E.ON und RWE: Zwei Energieriesen versuchen die Kernspaltung

E.ON und RWE: Zwei Energieriesen versuchen die Kernspaltung

Die kriselnden deutschen Energieversorger E.ON und RWE wollen sich künftig stärker auf das Ökostromgeschäft konzentrieren. Analysten sehen Chancen, doch die Investoren müssen noch überzeugt werden. Im Vorjahr sind die Aktien beider Unternehmen abgestürzt.

Die Worte zum Jahresbeginn sollen Hoffnung machen: "Wir starten jetzt durch", kündigte RWE-Chef Peter Terium an. Die deutsche Energieriese ist in Österreich an der Kärntner Kelag beteiligt. "Wir schärfen unser Profil bei Kunden und Investoren", so auch E.ON-Chef Johannes Teyssen. Die kriselnden Versorger treiben 2016 ihre Aufspaltung voran und konzentrieren sich verstärkt auf das Ökostromgeschäft.

Nach den Gewinneinbrüchen der Kohle- und Gaskraftwerke hoffen sie, so das Ruder rumzureißen. Analysten sehen Chancen für eine Wende. Doch die Investoren müssen noch überzeugt werden. Die Milliardenkosten für den von der deutschen Regierung nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 beschlossenen Atomausstieg belasten die Energieriesen. Zudem schwächelt weiter das Stromgeschäft. Auch die in der alten Energiewelt aufgestiegenen Konzernbosse müssen sich als "grüne Manager" erst noch beweisen.

Wind und Sonne statt Kohle und Gas

Die Krise sei nicht vorüber, sagt Thomas Deser, Portfoliomanager bei Union Investment. Der Strompreis stehe weiter unter Druck. Die Großhandelspreise sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken im Zuge des Ausbaus der erneuerbaren Energie auf unter 24 Euro je Megawattstunde gefallen - der tiefste Stand seit mehr als 13 Jahren. Statt Kohle und Gas setzen die Versorger auf Wind und Sonne. Die Brennstoffkosten sind gleich Null, zudem garantiert der Staat in vielen Märkten satte Renditen. Doch der Wandel geht nicht von Heute auf Morgen. RWE produziert nur fünf Prozent seines Stroms aus erneuerbarer Energie. E.ON schneidet hier schon besser ab.

E.ON hat zum 1. Jänner das Geschäft mit Kohle- und Gaskraftwerken in die neue Gesellschaft Uniper abgespalten. Die künftig getrennten Unternehmen - Ökostrom und Kohle und Gas - hätten ein klareres Profil, sagte Teyssen. Die Mehrheit der Anteile an Uniper wird an die E.ON-Aktionäre verteilt, der Rest mittelfristig über die Börse verkauft. Eine Zustimmung der Aktionäre auf der Hauptversammlung im Juni ist wahrscheinlich. RWE will in diesem Jahr den Ökostrom und weitere Geschäfte in eine Tochtergesellschaft auslagern und zehn Prozent an die Börse bringen. Das soll neue Investoren anlocken.

Aus Sicht mancher Experten hat die neue Tochter von RWE einen Pluspunkt: "Es ist ein reines Geschäft aus Ökostrom, Netzen und dem Vertrieb", sagt Martijn Olthof, Portfolio-Manager der niederländischen APG. Damit hätten Investoren ein klares Modell. "Das hat den Vorteil, dass das neue Geschäft sauber ist", sagt auch ein Analyst. E.ON behalte neben dem Ökostrom seine AKW im selben Konzern. Welche Variante für Anleger attraktiver ist, sei noch offen, sagt hingegen Union Investment-Experte Deser. Dafür müssten Details wie der Eigenkapitalanteil und die Wachstums- und Dividendenstrategie bekannt sein. Gut sei, dass es bei den Geschäftsmodellen mehr Transparenz gebe. Die Aufspaltung könne zu einer Neubewertung der Unternehmen führen, erklärten auch die Experten der UBS.

Unsicherheit ließ Aktien 2015 abstürzen

Sollte es zu einer Einigung mit der Regierung bei der Abwicklung der Kernenergie kommen, könne auch dies die Aktien der Versorger beflügeln, sagen die Experten der Bank. Eine Kommission soll Ende Februar Vorschläge vorlegen, wie der Abriss der Meiler und die Entsorgung des Jahrtausende strahlenden Mülls organisiert wird. Die Unsicherheit über die Kosten hatte mit dazu geführt, dass die Aktienkurse von E.ON 2015 um 37 Prozent und die von RWE sogar um 54 Prozent in den Keller rauschten. Die gleiche Erfahrung macht gerade der französische Atomriese EDF, dessen Papiere wegen drohender Milliardenkosten für die Endlagerung so billig sind wie noch nie. E.ON und RWE wollen ihre Rückstellungen für den Atomausstieg an eine vom Staat organisierte Stiftung abgeben und vor Kostenexplosionen für die Endlagersuche geschützt werden.

Teyssen (56) und Terium (52) müssen noch zeigen, dass sie für den Umbau der Energieriesen vom Atom-Dino zum grünen Musterkonzern die Richtigen sind. Schließlich sind sie schon seit Jahren in Führungspositionen. Wettbewerber wie Iberdrola aus Spanien oder die italienische Enel seien beim Wandel zügiger gewesen, sagt Andreas Schneller von der Schweizer Fondsgesellschaft EIC. RWE und E.ON hätten lange die Zeichen der Zeit verkannt. "Die haben zu wenig gemacht in den letzten zehn Jahren."

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