZB-Maßnahmen mehr Zeit zur Entfaltung geben.

STAATSANLEIHEN-KÄUFE
Im Mai 2010 begann die EZB erstmals mit dem Kauf von Staatsanleihen. Das "Securities Markets Programme" (SMP) sollte den Anstieg der Renditen von Anleihen angeschlagener Euroländer bremsen. Bis Anfang 2012 kaufte die EZB Staatspapiere für rund 220 Mrd. Euro, zumeist italienische Anleihen. Im September 2012 ersetzte das Programm "Outright Monetary Transactions" (OMT) diese Maßnahme: Die EZB erklärt sich dabei unter Bedingungen bereit, notfalls unbegrenzt Anleihen von Krisenstaaten zu erwerben. Gekauft wurde in diesem Rahmen bisher keine Anleihe. Dennoch beschäftigt der OMT-Beschluss Juristen bis zum Europäischen Gerichtshof (EuGH).

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