Der CEO, der wutenbrannt kündigte, demütig wiederkam - und dann gefeuert wurde

Der CEO, der wutenbrannt kündigte, demütig wiederkam - und dann gefeuert wurde

Rahul Yadav, CEO von housing.com, machte sein einstiges Start-up zu einem schlagkräftigen Immobilien-Vermittler mit 2200 Mitarbeitern und 5,3 Millionen Besuchern der Internetplattform pro Monat. Doch dann legte er sich mit den falschen Leuten an.

Es gibt Manager, die wegen Finanzskandalen den Chefsessel räumen müssen, oder weil die Performance nicht den Vorstellungen der Aktionäre entspricht – und dann gibt es Rahul Yadav, den 26 Jahre jungen ehemaligen CEO der indischen Immobilienplattform housing.com. In kurzer Zeit hat er ein kleines Start-up in einen der größten Player der indischen Internet-Ökonomie verwandelt, provozierte dann aber die falschen Menschen, nahm wutentbrannt seinen Hut, besann sich seiner Fehler, kehrte demütig zurück – und wurde schließlich am 1. Juli von den Direktoren des Unternehmens gefeuert.

„Das Board glaubt, dass sein Verhalten nicht dem eines CEOs entspricht und dem Wohlergehen des Unternehmens schadet“, heißt es in einem Statement der Pressestelle in Bezug auf seine Kündigung.

In der Tat ließ Yadavs Verhalten wohl so manches Enfant Terrible vor Neid erblassen – wobei dem gegenüber seine unternehmerischen Erfolge stehen: Im Schnitt besuchen 5,3 Millionen Menschen pro Monat die Website, um nach indischen Immobilien zu suchen.

Die insgesamt 2200 Mitarbeiter haben das Unternehmen zum Marktführer gemacht – in einem hoch diversifizierten Land: Slums reihen sich in der Finanzmetropole Mumbai an Luxusviertel, die zu den teuersten Wohngebieten der Welt zählen. Im Nobelviertel Malabar Hill steht etwa das Eigenheim des Milliardärs Mukesh Ambani, das 27 Stockwerke zählt und bis zu 70 Millionen US-Dollar an Baukosten verschlungen hat. Es gilt als einer der teuersten Einfamilienhäuser der Welt.

„Brainwashing“, made in California

Begonnen hat das Team von Housing.com als 12-köpfige Studentengruppe, die in Mumbai auf Wohnungssuche war und nach frustrierenden Erfahrungen beschloss, das Problem zu lösen – heute ist Housing in 100 Städten des Landes aktiv.

Der Softwareentwickler Yadev entpuppte sich im Team rasch als jemand, der auch Kapital aus dem Ausland an Land ziehen konnte; der japanische Telekomriese Softbank stieg etwa mit 90 Millionen Dollar ein, und auch der Risikokapitalfonds Sequoia aus Silicon Valley wurde auf Housing aufmerksam.

Yadevs Kollegen beobachteten bei ihm zwar stets ein cholerisches Verhalten – ignorierten dies aber, weil sie mit seiner Leistung zufrieden waren.

Ausgerechnet mit Sequoia ging Yadev aber eine Spur zu weit: Als die Amerikaner jemanden aus seinem Team abwarben, schrieb er dem CEO eine Mail – mit all seinen Mitarbeitern in CC -, dass dieser aufhören solle, sein Personal zu „brainwashen“. Das ausländische Kapital, so sagen Insider, spießte sich mit Yadevs Gefühl für Timing und Wachstumsgeschwindigkeit; im Board saßen längst Repräsentanten der Investoren, die ihm das Leben schwer machten

Am 30. April zog Yadev den Schlussstrich – er kündigte seinen Job mit einem Abschiedsbrief, in dem er verkündete, dass er die Direktoren „nicht für intellektuell befähigt hält, um eine heikle Diskussion zu führen.“ Der Brief wurde anschließend auf Twitter herumgereicht.

24 Millionen Dollar für die Mitarbeiter

Ein paar Tage später zog Yadev seine Kündigung wieder zurück. Mehr noch als das: Um sich das Wohlwollen seiner Mitarbeiter zu erkaufen, übertrug er allen 2200 Personen seine Anteile am Unternehmen, die inzwischen einen Wert von rund 24 Millionen Dollar haben – für einzelne von ihnen entspricht dies einem Jahresgehalt. „Ich bin erst 26 Jahre alt, und somit zu jung, um ernsthaft über Geld nachzudenken“, sagte er locker auf Twitter.

Doch die Direktoren, die er zuvor beleidigt hatte, sahen die Sache nicht so entspannt. Sie setzten ihn nach seiner Rückkehr auf eine Probezeit – und kündigten ihn später mit der Begründung, er habe in der besagten Probezeit nicht die gewünschten Leistungen erbracht.

Ein Rückschlag für den jungen Mann. Und wohl nicht der einzige: „Housing aufzubauen war zehn Mal leichter, als ein Mädchen zu verstehen“, schrieb er am 16. Juli auf seinem Facebook-Profil. Liebeskummer ist nie schön – aber wohl erst recht nicht, wenn man gerade alle Anteile seines Start-ups verschenkt hat und anschließend vor die Tür gesetzt wird.

Die Lektion, die auch österreichische Gründer aus dieser Geschichte lernen können, liegt auf der Hand: Auch wenn es gerade gut läuft und die Investoren Schlange stehen, sollte ein gewisser Kommunikationston gewahrt werden. Denn Übermut, der tut bekanntlich selten gut.

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