Billionen im Ausland: Kritik an Steuertricks der US-Konzerne

Billionen im Ausland: Kritik an Steuertricks der US-Konzerne
Billionen im Ausland: Kritik an Steuertricks der US-Konzerne

Nicht nur nach Börsenwert die Nummer 1: Apple ist auf der schwarzen Liste der Steuertrickser auf dem Stockerlplatz ganz oben.

Multinationale US-Konzerne leben und verdienen auf Kosten der Steuerzahler, kritisiert Michelle Surka vom US Public Interest Research Group Education Fund (USPIRG). Hintergrund: Statt in den USA regulär 35 Prozent Steuern auf Gewinne zahlen sie durchschnittlich nur sechs Prozent. Auch der IWF, die Weltbank sowie OECD und die G-20 sehen die Entwicklung, die bei weitem nicht nur US-Unternehmen betrifft, mit wachsendem Argwohn.

Nichtregierungsorganisationen und nicht nur diesen ist es ein Dorn im Auge, wie es global agierende Konzerne vermeiden, Steuern zu zahlen. "Wenn Unternehmen ihre Steuern umgehen, zahlt am Ende die Öffentlichkeit", sagt Michelle Surka vom US Public Interest Research Group Education Fund (USPIRG). Erst vor einer Woche hatte der USPIRG die in Kooperation mit dem Center for Tax Justice (CTJ) erstellte Studie "Offshore Shell Games" präsentiert (FORMAT berichtete), wonach global agierende US-Konzerne im Ausland im Schnitt nur sechs Prozent Unternehmenssteuern zahlen. Bei einer ordnungsgemäßen Versteuerung in den USA wären 35 Prozent Steuern fällig.

"Die multinationalen US-Konzerne nutzen die Vorzüge unserer Straßen, sie profitieren von unserem Ausbildungssystem und Binnenmarkt, und erfreuen sich an der Sicherheit, die wir haben - aber letztlich geht das auf Kosten unserer Steuerzahler", so Surka. Auch der Internationale Währungsfonds (IWF), die Weltbank sowie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) und die 20 führenden Industrie- und Schwellenländer (G-20) sehen die Entwicklung, die bei weitem nicht nur US-Unternehmen betrifft, mit wachsendem Argwohn.

Steueroasen trockenlegen

Bei der Jahrestagung von IWF und Weltbank einigten sich die G-20-Finanzminister in der vergangenen Woche auf einen auf Empfehlungen der OECD basierenden 15-Punkte-Plan, mit dem Steuerschlupflöcher geschlossen werden sollen. "Jetzt heißen die nächsten Schritte: Umsetzung, Umsetzung, Umsetzung", forderte OECD-Chef Jose Angel Gurría am Freitag bei dem Treffen der Finanzelite in Perus Hauptstadt Lima. In den USA sind die Steuervermeidungsstrategien ohnehin ein brisantes Politikum.

So ist es unter US-Konzernen schon lange ein beliebtes Mittel der "Steueroptimierung", den Sitz ins Ausland zu verlegen, um dem Fiskus zu entkommen. Bei vielen Übernahmeplänen spielte dieses Kalkül in den vergangenen Jahren eine Rolle. Präsident Barack Obama gefällt das ganz und gar nicht und seine Regierung hat bereits Maßnahmen ergriffen, um den Firmen das Spiel zu verderben. Doch in den USA sind die im internationalen Vergleich hohen Unternehmenssteuern ebenso umstritten, wie die Vermeidungstaktiken der Konzerne, deshalb ist die Debatte verfahren.

Selbst der für seinen Patriotismus bekannte Großinvestor Warren Buffett fackelt nicht lange, wenn es darum geht, im Ausland Steuern zu sparen. Der Multimilliardär, der sich öffentlich für höhere Besteuerung von Superreichen wie sich selbst ausspricht und das Label "Made in USA" hochhält, werkelte 2014 unter anderem an einer steuersparenden Übernahme des Fast-Food-Riesen Burger King mit. Die Nichtregierungsorganisationen fordern in ihrer Studie entschiedenes Handeln vom US-Kongress, um für Fairness im Steuersystem zu sorgen.

Download: Studie "Offshore Shell Games"

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