Detroit Auto Show: Mit Hubraum und PS aus der Rezession

Detroit Auto Show: Mit Hubraum und PS aus der Rezession
Detroit Auto Show: Mit Hubraum und PS aus der Rezession

Impressionen von der Detroit Motor Show 2015

Die Zeit, als die Amerikaner wegen der Wirtschaftskrise ihre Gürtel enger schnallen mussten, ist vorüber. Das Prädikat "King Size" hat in den USA wieder Saison. Das zeigt sich auch auf der diesjährigen Auto Show Detroit, die traditionell das Automobiljahr eröffnet. Nicht nur die Steaks werden in Detroit größer geschnitten als in Europa. Auch beim Blech und den Motoren, die die neuen Modelle antreiben, gibt es mehr Volumen.

Größe hat in den USA wieder Saison. Und kaum zu einem anderen Anlass zeigt sich das besser, als bei der Detroit Auto Show (offiziell NAIAS, North American International Auto Show), mit der alljährlich im Jänner das Automobil-Jahr eingeläutet wird. Detroit, Motor City USA, die Stadt, die mit dem Automobil-Giganten General Motors groß geworden ist und mit dessen Insolvenz Mitte 2009 auch beinahe untergegangen wäre, lebt wieder. Die Stadt hat sich von dem Infarkt ebenso erholt wie die Industrie, die sie am Leben erhält.

Vor fünf Jahren lag die US-Autobobilindustrie im Sterben. Man verglich sie mit den Dinosaurierern und hielt ihr vor, wichtige technische Entwicklungen verschlafen zu haben. Kleinwägen und spritsparende Modelle waren angesagt. Neue Motorenkonzepte und innovative Antriebe gefragt. Die Kleinwagen und Sparmobile von damals sucht man in Detroit 2015 vergeblich. Der Ölpreis unter die psychologisch wichtige Grenze von 50 Dollar gefallen - auf rund ein Drittel des Werts von März 2012 (125,80 Dollar). Nicht zuletzt dank der neuen Methode des Frackings, mit dem Treibstoff aus Schiefergas gewonnen wird. In den USA kostet eine Gallone Benzin (3,78 Liter) an den Tankstellen nur noch rund zwei Dollar, und mittelfristig werden die Treibstoffpreise auch günstig bleiben. Im Gleichklang mit den Benzinpreisen ist auch das Interesse an alternativen Antrieben gefallen. "Tesla? Wer oder was ist Tesla?", scheinen sich die US-Bürger heute zu fragen. Das Interesse an dem innovativen Elektroauto-Hersteller ist auf der Detroit Auto Show 2015 merklich geringer als in den Jahren zuvor. Auch an der Börse ist Tesla angesichts der fallenden Ölpreise aktuell keine heiße Aktie. Seit dem Hoch von 280 Dollar pro Aktie im September 2014 ist der Kurs auf 202 Dollar gefallen, mit weiterer Luft nach unten.

Comeback der Dinosaurier

Ganz im Gegensatz dazu Ford. Seit 20 Jahren führt der Automobilhersteller, der so wie General Motors in Detroit beheimatet ist, mit dem F-150 die Verkaufsstatistiken der USA an. Das war auch im Jahr 2014 wieder so. Obwohl das Nachfolgemodel bereits angekündigt war, kauften über 750.000 Amerikaner eines dieser Vehikel. Auch die zweit- und drittbestverkauften Autos sind keine Spur kleiner geraten. Auf Platz zwei der und drei liegen ebenfalls Pickup-Trucks. Der Chevrolet Silverado (530.000 verkaufte Stück) und der Ram 1500/3500 (440.000 Fahrzeuge). Auf den ersten 20 Plätzen der meistverkauften Fahrzeuge folgen mit wenigen Ausnahmen SUVs. Erst dann folgt mit dem Toyota Prius ein Auto, das in der dunklen Zeit der Wirtschaftskrise mit seinem Hybrid-Antrieb als eine mögliche Alternative zu mit herkömmlichen Verbrennungsmotoren angetriebenen Fahrzeugen aufzeigte.

Das Center for Automotive Research sieht gute Jahre auf die Automobilindustrie der USA zukommen

Gewinner sind die klassischen Automobilhersteller, die auf der Detroit Auto Show mit schweren Geschützen auffahren. Ford hat neben dem F-150 unter anderem den neu aufgelegten Supersportwagen Ford GT vorgestellt. Ein schwer zähmbares, aber wohl auch nur von einer kleinen Elite bezahlbares Ungetüm von Auto in einer Hülle aus Carbon, die von einem 600 PS starken Motor in Bewegung gesetzt wird. Das einzige Zugeständnis an den Öko-Gedanken der letzten Jahre ist der V6 EcoBoost Mittelmotor, der den V8 Motor des klassischen GT ablöst. V8 Puristen hoffen dennoch, dass ihnen Ford die letzten zwei Zylinder zum perfekten Glück eines Tages auch noch gönnt.

Ford GT 2015

Leistung als Prinzip

Auch die anderen Hersteller klotzen in Detroit, was das Zeug hält. Daimler, das erst vor wenigen Tagen die Computer Electronic Show CES in Las Vegas genutzt hat, um seine Version des selbstfahrenden Automobils, den Mercedes F015, vorzustellen, hat auf der Detroit Auto Show den Mercedes GLE 63 AMG vom Stapel gelassen. Auch dessen Leistungsdaten sind nicht von schlechten Eltern. Der doppelt aufgeladene Achtzylinder liefert 557 PS Leistung, die S-Version mit 585 PS sogar noch um einen Kick mehr. Damit wird das zwei Tonnen schwere Gefährt in 4,2 Sekunden von null auf 100 beschleunigt, wobei der Verbrauch bei einem solchen Sprint um ein Vielfaches über den als Normverbrauch angegebenen 11,9 Litern (feinstes Super) liegt. Aber angesichts der erwähnt niedrigen Benzinpreise ist das zumindest in den USA ohnehin nur eine Makulatur. Abgesehen davon, dass ein hoher Benzinverbrauch häufigere Tankstopps verlangt.

Mercedes GLE 63 AMG

Auch die weiteren deutschen Hersteller stehen mit ihren Detroit-Stars kaum zurück. BMW hat den X6, Porsche den Mega-Cayenne Turbo S mit 570 PS und den 911 Targa GTS ("nur" 430 Pferdestärken), Audi den Q7 und VW das Cross Coupé GTE aufrollen lassen. Allesamt keine Zwerge unter der Sonne.

Porsche 911 Targa GTS

Sparen im Hinterkopf

Gespart wird in Detroit dennoch. Auch. Aber der Einsatz von Leichtbau-Aluminium-Teilen oder im Fall des Ford GT von Carbon und von Hybrid-Technologien - der Audi Q7 und der Mercedes GLE werden in Detroit als Plug-In-Hybridmodelle präsentiert - dient hauptsächlich dem Zweck, um mehr Leistung zu produzieren. Dass auch in den USA die Abgasnormen verschärft werden sollen und diese mit den neuen Antrieben auch locker erfüllt werden passt da ganz gut.

Andere Hersteller, wie etwa Ford und General Motors, nehmen einmal eine Auszeit vom Sparen. Beide Hersteller haben die Produktion von Kleinwägen, die ohnehin kaum jemand haben will, gekürzt. Auch mit der Produktion von Hybrid-Modellen wird gespart. Es gibt sogar Stimmen, die fordern, dass US-Präsident Barack Obama die strengeren Abgasbestimmungen wieder zurücknimmt. Motto: Größere, leistungsfähigere Autos sind teurer. Mit ihnen lassen sich bessere Margen erzielen und die Wirtschaft schneller ankurbeln als mit Kleinfahrzeugen. Es gilt: Leistung und Hubraum sind durch nichts zu ersetzen. Warum auch? Der King-Size-Pickup F-150 wird schließlich auch im Jahr 2015 wieder das meistverkaufte Auto in den USA sein. Als "Raptor" holt der F-150 aus einem 3,5-Liter V6 EcoBoost Motor mehr Leistung auf den Asphalt bringen als das Vorgängermodell mit dem 6,2-Liter V8 Motor und 417 Pferdestärken. Hat da jemand etwas von Elektroautos gesagt?

Ford F-150 Raptor

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