Radikale Schrumpfkur: Deutsche Bank streicht über 30.000 Stellen

Radikale Schrumpfkur: Deutsche Bank streicht über 30.000 Stellen

Deutsche Bank-Co-Vorstandsvorsitzende Jürgen Fitschen (li.) und John Cryan: "Wir werden diesen Prozess mit großer Sorgfalt und gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretern angehen."

Deutschlands größte Bank streicht unter ihrem neuen Chef John Cryan 15.000 Stellen und zieht sich aus zehn Ländern zurück. 9.000 Jobs sollen im Konzern selbst wegfallen, 6.000 Stellen bei externen Dienstleistern. Tausende weitere Jobs werden bei Beteiligungen gestrichen.

Kahlschlag bei der Deutschen Bank: Unter dem neuen Chef John Cryan soll Deutschlands größtes Geldhaus fast um ein Drittel schrumpfen. Die Umsetzung der neuen "Strategie 2020" geht ans Eingemacht: Von den insgesamt rund 100.000 Vollzeit-Arbeitsplätzen im Konzern sollen 9.000 gestrichen werden, davon wiederum 4.000 in Deutschland.

Bei den externen Dienstleistern sollen darüber hinaus 6.000 von gegenwärtig 30.000 Stellen wegfallen.

Zusätzlich sei geplant, Beteiligungen mit etwa 20.000 Mitarbeitern über die nächsten 24 Monate abzubauen. Dazu zählt auch die Tochter Postbank, die über die Börse verkauft werden soll. Aus zehn Ländern zieht sich die Deutsche Bank im Rahmen ihrer Schrumpfkur zurück. Cryan bezeichnete den Jobabbau als keine einfache Aufgabe. "Wir werden diesen Prozess mit großer Sorgfalt und gemeinsam mit unseren Arbeitnehmervertretern angehen."

Internationale Präsenz wird ausgedünnt

Schrumpfen wird die Bank auch ihre internationale Präsenz: Die Deutsche Bank zieht sich aus zehn Ländern vollständig zurück, darunter Argentinien, Chile, Mexiko und Dänemark. Das Privatkundengeschäft im europäischen Ausland will die Deutsche Bank aber laut zuständigem Vorstand Christian Sewing behalten. Der Sparkurs soll die Kosten um brutto rund 3,8 Mrd. Euro drücken. Die Kosten für den Umbau inklusive Abfindungen bezifferte das Geldhaus auf rund 3,0 bis 3,5 Mrd. Euro.

Beim ersten öffentlichen Auftritt seit seinem Amtsantritt ging Cryan mit seinen Vorgängern hart ins Gericht. "Die Deutsche Bank hat kein Strategieproblem. Wir wissen sehr genau, wohin wir wollen", sagte er. "Jedoch hat die Deutsche Bank seit vielen Jahren ein gravierendes Problem, diese Strategie auch umzusetzen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind zahlreiche Strategien und Ziele verkündet worden, aber selten wurden sie konsequent realisiert." Das soll sich nun ändern: "Ziel ist, dass sich die Deutsche Bank auf ihre Tugenden besinnt und nachhaltig Gewinne erzielt."

Die Aktien der Deutschen Bank sind am Donnerstagvormittag knapp 4,7 Prozent im Minus.

Rechtsstreitigkeiten kosten Milliarden

Wegen diverser Skandale hat die Deutsche Bank in den vergangenen drei Jahren bereits mehr als neun Milliarden Euro an Strafen zahlen müssen. Trotzdem lasten auf dem Geldhaus noch rund 1000 größere Rechtsstreitigkeiten. Für die Aufarbeitung der juristischen Altlasten hat sie inzwischen 4,8 Mrd. Euro zur Seite gelegt. Allein im dritten Quartal mussten neue Rückstellungen für Rechtsstreitigkeiten über 1,2 Mrd. Euro gebildet werden. Das trug zu dem Rekordverlust von 6 Mrd. Euro bei.

"Ein absolut enttäuschendes Ergebnis", kommentierte der neue Vorstandschef John Cryan. Der Löwenanteil des Verlustes geht auf Aufräumarbeiten in der Bilanz zurück, die Cryan in Angriff genommen hat. Die Bank schreibt insgesamt 5,8 Mrd. ab, vor allem auf die vor der Abspaltung stehende Deutsche Postbank und das Investmentbanking, das längst nicht mehr so lukrativ ist wie vor der Krise. Die Sonderfaktoren summieren sich auf insgesamt 7,6 Mrd. Euro.

Die Deutsche Bank müsse "einfacher und effizienter werden", sagte Cryan. Im Investmentbanking etwa wolle sie sich von der Hälfte der Kunden trennen. Den Rückzug aus dem Investmentbanking in Russland hatte er nach einem mutmaßlichen Geldwäsche-Skandal schon vorgezogen. Die Deutsche Bank mache in der Sparte ohnehin 80 Prozent der Erträge mit knapp einem Drittel der Kunden. "Das Zurückfahren des Geschäfts wird Erträge kosten", räumte Cryan ein. Gleichzeitig sollen damit aber die Risiken in der Bilanz um ein Viertel zurückgehen, die die Bank mit teurem Eigenkapital unterlegen muss. Cryans Vorgänger Jain hatte sich hier keine so starken Einschnitte zugetraut.

Cryan will damit eine erneute Kapitalerhöhung vermeiden und das Kapitalpolster trotzdem auf 12,5 Prozent schrauben - "damit wird nicht mehr den Erwartungen von Regulatoren und den Märkten hinterherlaufen", wie der Bankchef sagte. Bisher liegt die harte Kernkapitalquote bei 11,5 Prozent, Jain hatte mittelfristig 11 Prozent für ausreichend gehalten. Die Aktionäre der Deutschen Bank müssen dazu für dieses und das nächste Jahr auf eine Dividende verzichten. Das spart allein 2 Mrd. Euro. Für die Bank ist es eine Zäsur: Zuletzt hatte das Institut 1934 die Ausschüttung gestrichen.

An Jains Ziel einer Eigenkapitalrendite von mindestens 10 Prozent nach Steuern hält Cryan fest - 2018 soll es erreicht sein. Kritikern versuchte der neue Chef den Wind aus den Segeln zu nehmen: "Unsere Ziele mögen zwar weniger spektakulär sein als in der Vergangenheit sein, aber dafür soll die Deutsche Bank nachhaltige Gewinne erzielen."

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