Chinas Industrie schrumpft: Ein Dämpfer für die Weltwirtschaft

Chinas Industrie schrumpft: Ein Dämpfer für die Weltwirtschaft

Österreichs Außenhandel mit China floriert; zuletzt schaffte es das Reicht de rMitte in die Top10 der wichtigsten österreichischen Handelspartner. Doch der asiatische Riese wankt: Die Industrie schrumpft, und das BIP-Wachstum liegt auf dem niedrigsten Stand seit 24 Jahren.

Der chinesische Drache hat auch für Österreich in den vergangenen Jahren immer weiter an Bedeutung gewonnen; Daten der Statistik Austria zufolge ist China in die Top10 der wichtigsten Außenhandelspartner vorgerückt und hat Russland auf Platz 11 verdrängt. Insgesamt wuchsen Österreichs ausfuhren nur um 1,7 Prozent - die Exporte nach China erlebten mit einem Plus von 7,8 Prozent auf einen Gesamtwert von 3,38 Milliarden Dollar einen regelrechten Boom. Die Importe stiegen im gleichen Zeitraum um 6,6 Prozent auf 7,34 Milliarden Dollar.

"Auch weiterhin gewinnt China als Absatzmarkt für österreichische Unternehmen an Bedeutung", heißt es dazu von Außenwirtschaftscenter in Peking: Durch die angestrebte qualitative Aufwertung der chinesischen Industrieproduktion und steigende Fertigungstiefe ergeben sich neue Möglichkeiten für die Lieferanten hochwertiger Maschinen. Die stark fortschreitende Urbanisierung schafft Chancen für Unternehmen die in den Bereichen Infrastruktur und Städtebau mit Expertise punkten könnnen. Auch in den Bereichen Umwelttechnik, Energie, Automotive sowie Life Science und Medizintechnik bieten sich vielfältige Geschäftsmöglichkeiten, heißt es von den österreichischen Außenhandelsexperten in China.

So weit, so schön - allerdings gerät der asiatische Riese inzwischen zunehmend ins Wanken. Jüngst wurde dies deutlich in Form von Daten aus der chinesischen Industrie, die im März so deutlich geschrumpft ist wie seit einem knappen Jahr nicht mehr. Der von der Großbank HSBC und dem Markit-Institut erhobene Einkaufsmanagerindex sank vorläufigen Angaben vom Dienstag zufolge um 1,5 auf 49,2 Punkte. Nur Werte über 50 signalisieren ein Wachstum.

Auswirkung auf globale Märkte

Dieser starke starke Rückgang kommt überraschend: Experten hatten mit 50,6 Punkten gerechnet. An den weltweiten Börsen sorgte die Schwäche der nach den USA zweitgrößten Volkswirtschaft für Verunsicherung. Der Ölpreis gab nach.

Eine kräftiger Frühjahrsaufschwung in der Volksrepublik zeichnet sich nicht ab. Die Industrieaufträge sanken der Umfrage zufolge doch ebenfalls so deutlich wie seit elf Monaten nicht mehr. Zudem hielten sich die Unternehmen mit Neueinstellungen so stark zurück wie seit der Finanzkrise Anfang 2009 nicht mehr. Experten rechnen deshalb mit einem erneuten Eingriff der Zentralbank. Die Ökonomen von JP Morgan erwarten schon im April eine Zinssenkung. Die Zentralbank hat ihren Leitzins seit November bereits zweimal gesenkt, um mit billigem Geld die Konjunktur anzuschieben.

Schwaches BIP-Wachstum

Schon zuvor war bekannt geworden, dass Chinas BIP 2014 nur um 7,4 Prozent gewachsen ist - das ist der niedrigste Wert seit 24 Jahren. Der Kreditversicherer Coface erwartet heuer gar ein BIP-Wachstum von sieben Prozent und setzte China kürzlich in der Länderbewertung in der Kategorie A3 auf die negative Watchlist. Gründe dafür waren die geringere wirtschaftliche Aktivität, die hohe Verschuldung, die hohen Finanzierungskosten und das verschlechterte Zahlungsverhalten: Knapp 80 Prozent der in einer Coface-Studie befragten Unternehmen berichten von Zahlungsverzögerungen im Geschäft mit China. Und die Unternehmen ziehen ihre Zahlungen immer weiter hinaus. So ist der Anstieg von Krediten, die zwischen 91 und 180 Tagen überfällig sind und nicht vollständig zurückgezahlt werden konnten, besonders stark gestiegen. "Die Zahl dieser Kredite nahm 2014 um 58,8% zu. Diese Entwicklungen zeigen, dass sowohl in der Realwirtschaft als auch im Finanzsystem die Risiken steigen", analysiert Rocky Tung, Coface-Economist für Asien-Pazifik. Insgesamt stieg die Anzahl notleidender Kredite im Vorjahr um 42,3 Prozent. Rocky: "Die Zahlungsmoral ist ein großes Problem". Besonders risikobehaftete Branchen: Chemie, Bau, Holz-Papier und Metall.

Die Industriestaaten-Organisation OECD sieht im langsameren Wachstum der chinesischen Wirtschaft kein Problem. Das Bruttoinlandsprodukt werde in diesem Jahr nur noch um 7,0 und 2016 um 6,9 Prozent zulegten, prognostiziert sie. "Sieben Prozent sind nachhaltiger, sieben Prozent verhindern Preisblasen und sieben Prozent sind erreichbar", sagte Generalsekretär Angel Gurria. 2014 war die Wirtschaft mit 7,4 Prozent so langsam gewachsen wie seit einem Vierteljahrhundert nicht mehr.

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