Defekte Airbags: Größte Auto-Rückrufaktion der Geschichte

Defekte Airbags: Größte Auto-Rückrufaktion der Geschichte
Defekte Airbags: Größte Auto-Rückrufaktion der Geschichte

Der japanische Autozulieferer Takata, einer der wichtigsten Hersteller von Airbags, hat massive Qualitätsprobleme.

Der Skandal um den japanischen Airbag-Hersteller Takata nimmt immer größere Ausmaße an. 34 Millionen Autos, in denen Airbags des Zulieferers Takata eingebaut sind, müssen zu einer außerordentlichen Inspektion in die Werkstatt. Betroffen sind Modelle der Hersteller BMW, Fiat Chrysler, Ford, General Motors, Honda, Mazda, Mitsubishi, Nissan, Subaru und Toyota.

Airbags sind aus modernen Autos nicht mehr wegzudenkende Ausstattungen zum Insassenschutz. Längst werden nicht nur Fahrer und Beifahrer, sondern auch die Passagiere im Fond von den sich im Ernstfall in Sekundenbruchteilen selbst aufblasenden Luftpolstern geschützt. Der japanische Automobilzulieferer Takata gehört zu den wichtigsten Airbag-Herstellern der Welt. Jeder fünfte in einem Auto eingebaute Airbag stammt von Takata.

Weltweit hat das Unternehmen derzeit 55 Produktionsstandorte, darunter auch eines in Europa - das im Jahr 2000 von der deutschen Petri AG übernommene Werk in Aschaffenburg. Zahlreiche Auto-Hersteller wie Toyota, Nissan, Honda, Ford, Chrysler oder BMW setzen auf die Produkte von Takata, doch das Unternehmen kämpft seit Jahren mit Qualitätsproblemen. Seit dem Jahr 2008 mussten bereits über 53 Millionen Autos zur Überprüfung der Sicherheitssysteme in die Werkstatt (siehe Grafik).

Rückrufaktionen aufgrund von Problemen bei Takata Airbags bis Mai 2015

Der bislang schlimmste Rückschlag für Takata war eine im Sommer 2014 bekannt gewordene Unfallserie mit fünf Todesopfern, deren Ursache Fehlauslösungen von Airbags waren. Einer der vermuteten Ursache dafür war, dass Takata das Treibmittel zur Auslösung der Airbags geändert hatte und der seither verwendete Stoff (Ammoniumnitrat) auf Temperatur- und Feuchtigkeitsschwankungen nicht stand gehalten hatte. Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA hatte Takata in der Folge dazu verurteilt, alle in den wärmeren und feuchteren Regionen der USA zugelassenen Autos zurückzurufen.

Die an der NASDAQ in den USA notierte Takata-Aktie (ISIN US87405B1035) rutschte darauf binnen wenigen Tagen von 41 Dollar auf 18 Dollar ab.

Nun folgt der nächste Tiefschlag für den japanischen Konzern. Auf Drängen der NHTSA müssen nun insgesamt 34 Millionen Fahrzeuge, in denen Takata-Airbags eingebaut sind, zur Kontrolle und zum Airbag-Tausch in die Werkstatt. "Wir werden mit unserer Arbeit fortfahren, bis jeder Airbag ausgetauscht ist", sagte US-Verkehrsminister Anthony Foxx zu dem bislang größten Rückruf der Automobil-Geschichte. Der nächste Kursrutsch der Aktie, die sich eben erst wieder auf knapp 28 Dollar erholt hatte, folgte umgehend. Das Papier verlor zehn Prozent seines Werts.

Airbag-Systeme in PKW

Takata-Chef Shigehisa Takada erklärte als Folge, dass der Defekt bisher nicht formell beanstandet worden sei und der Konzern daher keinen Grund für einen Rückruf gesehen hatte. Für den Zulieferer bringt die neue Rückrufaktion aber nicht nur einen weiteren Imageschaden und einen neuen Verlust an der Börse. Branchenexperten zufolge dürfte der Rückruf Takata und seine Kunden unter den Autobauern schätzungsweise insgesamt vier bis fünf Milliarden Dollar kosten.

Gleich viel wert wie der größte ATX-Verlierer

Die Aktie hat indes innerhalb der vergangenen Monate bereits über 42 Prozent an Wert verloren; das einstige Kurs-Hoch von über 66 Dollar im Februar 2011 scheint nun - bei einem Kurs von 23,90 Dollar - in weiter Ferne. Die Marktkapitalisierung des Unternehmens beläuft sich nur noch auf bescheidene 993,8 Millionen US-Dollar (896 Millionen Euro). Zum Vergleich: Der Konkurrent Bridgestone bringt 32,44 Milliarden Dollar auf die Waage.

Noch plakativer ist aber wohl ein Vergleich mit jenem ATX-Unternehmen, das in den vergangenen zwölf Monaten am meisten Federn lassen musste: Die Aktie von Schoeller-Bleckmann Oilfield (SBO) verlor innerhalb eines Jahres gut 36 Prozent an Wert und bringt es mit rund 900 Millionen Euro auf die gleiche Bewertung wie der japanische Airbag-Riese - mit dem Unterschied, dass für den österreichischen für Öl- und Gasbohrspezialisten bloß gut 1500 Menschen arbeiten, während die Asiaten mehr als 43.000 Mitarbeiter an Bord haben.

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