Ein Supermarkt ohne Verpackungen - finanziert durch begeisterte Kunden

Ein Supermarkt ohne Verpackungen - finanziert durch begeisterte Kunden

Über Crowdfunding finanzieren begeisterte Kunden neue Geschäftsideen, wie etwa den verpackungsfreien Supermarkt "Original Unverpackt". Das schafft auch für Investoren neue Möglichkeiten - allerdings nicht ohne Risiko.

Warum sind Salatgurken im Supermarkt eigentlich separat abgepackt? Wiese müssen Paprika stets im Dreierpack verkauft werden, weshalb gibt es viele Produkte auch für Single-Haushalte nur in der XL-Familienversion? Und gibt es keine Alternative dazu, dass jeder Europäer jährlich 250 Kilogramm Müll aus Verpackungen produziert? Die vier Gründerinnen von „Original Unverpackt“ wollen diese Probleme lösen: Das Start-up will im Sommer in Berlin einen Supermarkt eröffnen, der völlig ohne Einweg-Verpackungen auskommt – stattdessen sollen die Kunden leere Behälter mitbringen und sie an Abfüllstationen mit der Menge befüllen, die sie brauchen.

Wem das wie ein verträumtes Hippie-Projekt vorkommt, der liegt falsch. Denn dem Firmenblog zufolge soll Original Unverpackt „eine wirkliche Alternative zu großen Supermärkten werden“; Ziel ist ein Rollout in ganz Deutschland. Daher sollen nicht nur reine Bio-Waren, sondern insgesamt mindestens 600 verschiedene Produkte angeboten werden – um wie in einem herkömmlichen Supermarkt alle Bedürfnisse des Alltags befriedigen zu können.

Finanziert wurde das Projekt zum Teil über die Crowdfunding-Plattform startnext.de – hier investieren Kunden Geldbeträge von acht bis 3000 € und bekommen dafür ein Geschenk, von Pflanzensamen bis hin zum Lebensvorrat an einem Lebensmittel ihrer Wahl. Der Erfolg der Kampagne ist überragend: 20.000 € waren für das Zustandekommen der Finanzierung nötig, 45.000 € hatten sich die Gründerinnen als Ziel gesetzt – am Ende waren es 108.900 €.

Finanzierung und Vertrieb

Crowdfunding, das bedeutet auf Deutsch übersetzt etwa: „Finanzieren aus der Masse“. Und es hat sich für Jungunternehmer, die bei einer Bank nur schwer einen Kredit bekommen können, zu einer passenden Alternative entwickelt. Neben Startnext nutzen sie Websites wie Kickstarter.com oder Indiegogo.com , um das nächste Projekt zu finanzieren: Die Bandbreite reicht von Bio-Bieren über schräge Techno-Gadgets bis hin zu Kunstprojekten.

Meist bekommen die Geldgeber als Dankeschön ein Exemplar des Produkts, das entwickelt werden soll – und hier liegt ein zusätzlicher Reiz: Aus Gründer-Kreisen erfuhr format.at, dass sich derartiges Crowdfunding nicht nur für die eigentliche Finanzierung, sondern auch als Vertriebsweg für das neue Produkt eignet.

Beteiligung am Unternehmen

Anders als bei der Finanzierung einzelner Produkte ist es auch möglich, sich gleich am Eigenkapital eines Unternehmens zu beteiligen; in Österreich sind hier die Plattformen conda.at und 1000x1000.at sehr aktiv.

Die Crowdinvestoren sind hier am Unternehmensgewinn und am Substanzwert des Unternehmens beteiligt, nehmen dafür aber auch den Totalverlust des eingesetzten Kapitals in Kauf. Die Investoren werden entsprechend der Höhe ihres Investments mittels Genussrecht prozentuell am laufenden Ertragswert (jährlicher Gewinn), sowie am Substanzwert im Falle des Unternehmensverkaufs beteiligt. Die Investoren des 1000x1000.at Netzwerkes finanzieren auf diese Weise Projekte mit jeweils bis zu € 250.000,-. Pro Projekt können bei 1000x1000.at Investoren 100 bis 5000 Euro investieren.

Zu den von Conda aktuell angepriesenen Projekten gehören etwa der Bio-Grüntee und RedBull-Herausforderer „allineed“ oder der Gourmet-Lieferservice „Heimschmecker“; 1000x1000 hat mit „Darling4me“ eine videobasierte Partnersuche im Angebot.

Warnung von der FMA

So schön dies alles klingt, so sind Investitionen in derartige Projekte auch mit einem gewissen Risiko für die Geldgeber verbunden: „Die FMA weist darauf hin, dass die Risiken in Zusammenhang mit Bürgerbeteiligungen rasch schlagend werden können und dass es für die Anleger zu einem Totalverlust des eingesetzten Kapitals kommen kann“, warnt etwa die Österreichische Finanzmarktaufsicht auf ihrer Website: „Bei Bürgerbeteiligungsmodellen gibt es weder den gesetzlichen Anlegerschutz noch eine Einlagensicherung.“

Zur Schaffung von Klarheit bei Crowdfunding hat die FMA eine Informationsbroschüre zu Bürgerbeteiligungsmodellen veröffentlicht.

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