Deutschland im Kaufrausch: Konsum besiegt Deflations-Gespenst

Deutschland im Kaufrausch: Konsum besiegt Deflations-Gespenst

Shoppen ist zur Zeit eine der Lieblingsbeschäftigungen der Deutschen.

Fallende Preise machen der EZB Sorgen. Nicht aber den Konsumenten. Das zeigt die aktuelle GfK-Konsumklimastudie für Deutschland. Die Kauflaune ist so gut wie zuletzt im November 2001. Das Deflations-Gespenst kann der Deutschen Wirtschaft zumindest vorerst keinen Schrecken einjagen.

Seit Monaten geht in Europa das Deflations-Gespenst um. Fallende Preise, so die Sorge der Euro-Währungshüter in der Europäischen Zentralbank (EZB), werden einen Wirtschaftsabschwung herbeiführen, weil die Konsumenten ihre Konsumausgaben in der Hoffnung auf immer noch weiter fallende Preise in großem Stil aufschieben würden. Die Furcht vor der Deflations-Flaute war auch einer der Hauptgründe für EZB, Mitte Jänner das bislang beispiellose Anleihen-Kaufprogramm mit einem Volumen von über einer Billion Euro zu starten. Motto: Wenn die Leute ihr Geld nicht ausgeben wollen, dann wird eben neues Geld gedruckt, das hemmungslos verprasst werden kann.

Die neuen, soeben von der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) veröffentlichten Konsumklima-Zahlen für Deutschland zeigen, dass die Angst der EZB zumindest bisher völlig unbegründet war. Aufgrund der fallenden Preise, die bislang vor allem bei Energieträgern wie Benzin oder Heizöl bei den Konsumenten angekommen sind, ist den Deutschen mehr Geld im Börsel geblieben. Und die Deutschen haben dieses Geld nicht für noch bessere Zeiten gespart, sondern umgehend ausgegeben. Die Konsumenten haben mehr Spielraum für andere Ausgaben oder Anschaffungen und sie schöpfen diesen Spielraum auch großzügig aus.

Die Kennzahl, mit der GfK das misst, ist der Konsumklima-Index, und der hat sich zu Jahresbeginn weiter verbessert. Für den Februar 2015 prognostiziert GfK einen Indikator von 9,3 nach 9,0 im Jänner. Die Konsumforscher ziehen daraus den Schluss, dass "die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung spürbar zulegen." Gleichzeitig ist nämlich die Sparneigung im Jänner 2015 auf ein neues, historisches Tief abgerutscht. Angesichts des miserablen Zinsniveaus interessiert es die Deutschen offenbar nicht mehr, zu sparen.

Das Konsumklima ist damit so gut wie zuletzt im November 2001 und wird sich nach GfK-Einschätzung weiter verbessern. Damals, es ist 13 Jahre her, stand der Index bei 9,6 Punkten. Die Konsumforscher dazu: "Die Aussichten für die Konsumkonjunktur hellen sich weiter auf. Es ist davon auszugehen, dass die Binnenkonjunktur in Deutschland auch in diesem Jahr einen wichtigen Beitrag zur gesamten wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann."

GfK-Indikator Konsumklima Deutschland

Einkommenserwartung positiv

Aich die Einkommenserwartung ist in Europas größter Volkswirtschaft wieder positiv. Aktuell liegt der Einkommensindikator bei 47,8 Punkten, um 6,8 Punkte über dem Vormonat.

Ein wesentlicher Grund dafür liegt neben der stabilen Beschäftigung in der zuletzt stark gesunkenen Inflationsrate in Deutschland. Im Dezember lag sie gegenüber dem Vorjahr nur noch bei 0,2 Prozent. Für das gesamte Jahr errechnet das Statistische Bundesamt eine Teuerung von 0,9 Prozent. Ein niedrigerer Wert wurde zuletzt im Rezessionsjahr 2009 mit 0,3 Prozent gemessen. Wiederum gilt: Was der EZB Angst macht, freut die deutschen Konsumenten.

Wirtschaft im Aufwind

Anders als in Österreich schätzen die deutschen Konsumenten die Wirtschaftslage in ihrem eigenen Land auch recht optimistisch ein. Eine Stimmung, die auch vom deutschen Statistischen Bundesamt bestätigt wurde. Es hat gemeldet, dass das Bruttoinlandsprodukt zum Jahresende noch einmal zulegen konnte und folglich für das gesamte Jahr mit einem Wirtschaftswachstum von 1,5 Prozent auszugehen sei. Damit wurden die eher verhaltenen Prognosen aus dem Herbst leicht übertroffen.

Die Verbraucher rechnen damit, dass sich die deutsche Wirtschaft auch in den kommenden Monaten günstig entwickeln wird. Niedrige Energiepreise in Kombination mit einer deutlichen Abwertung des Euro wirken wie ein Konjunkturprogramm und sollten neben den Exporten auch die Investitionsneigung der Unternehmen weiter beflügeln. Auch bei den deutschen Unternehmen nimmt der Konjunkturoptimismus zu, wie der dritte Anstieg in Folge des ifo-Geschäftsklimas belegt.

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