Dieselgate: Auch in Europa Autos mit manipulierten Motoren

Dieselgate: Auch in Europa Autos mit manipulierten Motoren
Dieselgate: Auch in Europa Autos mit manipulierten Motoren

TDI-Dieselmotor von Volkswagen. Auch in Europa wurden manipulierte Motoren in VW-Modelle eingebaut.

Das Abgas-Desaster bei Volkswagen wird immer größer: Nun wurde bekannt, dass auch Dieselmotoren von Fahrzeugen in Europa von den Manipulationen betroffen sind. VW entlässt drei Top-Manager. In den USA wurden bereits mehrere Dutzend Sammelklagen in sieben US-Bundesstaaten eingebracht. Ob und wie viele Fahrzeuge in Österreich betroffen sind, steht noch nicht fest.

Mit dem Rücktritt des Vorstandschefs Martin Winterkorn ist der auch als "Dieselgate" bekannte Abgas-Skandal bei VW noch nicht beendet. Einem Insider zufolge müssen einige der wichtigsten Manager den Konzern verlassen. Audi-Entwicklungschef Ulrich Hackenberg, Porsche-Entwicklungschef Wolfgang Hatz sowie VW-US-Chef Michael Horn müssten ihre Posten räumen, sagte eine mit der Angelegenheit vertraute Person am Donnerstag der Nachrichtenagentur Reuters. Volkswagen lehnte eine Stellungnahme ab.

Zunächst hieß es, der VW-Aufsichtsrat werde am Freitag weitere Personalentscheidungen bekannt geben.

Darüber hinaus will Volkswagen Insidern zufolge im Konzernvorstand ein eigenes Ressort für das Amerika-Geschäft einrichten. Kandidat für den Posten sei Skoda-Chef Winfried Vahland. Mit dem neuen Ressort erhalten die USA in der Konzernspitze ein ähnliches Gewicht wie das China-Geschäft, für das Jochem Heizmann zuständig ist.

Manipulierte Diesel-Technologie auch in Fahrzeugen von Skoda und Seat

Neuesten Informationen zufolge sind auch die VW-Konzerntöchter Skoda und Seat von den Problemen mit manipulierten Abgaswerten betroffen. Ein Sprecher der Volkswagentochter Skoda bestätigte am Donnerstag, Modelle der Reihen Fabia, Roomster, Octavia und Superb aus den Jahren 2009 bis 2013 seien teilweise mit den betroffenen Dieselmotoren ausgerüstet worden. Bei aktuellen Modellen gebe es keine Probleme.

Auch Seat bestätigte am Donnerstag, dass in dem Werk der spanischen VW-Tochter Fahrzeuge mit der manipulierten Diesel-Technologie montiert worden seien. Die genaue Zahl sei nicht bekannt, verlautete aus Unternehmenskreisen. Eine Untersuchung solle nähere Aufschlüsse bringen.

Die spanische Zeitung "El País" (Donnerstag) berichtet, dass seit 2009 bei Seat eine halbe Million Autos mit der manipulierten Abgas-Technologie montiert worden seien. Als Quelle wurden inoffizielle Kreise genannt, die mit dem Unternehmen in Verbindung stünden.

Eine Aufschlüsselung der Stückzahlen nach Marken, Ländern und Modellen solle laut VW so bald wie möglich bekannt gegeben werden.

Skoda-Chef Winfried Vahland soll Insidern zufolge das Amerika-Geschäft übernehmen.

Skandal weitet sich aus

Volkswagen zieht die Konsequenzen eines globalen Skandals, der immer größere Kreise zieht. Dem deutschen Verkehrsminister Alexander Dobrindt zufolge sind auch Dieselmotoren von Fahrzeugen in Europa von den Manipulationen betroffen. "Es wurde uns mitgeteilt, dass auch in Europa Fahrzeuge mit 1,6 und 2,0-Liter Dieselmotoren betroffen sind von den in Rede stehenden Manipulationen", sagte der CSU-Politiker. Die Zahl der Fahrzeuge sei noch unbekannt. Dobrindt ließ offen, ob diese nun aus dem Verkehr gezogen werden müssten. Zugleich kündigte er an, die angeordneten Abgas-Nachprüfungen würden auch auf andere Marken als VW ausgedehnt.

Die EU-Kommission will in allen Mitgliedsländern Untersuchungen wegen möglicher Manipulationen bei Diesel-Abgasen anregen.

Ob und wie viele VW-Fahrzeuge in Österreich von der Abgas-Affäre betroffen sind, ist noch offen. "Die Zahl steht noch nicht fest", sagte ein Sprecher der Porsche Holdung Salzburg, die hierzulande auch die Kommunikation für Volkswagen innehat.

Weitere Hersteller unter Verdacht

Der VW-Skandal lenkt den Verdacht auf weitere Hersteller. Einem Bericht der deutschen "Auto-Bild" zufolge habe etwa auch der BMW X3 xDrive 20d bei Straßentests des Forschungsinstituts ICCT "auffällige Stickoxidwerte" produziert. Der Diesel-SUV habe die europäische Abgasnorm dabei um mehr als das Elffache überschritten. "Alle Messdaten deuten darauf hin, dass das kein VW-spezifisches Problem ist", sagte ICCT-Vertreter Peter Mock. Als Reaktion auf den Bericht über die erhöhten Abgaswerte gab die BMW-Aktie zeitweise um fast zehn Prozent nach.

BMW wehrt sich die Vorwürfe. "Bei der BMW Group wird nicht manipuliert und wir halten uns selbstverständlich in jedem Land an die gesetzlichen Vorgaben und erfüllen alle lokalen Testvorgaben", teilte der Münchner Konzern mit. "Das heißt: Bei unseren Fahrzeugen wird in der Abgasbehandlung nicht zwischen Rollen- und Straßenbetrieb unterschieden."

Die in dem Bericht erwähnten Ergebnisse seien BMW "bisher nicht bekannt und daher für uns derzeit weder nachvollziehbar noch erklärbar", teilte der Konzern mit. "Wir werden den ICCT kontaktieren und um Aufklärung des durchgeführten Straßentests bitten." Nach zwei Studien des ICCT erfüllten sowohl der X5 als auch 13 weitere getestete BMW-Fahrzeuge die gesetzlichen Anforderungen.

Der Stuttgarter Autokonzern Daimler bekräftigt hingegen, eine weiße Weste zu haben. "Wir betrügen nicht und wir setzen auch keine 'Defeat-Devices' ein - auch in Europa nicht", sagte ein Konzernsprecher. Mit Blick auf die bekannte übliche Diskrepanz von Schadstoffen im Prüfstand und dem Normalbetrieb ergänzte der Sprecher: "Wir halten uns weltweit an die gesetzlichen Vorgaben."

Auch der deutsche Autohrsteller Opel hat gefälschte Abgas-Messungen in Fahrzeugen des General-Motors-Konzerns ausgeschlossen. "General Motors und seine Marken halten sich in allen Fahrzeugen strikt an die Emissionsvorgaben", so das Unternehmen.

VW startete im April verdeckten Rückruf

Unterdessen wurde bekannt, dass VW bereits im April in den USA versucht hat, die Abgas-Manipulationen durch einen verdeckten Rückruf von Dieselautos zu beheben. Der Konzern forderte Halter von VW- und Audi-Fahrzeugen in einem Brief auf, ihre Autos in die Werkstätten zu bringen, um eine neue Software aufzuspielen. Diese sollte die Abgas-Emissionen optimieren und die Effizienz des Motors steigern. Ein Sprecher der kalifornischen Emissionsschutzbehörde sagte, das Schreiben sei Teil einer landesweiten Rückrufaktion von VW gewesen.

VW war bereits im Mai vergangenen Jahres von Umweltschützern und US-Behörden wegen Abweichungen bei Abgaswerten kritisiert worden. Am vergangenen Freitag hatte die US-Umweltbehörde EPA mitgeteilt, sie habe herausgefunden, dass VW in Modellen der Jahre 2009 bis 2015 eine Software zur Umgehung von Emissionskontrollsystemen verbaut habe. Das Programm erkennt, ob das Auto auf einem Teststand läuft und reguliert den Motor so, dass die Grenzwerte eingehalten werden. Im Normalbetrieb liegen die Werte jedoch bis zu 40 Mal höher als vorgegeben.

Klagewelle rollt auf VW zu

Seit Bekanntwerden des Skandals sind in den USA mindestens zwei Dutzend Klagen in sieben Bundesstaaten eingereicht worden. Die Anwälte argumentieren damit, dass VW die Kunden getäuscht habe, die mehr gezahlt hätten, um vermeintlich umweltfreundliche Autos zu fahren. Ein Anwalt will die Klagen bei einem US-Bundesgericht in Kalifornien zusammenfassen. Das Gericht von Bezirksrichter Fernando Olguin hat Erfahrung mit Klagen gegen Autobauer: Toyota erklärte sich 2012 in einem Vergleich zur Zahlung von 1,1 Milliarden Dollar bereit, um eine Sammelklage wegen Problemen mit Fußmatten und klemmenden Gaspedalen beizulegen. Hyundai und Kia zahlten 255 Millionen Dollar, weil sie einen zu niedrigen Benzinverbrauch angegeben hatten.

Klagen drohen auch in Deutschland

Es ist üblich, dass mehrere ähnliche Schadenersatzklagen zusammengefasst werden. Doch streiten sich Kläger und Beklagte oft um einen für sie günstigen Gerichtsstand. Auch in Deutschland drohen VW Klagen.

Die Kläger fordern von VW eine Entschädigung für den Wertverlust ihrer Fahrzeuge und für die durch Rückrufe entstehenden Kosten. In den USA hat VW zwischen 2009 und 2015 insgesamt 482.000 Autos mit den vom Skandal betroffenen Dieselmotoren ausgeliefert. In Kanada weitere 100.000 Fahrzeuge.

Die US-Umweltschutzbehörde EPA hat VW nachgewiesen, bei zahlreichen Diesel-Fahrzeugen die Abgasvorschriften vorsätzlich umgangen zu haben. Dort geht es um fast eine halbe Million Autos. Volkswagen droht deshalb eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar. Hinzu kommen unter anderem Kosten für Sammelklagen und Rückrufe. Inzwischen hat der Fall weltweite Ausmaße angenommen. Bis zu elf Millionen Fahrzeuge könnten weltweit von Manipulationen betroffen sein.

VW arbeitet an Liste, Audi-Modelle auch betroffen

Unterdessen bereitet Volkswagen unter Hochdruck eine Liste der von der Abgasaffäre betroffenen Dieselfahrzeuge vor. Wann diese Liste veröffentlicht wird, steht noch nicht fest. Es werde jedoch einem Konzernsprecher zufolge daran gearbeitet. Sobald die Liste fertiggestellt ist, kann der Autokonzern über eine Rückrufaktion entscheiden.

Außerdem wurde bekannt, dass auch in Fahrzeugen der VW-Tochter Audi der Motorentyp EA 189 eingebaut wurde: Betroffen sind die Modellreihen A1, A3, A4 und A6, so ein Audi-Sprecher. Die genauen Baujahre und die Anzahl der Fahrzeuge könnten aber noch nicht genannt werden. Ob die Autos von den Software-Manipulationen betroffen seien, könne er ebenfalls noch nicht sagen.

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