Europas Milchquote fällt - was bedeutet das für die Branche?

Europas Milchquote fällt - was bedeutet das für die Branche?

Zum Monatswechsel fällt die 1984 eingeführte Milchquote, mit der damals das Angebot gedrosselt werden sollte. Nun ist sie nicht mehr zeitgemäß - die Zukunft der Branche soll jetzt im Export liegen.

Wenn Kunden im Supermarkt einen Liter frische Milch kaufen, sind die komplexen Regeln des europäischen Agrarmarkts ziemlich weit weg. Für die Milchbauern sind die Vorgaben aus Brüssel aber eine wichtige Grundlage ihres täglichen Geschäfts. Und da gibt es nach 31 Jahren nun eine echte Zäsur: Zum Monatswechsel fällt die Milchquote als Schutzmechanismus weg.

Sie sollte mit Hilfe von Obergrenzen für die Produktion eine Balance zwischen Angebot und Nachfrage herstellen. Dass nach dem Quoten-Ende wieder Butterberge und Milchseen in Europa entstehen, befürchtet die Branche nicht. Für die Milchproduzenten beginnt eine neue Freiheit, die zugleich Ungewissheit mit sich bringt - für die Branche ebenso wie für die Preise im Supermarkt.

1. Warum soll die Quote jetzt wegfallen?

Als die Milchquote 1984 eingeführt wurde, gab es zu viel Milch auf dem europäischen Markt. Durch die Begrenzung des Angebots sollten die Preise - und damit das Einkommen der Landwirte - gesichert werden. Wer die erlaubte Quote überschritt, musste eine Abgabe zahlen. Doch nun rechnen Politik und Experten mit einer steigenden Nachfrage nach Milchprodukten weltweit - vor allem in Ländern, die wirtschaftlich aufholen. Von diesen Exportchancen sollen Europas Bauern profitieren.

2. Und was bedeutet das Quoten-Aus für die Verbraucher?

"Letzte Zuckungen" der Quote waren in den vergangenen Tagen noch zu spüren, wie das deutsche Informations- und Forschungszentrum der Ernährungswirtschaft beobachtete. Um keine Strafzahlungen mehr zu riskieren, hätten manche Bauern die Produktion gedrosselt, indem sie Kühe schlachteten oder Futtermengen reduzierten. Auch international gingen Anlieferungen zurück, so dass die zuletzt relativ niedrigen Preise wieder anziehen, wie der deutsche Milchindustrie-Verband analysierte. Auch Verbraucher müssten daher in den nächsten Monaten mit höheren Preisen rechnen. Jenseits des Exports könnten kleinere Höfe stärker auf eigene Absatzmärkte setzen, zum Beispiel mit regionaler Biomilch.

3. Was sagen die Milchbauern?

"Die Quote ist ein Relikt einer Agrarpolitik der Vergangenheit", sagt der Vizepräsident des deutschen Bauernverbands, Udo Folgart. Nun bekämen die Betriebe mehr Entscheidungsfreiheit, könnten Ställe und Melkanlagen besser auslasten und ihre Fixkosten senken. Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft sieht aber auch problematische Effekte, wenn mit der Quote die Strafzahlungen fürs Überschreiten des Limits entfallen. Damit verbillige es sich, wenn Betriebe noch stärker auf Expansion setzen und mehr Milchkühe anschaffen. Dies dürfte aber vor allem in Gegenden mit günstigen Weidebedingungen geschehen. Dagegen könnten etwa in den Mittelgebirgen viele Milchbauern aufgeben.

4. Wie geht es weiter?

Da es in Deutschland und Österreich kaum noch Wachstumspotenzial gibt, richten sich die Hoffnungen auf den Export. Die weltweite Nachfrage nach Milch und Käse soll Prognosen zufolge stetig steigen. Doch jahrelang habe die Quote Europa gebunden, während die USA, Neuseeland oder Australien die Produktion ausweiteten, erläutert der deutsche Bauernverband: "Wenn die EU hier nicht mitspielt, wird sie am Ende von den weltweiten Märkten verdrängt." Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter warnt indes vor einer höheren Abhängigkeit vom Weltmarkt. Da nur relativ kleine Mengen global gehandelt werden, dürften die Preisschwankungen künftig heftiger werden - "mit langen Tälern und kurzen Spitzen".

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