Billiges Öl, schwacher Euro: Chemiebranche im Aufwind

Billiges Öl, schwacher Euro: Chemiebranche im Aufwind

Energieintensive Branchen wie die Chemie spüren Preisschwankungen in ihrer Bilanz. US-Konzerne waren hier dank Fracking gegenüber Europa zuletzt im Vorteil - doch nun holen die heimischen Anbieter wieder auf.

Vor rund einem Jahr ächzte die europäische Chemiebranche noch unter der schwachen Wettbewerbsfähigkeit gegenüber US-amerikanischen Konkurrenten; denn diese kamen auf Grund des Fracking-Booms in den USA in den Genuss niedriger Energiepreise. Bei Wacker Chemie, einem bayerischen Chemieunternehmen, waren die Energiepreise etwa in fünf Jahren um 70 Prozent nach oben geklettert – während beim US-Konkurrent Huntsman die Preise in sieben Jahren um 22 Prozent sanken. Nun gibt es aber gute Nachrichten - denn Europa holt gegenüber den Amerikanern wieder auf.

Das erhöhte Öl-Angebot und die schwächelnde Weltkonjunktur haben dazu geführt, dass sich die Ölpreise seit Sommer 2014 halbiert haben - und davon profitieren Branchen mit energieintensiver Produktion, wie etwa die Chemiebranche: „Die niedrigen Preise helfen der Branche die Lücke in der Wettbewerbsfähigkeit mit der amerikanischen Industrie reduzieren und die Margen wiederherzustellen“, heißt es vom Kreditversicherer Coface. Und nicht nur das: Auch die Abwertung des Euro begünstigt die europäischen Chemiexporte. Im Jahr 2014 verbesserte sich in Frankreich die Leistungsfähigkeit der Branche mit einem Umsatzanstieg von 1,9 Prozent bei den Exportmärkten und im Binnenmarkt.
Der Kreditversicherer bewertet die heimische Chemiebranche daher nun mit „mittlerem Risiko“, die US-amerikanischen Marktbegleiter hingegen mit „niedrigem Risiko“.

Zulieferer als große Verlierer

Andere Sektoren profitieren ebenfalls von dem verbilligten schwarzen Gold – deren Bewertung hat Coface aber noch nicht geändert, weil andere Faktoren ebenfalls stark wiegen. Beispiel Seetransport: Zwar sinken die Energiekosten für die Schifffahrt – gleichzeitig dämpft aber die Verlangsamung der chinesischen Wirtschaft die Nachfrage.

Zu den Verlierern gehören hingegen die Ölunternehmen selbst, insbesondere die Fracking-Experten und deren Zulieferer. Das größte Öllager der USA in Cushing, Oklahoma, erreichte Ende März einen Sättigungsgrad von 77 Prozent seiner Kapazität. Die Förderkosten für nicht-konventionelles Erdöl bleiben hoch (im Durchschnitt zwischen 50 und 70 Dollar pro Barrel), während die Investitionen fallen und die Auftragnehmer der Ölindustrie treffen: Schlumberger, der weltweit größte Dienstleiser der Branche, machte im ersten Quartal 2015 40 Prozent weniger Gewinn und muss daher 20.000 Stellen abbauen. Auch Öldienstleister Haliburton baut bis zu acht Prozent der Belegschaft ab.

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