Europa spürt den Aufschwung - doch Österreich kommt nicht vom Fleck

Europa spürt den Aufschwung - doch Österreich kommt nicht vom Fleck

Der niedrige Ölpreis wirkt auf viele EU-Staaten wie ein Konjunkturprogramm.

Die Wirtschaft der Eurozone wird durch den niedrigen Ölpreis, den schwachen Euro, stärkeren Privatkonsum und die florierende US-Wirtschaft beflügelt. Doch in Österreich merkt man davon noch nicht viel.

Österreichs Wirtschaft wird auch heuer kaum vom Fleck kommen – das besagt eine Studie, die das Beratungsunternehmen EY gemeinsam mit dem Wirtschaftsforschungsinstitut Oxford Economics erstellt hat (Download unter diesem Link). Den Experten zufolge soll die heimische Wirtschaft heuer um 1,1 Prozent wachsen, während die Länder der Eurozone im Schnitt um 1,5 Prozent zulegen. Damit setzt sich der Trend aus dem vergangenen Jahr fort, in dem Österreichs Wirtschaft nur um 0,4 Prozent (Eurozone 0,9 Prozent) gewachsen ist.

„Der Grund für das schwache Wirtschaftswachstum ist die starke Spezialisierung des heimischen Exports auf Investitionsgüter und die Konzentration des Außenhandels auf die Eurozone“, analysiert Helmut Maukner, Country Managing Partner von EY Österreich. In den meisten Euro-Ländern gehe es zwar wirtschaftlich bergauf – die Lage ist aber noch zu unsicher, weshalb sich Unternehmenskunden mit großen Investitionen zurückhalten. Entsprechend niedrig ist die Auslandsnachfrage nach österreichischen Exporten.

Erholung in Österreich erst 2016

Auch in punkto Arbeitslosigkeit wird sich Österreich den ersten Platz so bald nicht mehr zurückholen: Deutschland wird der Studie zufolge auch in den kommenden Jahren an der Spitze der Länder mit der niedrigsten Arbeitslosenquote bleiben. Laut Prognose wird die deutsche Arbeitslosenquote heuer und im nächsten Jahr bei 4,9 Prozent liegen und sich bis 2019 sogar noch auf 4,5 Prozent verringern. Österreich bleibt hingegen mit voraussichtlich 5,1 Prozent in den nächsten beiden Jahren auf dem zweiten Platz, bis 2019 soll die Arbeitslosenquote immerhin auf 4,6 Prozent zurückgehen.

Arbeitslosenquoten in der EU, Februar 2015: Österreich liegt knapp hinter Deutschland.

Einen Aufschwung soll es in Österreich erst im Jahr 2016 wieder geben: „2016 wird Österreichs Wirtschaft um 2,1 Prozent und damit wieder deutlich stärker als der Schnitt in der Eurozone wachsen“, sagt Maukner: Das liege daran, dass der Außenhandel wieder stärker Fuß fasst und der Konsum im Inland, der traditionellerweise stabilisierend auf das Wirtschaftswachstum wirkt, deutlich anzieht.

Aufschwung in Europa

Der Rest der Eurozone wird hingegen heuer 1,5 Prozent wachsen, nach 0,9 Prozent im Vorjahr. Für das Jahr 2016 wird ein BIP-Wachstum von 1,8 Prozent vorhergesagt. Die Gründe: Der schwache Euro kurbelt die Exporte an, der niedrige Ölpreis wirkt auf viele Energieimporteure wie ein Konjunkturprogramm – diese positiven Faktoren überdecken gar die politischen Querelen gewisser Länder. Gleichzeitig steigt der private Konsum wieder an; exportierende Staaten profitieren außerdem von der florierenden US-Wirtschaft: Das BIP der USA ist 2014 um 3,1 Prozent gestiegen.

Entwicklung des Ölpreises und Ausblick.

Wenig überraschend ist daher, dass Exportmeister Deutschland eines der Zugpferde in der Eurozone ist: Um 2,2 Prozent wächst die deutsche Wirtschaft heuer, um 2,0 Prozent soll sie 2016 wachsen. Das größte Plus gibt es aber in den ehemaligen Krisenländern: Mit einem erwarteten BIP-Wachstum von 3,4 Prozent legen Irland und Litauen voraussichtlich am stärksten zu; auch Spaniens Wirtschaft wird mit erwarteten 2,4 Prozent deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone wachsen.

Prognose: Euro und Öl bleiben billig

Sowohl der Eurokurs als auch der Ölpreis werden der Studie zufolge weiter auf dem niedrigen Niveau verharren. Im Jahr 2015 wird der Ölpreis laut Prognose im Durchschnitt bei 55 US-Dollar je Barrel liegen – und damit 45 Prozent unter dem Niveau des Vorjahres. Der Eurokurs wird im Jahresdurchschnitt bei 1,07 US-Dollar stehen, um 2016 sogar noch weiter auf 1,01 US-Dollar zu sinken. Darauf basierend werden die Exporte der Eurozone laut Prognose heuer um 4,0 Prozent steigen, im kommenden Jahr gar um 4,5 Prozent.

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