Deutschlands Wirtschaft schwächelt: 4 Gründe für die Flaute

Deutschlands Wirtschaft schwächelt: 4 Gründe für die Flaute

Nach dem Jubel über ein starkes Jahresende 2014 ist bei Österreichs wichtigstem Handelspartner nun Katerstimmung angesagt. Denn das BIP-Wachstum hat sich im ersten Quartal halbiert. Diese vier Faktoren sind Schuld am Gegenwind.

Vor wenigen Monaten hatte Deutschland noch den Aufschwung gefeiert, nun stellt sich Katerstimmung ein: Denn das Wachstum der deutschen Wirtschaft hat sich ausgerechnet wegen schwächelnder Exporte zu Jahresbeginn halbiert. Das Bruttoinslandsprodukt (BIP) legte von Jänner bis März um 0,3 Prozent zum Vorquartal zu; Ende 2014 hatte es noch ein Plus von 0,7 Prozent gegeben. Enttäuscht sind auch die Experten: Von Reuters befragte Ökonomen hatten im Schnitt mit 0,5 Prozent gerechnet, wobei die Prognosen von 0,4 bis 0,9 Prozent reichten.

Besser als im Vorjahr soll es dennoch werden: Die deutsche Bundesregierung erwartet für dieses und nächstes Jahr ein Wachstum von jeweils 1,8 Prozent, nach 1,6 Prozent im Jahr 2014. "Ein schwächeres erstes Quartal folgt auf eine starkes viertes. Die wahre Reisegeschwindigkeit der deutschen Wirtschaft liegt dazwischen,“ analysiert Holger Sandte von Nordea Bank: Vor allem die Binnennachfrage laufe weiter gut – der kräftige Anstieg des Importvolumens mindere zwar rechnerisch das Wachstum, sei aber per se kein schlechtes Zeichen. Auch er rechnet heuer mit 1,5 bis zwei Prozent Wachstum bei Österreichs wichtigstem Handelspartner: „Und die Arbeitslosigkeit dürfte weiter sinken“, fügt er hinzu.

Arbeitslosigkeit: Österreich nur noch auf Platz 3

Deutschland ist derzeit das EU-Land mit der niedrigsten Arbeitslosenquote, gefolgt von Großbritannien. Österreich, einst EU-Musterschüler in den Job-Statistiken, rangiert nur noch auf Platz 3. Für den deutschen Verbraucher sind die Bedingungen laut Andreas Scheuerle von der Dekabank daher optimal: Eine sinkende Arbeitslosigkeit, hohe Lohnzuwächse, kaum Inflation und rekordniedrige Zinsen. Das gleicht die schwächelnden Exporte wieder aus.

Doch warum schwächelt die deutsche Wirtschaft nun, wenn es doch mit der Binnennachfrage so gut läuft, niedrige Energiepreise die Wirtschaft beflügeln und auch der Euro für Exporteure günstig steht? Im Folgenden vier Gründe dafür, dass die deutsche Wirtschaft trotzdem mehr Gegenwind bekommt:

1. SCHWÄCHELNDE SCHWELLENLÄNDER

Die Weltwirtschaft kommt nicht richtig in Schwung - für die Exportnation Deutschland keine gute Nachricht. Schwellenländer wie China, Brasilien, Russland und Südafrika haben momentan Probleme. Dort landen etwa 40 Prozent der deutschen Waren. China zum Beispiel wuchs im ersten Quartal so langsam wie seit der Weltwirtschaftskrise 2009 nicht mehr. Russland - einst der am schnellsten wachsende deutsche Auslandsmarkt - steckt wegen der westlichen Sanktionen im Zuge des Ukraine-Konflikts in der Rezession. Brasilien leidet unter niedrigeren Rohstoffpreisen. Im ersten Quartal legte die Produktion der exportabhängigen deutschen Industrie daher nur um magere 0,2 Prozent zu.

2. BÖRSENTURBULENZEN

Vorboten schlechterer Zeiten sind oftmals die Börsen. In den vergangenen knapp fünf Wochen hat der Aktienindex Dax fast acht Prozent eingebüßt. Gleichzeitig steigen die Zinsen, wenn auch auf niedrigem Niveau: Die zehnjährigen Bundesanleihe rentiert derzeit bei rund 0,7 Prozent. Im April hatte sie noch bei 0,05 Prozent gelegen. Die noch immer ungelöste Schuldenkrise in Griechenland und das nahende Ende der Mini-Zinsen in den USA verunsichern die Anleger.

3. STEIGENDE PREISE

Die Zeit der extrem niedrigen Inflation neigt sich voraussichtlich dem Ende entgegen. Fielen die deutschen Preise im Jänner erstmals seit dem Krisenjahr 2009, so legten sie im April schon wieder um 0,5 Prozent zu. Ökonomen zufolge dürfte die Teuerungsrate zum Jahresende bei rund zwei Prozent liegen. Das nagt an der Kaufkraft. Auch der Ölpreis steigt wieder. Kostete ein Fass im Jänner weniger als 50 Dollar, so sind es derzeit knapp 68 Dollar. Zudem macht der Mindestlohn viele Dienstleistungen teurer, weil Unternehmen höhere Personalkosten an die Kunden weitergeben. Taxifahren kostete im März zwölf Prozent mehr als ein Jahr zuvor, Haareschneiden und andere Dienstleistungen für Körperpflege verteuerten sich um 3,6 Prozent, Essen und Trinken in Restaurants, Cafés und im Straßenverkauf um drei Prozent.

4. EURO-KURS ZIEHT AN

Der schwache Euro hilft den deutschen Exporteuren, macht er doch ihre Produkte in anderen Währungsgebieten billiger. So zogen die Ausfuhren in die USA in den beiden ersten Monaten des Jahres um rund zwölf Prozent an, etwa sechs Mal so stark wie in den Rest der Welt. Und das, obwohl die weltgrößte Volkswirtschaft im ersten Quartal stagnierte. Kein Wunder, hat doch der Euro binnen eines Jahres etwa ein Fünftel zum Dollar verloren. Doch das Bild ändert sich gerade: In den vergangenen zwei Monaten hat der Euro wieder um mehr als sieben Prozent zum Dollar aufgewertet.

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