EU-Beitritt als Adrenalinschub für Österreichs Außenhandel

EU-Beitritt als Adrenalinschub für Österreichs Außenhandel

Seit dem EU-Beitritt vor 20 Jahren haben sich Österreichs Exporte mehr als verdreifacht. Aus österreichischen KMU wurden europäische Mittelständler - mit entsprechend vielen Mitarbeitern.

Seit dem EU-Beitritt 1995 hat sich der internationale Warenaustausch Österreichs massiv belebt. Damals hatte das Volumen der Ausfuhren 42,15 Mrd. Euro erreicht. "Mittlerweile haben sich die Exporte auf 126 Mrd. Euro verdreifacht - das war eine recht dynamische Entwicklung", betonte der Vize-Chef der Außenwirtschaft in der Wirtschaftskammer Österreich, Karl Hartleb.

"Da liefen Parallelentwicklungen, die das mit sich bringen", erklärte der stellvertretende Leiter der Außenwirtschaftsorganisation. Denn zur Dynamisierung der Ausfuhren trug auch die starke Position Österreichs nach der Ostöffnung 1989 bei, die das heimische Außenhandelsvolumen mit den Ländern Ost- und Südosteuropas spürbar ausdehnte. Zudem hat sich die Union in den vergangenen 20 Jahren von zwölf auf 28 Mitgliedstaaten deutlich vergrößert. "Durch den Beitritt der CEE-Länder hat sich der EU-Effekt bei uns sicherlich verstärkt", so Hartleb.

Verdreifachung des Warenexports

"Wir haben vom EU-Beitritt profitiert - auch im Dienstleistungsbereich", ist der Außenhandelsexperte überzeugt. Im Warenbereich hätten sich die heimischen Ausfuhren seither verdreifacht, bei den Dienstleistungen verdoppelt. Die Dienstleistungsexporte nach Großbritannien und Holland seien beispielsweise mittlerweile fast so hoch wie die Warenexporte.

Das strukturelle Außenhandelsdefizit, das Österreich seit den Siebziger/Achtziger-Jahren im weltweiten Warenaustausch ausweise, habe sich von gut 8 Mrd. Euro im Jahr vor dem EU-Beitritt (1994) auf zuletzt etwas über 4 Mrd. Euro halbiert (2013). "Die Situation hat sich da gebessert, weil wir wettbewerbsfähiger geworden sind", berichtete Hartleb.

Durch den EU-Beitritt und die Osterweiterung sei es Österreich auch gelungen, "einen kritischen Sprung in der Firmengröße" zu machen. Aus österreichischen Mittelständlern seien europäische Mittelständler mit 1.000 und mehr Beschäftigten geworden. Und über die Größe der Unternehmen sei auch Österreichs Wettbewerbsfähigkeit gestiegen. Die heimischen Unternehmen zogen dann Niederlassungen durch ganz Osteuropa. Der Beitritt zur internationalen Staatengemeinschaft habe das Ost-Engagement Österreichs "abgesichert".

Das Passivum im heimischen Warenaustausch mit den EU-Ländern erhöhte sich seit dem Beitritt von 5,5 auf 6,5 Mrd. Euro - seit etwa zehn Jahren ist es relativ stabil. Vor allem die Lebensmittelexporte in die EU legten stark zu. Überschüsse erzielt Österreich im Außenhandel mit Großbritannien und mit Frankreich, aber auch auf Drittmärkten (außerhalb der EU).

Euro-Einführung in Italien war wichtig

"Immer tiefe Defizite haben wir mit einzelnen Ländern wie etwa unserem Haupthandelspartner Deutschland", räumte der Vertreter der Wirtschaftskammer ein. Seit 1995 erhöhten sich nicht nur Österreichs weltweite Exporte, sondern auch die Importe - von 48,55 auf über 130 Mrd. Euro (2013).

Die Einführung des Euro im Jahr 2002 sei "für Österreich weniger Zäsur als für die südlichen EU-Mitgliedsländer" gewesen. Über die starke D-Mark-Bindung des Schillings seien es die Exporteure ohnehin gewohnt gewesen, "in einem stabilen Umfeld zu leben", verwies Hartleb auf Preisstabilität und Währungshärte. Für Österreich sehr wohl wichtig gewesen sei dafür die Euro-Einführung in Italien. Denn der bedeutende Außenhandelspartner war "immer einer der massiven Abwertungskandidaten" gewesen.

"Österreich ist einer der Gewinner des EU-Binnenmarktes - neben Dänemark und Deutschland", strich der Außenwirtschaftschef in der Wirtschaftskammer Österreich, Walter Koren, kürzlich vor Journalisten hervor. Die EU-Integration habe hierzulande pro Kopf einen Zuwachs des Bruttoinlandsprodukts von 280 Euro gebracht. 80 Prozent des Außenhandels wickelt Österreich laut Koren mit Europa ab, 70 Prozent mit den Ländern der EU.

Aus der Außenhandelsstatistik als positive Entwicklung nicht ersichtlich seien die österreichischen Direktinvestitionen im Ausland, die sich verzwanzigfachten, berichtete Hartleb weiters. "Das ist eine Explosion." Er verwies dabei etwa auf die Großinvestitionen mit den Banken und Versicherungen in Osteuropa. "Seit drei Jahren sind wir Nettokapitalexporteure, das heißt, wir exportieren mehr Kapital als wir importieren." Und diese Investitionen machten Markterschließungen erst möglich.

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