Immer mehr deutsche Unternehmen engagieren sich für Flüchtlinge

Ob Handwerksbetrieb oder Konzern, lokal verankert oder auf globalen Märkten unterwegs: Immer mehr Firmen in Deutschland zeigen sich in Sachen Flüchtlingshilfe spendabel. Aber ist der Einsatz so uneigennützig wie er daherkommt?

Immer mehr deutsche Unternehmen engagieren sich für Flüchtlinge

Was viele freiwillige Helfer seit Tagen immer öfters praktizieren, macht sich zunehmend auch in Unternehmen breit: Spontane, unbürokratische Soforthilfe für Tausende von Flüchtlingen. Ob Deutsche Telekom oder Deutsche Post, Daimler oder BMW, Bayer, Evonik Trumpf oder Rossmann, RAG, Alltours oder Porsche - die Liste der Helfer und Unterstützer wird auch in Deutschland täglich länger.

Daimler-Chef Dieter Zetsche etwa sieht im aktuellen Flüchtlingsstrom eine Chance für die wirtschaftliche Entwicklung in Deutschland.

Wirtschaftswunder durch Zuwanderung

Mehr als 800.000 Menschen in Deutschland aufzunehmen, sei eine Herkulesaufgabe, sagte Zetsche am Montagabend im Vorfeld der IAA (Internationale Automobil-Ausstellung) in Frankfurt. "Aber im besten Fall kann es auch eine Grundlage für das nächste deutsche Wirtschaftswunder werden - so wie die Millionen von Gastarbeitern in den 50er und 60er Jahren ganz wesentlich zum Aufschwung der Bundesrepublik beigetragen haben."

Natürlich sei nicht jeder Flüchtling ein brillanter Ingenieur, Mechaniker oder Unternehmer, so Zetsche. Aber wer sein komplettes Leben zurücklasse, sei hoch motiviert. "Genau solche Menschen suchen wir bei Mercedes und überall in unserem Land." Studien zufolge drohten fast 40.000 Lehrstellen unbesetzt zu bleiben. Deshalb müssten Flüchtlinge in Deutschland willkommen geheißen werden. "Wer an die Zukunft denkt, wird sie nicht abweisen."

"Im Hintergrund der Unternehmen stehen Menschen, die fernab geschäftlicher Ziele und Motive einfach nur Hilfe leisten wollen", sagt Jochen Fischer, Geschäftsführer der Werbeagentur Grey aus Düsseldorf. Aber auch ein Unternehmen möchte als Teil der Gesellschaft durch die Teilnahme an humanitären Aktionen etwas "Gutes" tun. Und das würden die Verbraucher auch von ihnen erwarten.

Link: Diese österreichischen Unternehmen wollen Flüchtlingen Arbeit geben

Stephan Grünewald, Gründer des Kölner Rheingold Instituts für qualitative Markt- und Medienanalysen, sieht weitere Motive: "Die Unternehmen sind Teil eines Kollektivs, in welchem sich der einzelne ohnmächtig fühlt", sagt der Psychologe. "In gesellschaftlichen Notlagen möchten sie ihren Mitarbeitern zeigen, dass etwas geschieht - nach dem Motto: Wir kümmern uns. Das sorgt für ein gutes Gewissen".

Spenden und kostenlose Transporte

Und so werden Patenschaften übernommen, Transporter und WLAN-Router in Flüchtlingsheimen bereitgestellt, Geld- und Sachspenden an Initiativen weiter geleitet oder hohe Summen in Fonds zur Integration ankommender Flüchtlinge gesteckt. In Niedersachsen hat die Drogeriekette Rossmann eine Patenschaft für den Einsatz einer Familienhebamme für eine Flüchtlingsfamilie übernommen und steuert Geld bei.

Der Daimler-Konzern spendet unter anderem für einen Willkommens-Fonds in Stuttgart und eine Bürgerstiftung in Sindelfingen, die Projekte zur Integration ankommender Flüchtlinge betreut. Und der Reiseveranstalter alltours sowie die Fluggesellschaften Air Berlin und Germanwings transportierten Hilfspakete kostenfrei auf die griechische Insel Kos.

Telekom-Gebäude als Unterkünfte

Und das Wichtigste überhaupt: Ein Dach über dem Kopf. Hier sind die Herausforderungen für die Städte und Gemeinden besonders hoch. Die Wohnungsbaugesellschaft LEG beispielsweise hat nach eigenen Angaben 450 Wohneinheiten an Flüchtlinge beziehungsweise Städte vermietet. "Wo wir helfen können, tun wir das, es ist noch Potenzial nach oben", beteuert LEG-Sprecher Mischa Lenz.

Deutsche-Telekom-Personalchef Christian Illek kündigte an, Gemeinden unter anderem Gebäude, die von der Telekom nicht mehr genutzt würden, zur Unterbringung von Flüchtlingen zur Verfügung zu stellen. Solche Pläne hat auch der Bergbaukonzern RAG, der im Saarland Flächen von 5.000 Quadratmetern als Wohnraum bereitstellen möchte. 17 Standorte hat das Unternehmen in Nordrhein-Westfalen benannt, darunter ehemalige Betriebs- und Schulungsgebäude, Parkplätze und ein Zechengelände in Bergkamen. Viele Projekte werden derzeit noch auf Eignung geprüft.

Fünf freie Tage für die Hilfe

In ihrem Engagement führen die Unternehmen in Not- und Krisenlagen immer wieder ein Argument ins Feld. So auch Nina Henckel vom Immobilienkonzern Vonovia, wenn sie resümiert: "Wir wollen unsere gesellschaftliche Verantwortung erfüllen". Und der Betriebsratschef von Porsche, Uwe Hück, spricht vielen aus der Seele, wenn er sagt: "Flüchtlinge sind kein Problem, sondern ein Zugewinn für uns alle".

Der Bayer-Konzern besinnt sich in diesen Tagen auf den Einsatz des Unternehmens während des Elbhochwassers in Ostdeutschland und stellt kurzfristig Mitarbeiter zur Unterstützung von Flüchtlingsinitiativen frei. Ähnlich auch die Santander-Bank: Ab sofort können sich Bank-Mitarbeiter für ihr Engagement in der Flüchtlingshilfe bis zu fünf Arbeitstage im Jahr gutschreiben lassen.

Dass sich das Engagement der Unternehmen in Katastrophen- und Notlagen am Ende auch beim Image oder in der Produktförderung auszahlt, wird nicht besonders betont - und passt auch nicht ins Stimmungsbild. "Nur kein Marketing", sagt ein Mitarbeiter eines Großkonzerns. Denn es funktioniert auch so. "Der Zusammenhang ist banal", sagt Grey-Werbefachmann Fischer: "Die Menschen bevorzugen primär die Marken, die mit ihrem eigenen Wertesystem übereinstimmen".

So funktioniert die Steueramnestie für Russen mit Auslandsvermögen

Russland bietet seinen reichen Bürgern, die ihr Geld – wenn auch nicht …

Der US-Online-Handelsriese Amazon führt mit dem Service "Dash" ein neues Bestellsystem ein, mit dem Geräte automatisch den Nachschub bestellen. Zunächst sollen Waschmaschinen automatisch Waschpulver nachbestellen. Drucker sollen selbständig via Internet Toner nachbestellen.
 

Waschmaschine an Amazon: Ich brauche Waschpulver!

Der US-Online-Handelsriese Amazon führt mit dem Service "Dash" ein …

Mit der Abgabe der Osteuropa-Sparte CEE zur Mutter UniCredit wird auch der Vorstandsjob von Carlo Vivaldi bei Bank Austria gestrichen. Carlo Vivaldi tritt als CEE-Vorstand der BA ab. Er behält aber sein Büro in Wien. Die Übertragung des Osteuropageschäfts folgt von Wien auf Mailand im späteren zweiten Halbjahr 2016. Offen ist noch wie viele Mitarbeiter der Osteuropa-Sparte noch in Wien bleiben.
 

Neue Jahreszeit bei der Bank Austria: Vivaldi tritt als Vorstand ab

Mit der Abgabe der Osteuropa-Sparte CEE zur Mutter UniCredit wird auch …

Das Wachstum der Weltwirtschaft kommt derzeit aus dem Westen. In den Schwellenländern ist die Arbeitslosigkeit rückläufig. Unterm Strich fehlen jedoch immer mehr Jobs. Deutschland verzeichnet Höchststand an Beschäftigung. In Lateinamerika und in China wächst die Arbeitslosigkeit rapide an.
 

ILO-Trendbericht: Arbeitslosigkeit nahm 2015 global zu

Das Wachstum der Weltwirtschaft kommt derzeit aus dem Westen. In den …