Drei Ösis retten die Deutschland AG

Drei Ösis retten die Deutschland AG
Drei Ösis retten die Deutschland AG

Die Austria Soko: Paul Achleitner, Wolfgang Mayrhuber und Hans Dieter Pötsch (v.li.n.re.). Mission: Rettung der Deutschland AG.

Drei Oberösterreicher leiten die Aufsichtsräte von drei Weltkonzernen in argen Turbulenzen - VW, Deutsche Bank und Lufthansa. Von ihnen hängt ab, ob die Krisen in der deutschen Wirtschaft gemeistert werden.

Krisenmanagement. Mit Paul Achleitner (59), Wolfgang Mayrhuber (68) und bald auch Hans Dieter Pötsch (64) stehen drei Österreicher als Aufsichtsratschefs der Deutschen Bank, der Lufthansa und von VW an vorderster Front im Kampf um die bedrohte Reputation von "Corporate Germany". Können sie den Ruf retten?

Auf dem Papier, etwa im brandneuen "Global Competitiveness Report" des Weltwirtschaftsforums (WEF) Davos, ist die Welt der "Deutschland AG" noch in Ordnung. Dieser wichtige Wegweiser der globalen Investitionsströme reiht das Land, berühmt für Ingenieure, Innovationen und Integrität, auf Platz vier der wettbewerbsfähigsten Ökonomien, in der Eurozone gar auf Rang eins.

Das WEF-Ranking hat bloß einen gravierenden Schönheitsfehler: Der Volkswagen-Skandal und seine Folgen für das Gütesiegel "Made in Germany" sind mit keinem Wort berücksichtigt. Doch die Abgasmanipulationen, von denen laut VW elf Millionen Dieselautos betroffen sind, bringen nicht nur den mit rund 600.000 Mitarbeitern größten Kfz-Produzenten Deutschlands und des Planeten in ärgste Bedrängnis.


Sie drohen im Konzert mit etlichen weiteren Megamalversationen -globale Finanzvergehen der Deutschen Bank, Großsteuerhinterziehung bei der Deutschen Post, Schmiergeldskandal bei Siemens, Dauerstreiks bei der Lufthansa - sogar das Image von "Corporate Germany" zu versenken.

Anders gesagt: Mit dem VW-Skandal, der außerhalb des deutschen Wolkenkuckucksnests längst weitaus schlimmer taxiert wird als die amerikanische Enron-Affäre in den 90er-Jahren, die Mutter aller Konzernbetrügereien, könnte jene kritische Masse an Misstrauen angereichert sein, die die zentralen Assets des Wirtschaftskraftwerks Deutschland - Glaubwürdigkeit und Zuverlässigkeit - ihres Wertes beraubt. Und wer in aller Welt soll dann noch einen Aufpreis für "deutsche Qualität" bezahlen?

Volkswagen

Umsatz: 202,5 Mrd. €
Mitarbeiter: 593.000
Marktkapitalisierung: 48,18 Mrd. €(30. September 2015)
Fazit: Durch den Abgasskandal hat VW circa 30 Prozent seines Börsenwertes verloren. Die Aktie notiert derzeit etwas über 100 Euro, verglichen mit dem Höchstwert von 250 Euro im Mai 2015 ein dramatischer Einbruch. Die Affäre bedroht nicht nur den Ruf des größten Autoherstellers der Welt, sondern auch die Reputation der gesamten Deutschland AG.

VW-KONZERN. Der Abgasskandal hat innerhalb weniger Tage fast 30 Milliarden Euro Marktkapitalisierung vernichtet.


Deutsche Bank

Bilanzsumme: 1.708,7 Mrd. €
Mitarbeiter: 98.000
Marktkapitalisierung: 32,4 Mrd. € (30. September 2015)
Fazit: Seit Paul Achleitner 2012 zum Aufsichtsratsvorsitzenden berufen wurde, hat die DB-Aktie 50 Prozent ihres Wertes verloren und notiert derzeit bei etwa 24 Euro. Anleger und Finanzmarktaufsicht kritisieren eine zu wenig strenge Aufarbeitung der Banksünden vor Ausbruch der Finanzkrise. Achleitner sei ein Zauderer, der zu lange zum DB-Boss Anshu Jain gestanden sei.

DEUTSCHE BANK. Das Geldhaus hat es noch nicht geschafft, seinen ramponierten Ruf zu sanieren. Anleger strafen das ab.


Lufthansa

Umsatz: 30 Mrd. €
Mitarbeiter: 119.000 Marktkapitalisierung: 5,4 Mrd. €(30. September 2015)
Fazit: Auch die Lufthansa-Aktie wurde im jüngsten Halbjahr gehörig gestutzt, notiert aber im Einjahresvergleich bei etwa zwölf Euro relativ stabil. Ganz im Gegensatz zum Geschäft der Luftlinie, das immer noch jede Menge Baustellen und besondere Streikanfälligkeit ausweist, was ihrem aktuellen Aufsichtsratsvorsitzenden und Ex-CEO Wolfgang Mayrhuber angelastet wird.

LUFTHANSA. Streikende Piloten, defizitäre Beteiligungen, unklare Produktstrategie setzen die Flugaktie unter Druck.

Lesen Sie den ganzen Artikel "Retten drei Ösis die Deutschland AG" in der FORMAT Ausgabe 40/2015
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