Zu Gast im neuen EZB-Gebäude: Bankier-Palast trifft Arbeiterstrich

Der neue Palast des Mario Draghi besteht aus zwei ineinander verdrehten, 185 Meter hohen Glastürmen. In den obersten Etagen ringen die Ratsmitglieder der Europäischen Zentralbank um die Zukunft des Euro - während nur wenige Meter weiter die Tagelöhner um das tägliche Überleben kämpfen.

Zu Gast im neuen EZB-Gebäude: Bankier-Palast trifft Arbeiterstrich

Als Mario Draghi an diesem nasskalten grauen Dezemberdonnerstag auf seinem Stuhl vor den Journalisten Platz nimmt, hat er einen weiten Weg hinter sich. Fast einen Viertelkilometer muss er vom schweren runden Tisch des Rats der Europäischen Zentralbank bis zum Pressezentrum der Notenbank gehen. Das bringt der Umzug der EZB in ihr imposantes neues Zuhause im Frankfurter Osten so mit sich. Direkt am Main erhebt sich mitten in einem so gar nicht glänzenden Arbeiterviertel der aus zwei ineinander verdrehten bis zu 185 Meter hohen Glastürmen bestehende Komplex über der alten Großmarkthalle der Stadt. Der Blick auf die Skyline im Westen: schlicht atemberaubend. Am Abend leuchtet der Bau dann aus gut 20.000 Fenstern.

Willkommen in Frankfurts jüngstem Hochhaus, der neuen und wohl einzig wirklichen Kathedrale des Geldes in der Bankenstadt - Kostenpunkt: 1,3 Milliarden Euro - geplant waren 850 Millionen. Hier wachen Draghi & Co. über den Euro, dem Realität gewordenen Symbol der europäischen Idee in den Portemonnaies von Millionen. Den Banken, deren Wolkenkratzer sich ein paar Kilometer entfernt in der Frankfurter Innenstadt erheben, ist die EZB mit dem Umzug von rund 2900 Mitarbeitern entrückt. Und bleibt doch mittendrin: Schließlich werden die gut 1000 Bankenaufseher, die unlängst neu zur Notenbank hinzugekommen sind, im früheren EZB-Hauptquartier einziehen. Dort residierten Draghis Vorgänger Wim Duisenberg und Jean-Claude Trichet 16 Jahre lang - seit der Geburtsstunde des Euro 1999.

Vom 41. Stock des Südturms, wo die Währungshüter von nun an unter der stilisierten Landkarte Europas an der Decke um den richtigen geldpolitischen Kurs ringen, bis zu den Journalisten geht es für Draghi an diesem Tag zunächst in rasendem Tempo 150 Meter abwärts. Mit sechs Metern pro Sekunde stürzt der Aufzug in die Tiefe, rasend vorbei an Draghis Arbeitszimmer ein Stockwerk darunter, bis hinab zum gläsernen Übergang der beiden Türme in die Großmarkthalle, wo noch bis vor ein paar Jahren Gemüse- und Obsthändler ihren Geschäften nachgingen. Von hier fuhren einst auch jene Transporte ab, die Frankfurts Juden in die Konzentrationslager der Nazis brachten.

Top-Bankiers und Tagelöhner

Ist der Abstieg geschafft, müssen Draghi und sein Tross - EZB-Vize Vitor Constancio, seine Kommunikationschefin Christine Graeff und die Leibwächter - 70 Meter überbrücken, um dann über einen weiteren Aufzug ins nagelneue Pressezentrum zu gelangen. Dort angekommen, hält sich Draghi nicht lange mit dem Neubau auf. Lediglich an die 71 ursprünglichen Entwürfe erinnert er und an die lange Geschichte der Großmarkthalle, aus deren Fundamenten nun ein neuer architektonischer Hingucker in der Mainmetrople gewachsen ist. Die offizielle Eröffnung ist für den 18. März 2015 geplant - mit dabei vermutlich die politische Elite Europas und vor dem Zaun ganz sicher viele demonstrierende Kapitalismuskritiker.

Doch Draghis größte Kritiker sitzen auch nach dem Umzug mit am Tisch: allen voran der deutsche Bundesbank-Präsident Jens Weidmann. Fast scheint es gewollt, dass mit dem Umzug der EZB die Entfernung zwischen ihr und der Bundesbank in Frankfurt noch einmal um ein paar Kilometer größer geworden ist. In der Frage der richtigen geldpolitischen Antwort auf die Krise liegen ohnehin Welten zwischen den beiden Notenbanken. Auch bei der ersten Sitzung des EZB-Rats im neuen Gebäude - und der letzten des zu Ende gehenden Jahres - war Weidmann, liest man zwischen den Zeilen, nicht auf Draghis Seite.

Draußen - gegenüber der Sonnemannstraße 20 - treffen die neuen Nachbarn in Nadelstreifen auf die reale Welt des Frankfurter Ostends. Dort wartet an diesem Dezembertag ein gutes Dutzend Tagelöhner. Meist aus Osteuropa, hoffen sie wie jeden Tag auf Gelegenheitsjobs und ein paar Euro zum nackten Überleben. Den seit Jahrzehnten für diesen wilden Arbeitsmarkt bekannte Teil der Sonnemannstraße nennt der Volksmund den "Arbeiterstrich". Für die Rumänen, die dort frieren, heißt er "strada muncii": "Straße der Arbeit". Ob Mario Draghi an die Ausgestoßenen der Gesellschaft zu seinen Füßen denkt, wenn er daran arbeitet, den Euro stabil zu halten? In seinen Reden beklagt er immer wieder die Misere der Millionen Arbeitslosen, die die Krise in Europa hinterlassen hat. Diese Wirklichkeit beginnt ab jetzt direkt vor seiner Haustür.

So funktioniert die Steueramnestie für Russen mit Auslandsvermögen

Russland bietet seinen reichen Bürgern, die ihr Geld – wenn auch nicht …

Der US-Online-Handelsriese Amazon führt mit dem Service "Dash" ein neues Bestellsystem ein, mit dem Geräte automatisch den Nachschub bestellen. Zunächst sollen Waschmaschinen automatisch Waschpulver nachbestellen. Drucker sollen selbständig via Internet Toner nachbestellen.
 

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Der US-Online-Handelsriese Amazon führt mit dem Service "Dash" ein …

Mit der Abgabe der Osteuropa-Sparte CEE zur Mutter UniCredit wird auch der Vorstandsjob von Carlo Vivaldi bei Bank Austria gestrichen. Carlo Vivaldi tritt als CEE-Vorstand der BA ab. Er behält aber sein Büro in Wien. Die Übertragung des Osteuropageschäfts folgt von Wien auf Mailand im späteren zweiten Halbjahr 2016. Offen ist noch wie viele Mitarbeiter der Osteuropa-Sparte noch in Wien bleiben.
 

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab

Mit der Abgabe der Osteuropa-Sparte CEE zur Mutter UniCredit wird auch …

Das Wachstum der Weltwirtschaft kommt derzeit aus dem Westen. In den Schwellenländern ist die Arbeitslosigkeit rückläufig. Unterm Strich fehlen jedoch immer mehr Jobs. Deutschland verzeichnet Höchststand an Beschäftigung. In Lateinamerika und in China wächst die Arbeitslosigkeit rapide an.
 

ILO-Trendbericht: Arbeitslosigkeit nahm 2015 global zu

Das Wachstum der Weltwirtschaft kommt derzeit aus dem Westen. In den …