Billige Energie, mehr Arbeitslose und die Angst vor der Deflation

Billige Energie, mehr Arbeitslose und die Angst vor der Deflation

Vor allem Energie wurde deutlich billiger - wegen des fallenden Ölpreises.

Nach Angaben des europäischen Statistikamts Eurostat sind die Kosten für Lebenserhaltung in der Euro-Zone erstmals seit über fünf Jahren gefallen - dank der niedrigen Energiepreise. Die Arbeitslosenquote nimmt indes wieder leicht zu; Österreich holt sich den Titel des Jobmarkt-Musterschülers von Deutschland zurück.

Die Preise in der Euro-Zone sind erstmals seit mehr als fünf Jahren gefallen und nähren damit die Furcht vor einer Deflation. Die Kosten für die Lebenshaltung sanken im Dezember zum Vorjahr um 0,2 Prozent, wie das europäische Statistikamt Eurostat am Mittwoch mitteilte. Damit fielen die Preise doppelt so stark wie von Experten erwartet.

Vor allem das deutlich verbilligte Öl entlastete das Portemonnaie der Konsumenten: Die Energiekosten fielen zum Vorjahr um 6,3 Prozent. Die Europäische Zentralbank (EZB) blickt mit Sorge auf diese Entwicklung, da sie eine Inflationsrate von knapp zwei Prozent anstrebt. Die fallenden Preise im Euro-Raum machen es wahrscheinlicher, dass die EZB bald gegensteuert. Eine Deflation - also ein Preisverfall auf breiter Front - könnte auch zu sinkenden Löhnen und nachlassenden Investitionen führen und somit die Wirtschaft lähmen.

Das immer billigere Öl setzt die Währungshüter dabei unter Zugzwang: Der Preis für die weltweit wichtigste Sorte Brent fiel erstmals seit Mai 2009 wieder unter die psychologisch wichtige Marke von 50 Dollar. Der Rohstoff kostete damit nur noch etwa halb so viel wie im Sommer. "Die niedrigeren Energiepreise sind ein Segen für die lahmende Konjunktur. Nur die EZB zittert", sagte Commerzbank-Ökonom Christoph Weil. Wahrscheinlich werde sie schon auf ihrer Zins-Sitzung am 22. Januar breit angelegte Staatsanleihenkäufe beschließen. EZB-Chef Mario Draghi hatte jüngst betont, die Zentralbank müsse das Risiko einer Deflation "angehen" und bereite Gegenmaßnahmen vor.

Mit einem massenhaften Ankauf von Staatsanleihen würde die EZB einen Anreiz bieten, dass Banken die Papiere abstoßen und im Gegenzug mehr Geld zur Kreditvergabe zur Verfügung haben. Damit könnte die maue Konjunktur angekurbelt und letztlich die Inflationsrate nach oben getrieben werden. Kritiker wie Bundesbankchef Jens Weidmann sehen jedoch die Grenze zu der verbotenen Staatsfinanzierung verwischt. In den USA hat die Notenbank Fed jedoch mit solchen Käufen zum Wiedererstarken der Wirtschaft nach der Finanzkrise beigetragen.

Höhere Arbeitslosigkeit - Österreich ist Spitzenreiter

Für die Konsumenten sind die niedrigen Preise an und für sich gute Nachrichten, allerdings ist derzeit nicht allen Europäern zum Feiern zumute: Denn zeitgleich mit der Teuerung gab Eurostat auch die aktuellen Zahlen zur Arbeitslosigkeit bekannt - und die ist in der Euro-Zone erneut gestiegen.

Demnach waren rund 18,4 Millionen Männer und Frauen auf Jobsuche - und damit 34.000 mehr als im Oktober. Binnen Jahresfrist hingegen sank die Zahl der Arbeitslosen um 522.000. Die um jahreszeitliche Schwankungen bereinigte Arbeitslosenquote verharrte den vierten Monat in Folge bei 11,5 Prozent. Dies zeigt, dass sich die schwache Konjunkturerholung bisher kaum auf den Stellenmarkt niederschlägt.

Spitzenreiter mit der niedrigsten Arbeitslosigkeit nach vergleichbarer EU-Rechnung ist Österreich mit einer Quote von 4,9 Prozent vor Deutschland mit 5,0 Prozent - mit Deutschland lieferte sich Österreich in den vergangenen Monaten stets ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den besten Arbeitsmarkt. Schlusslichter sind unverändert Griechenland mit 25,7 Prozent (im September) und Spanien mit 23,9 Prozent. In Italien, das neben Frankreich als eines der größten Sorgenkinder in der Euro-Zone gilt, kletterte die Arbeitslosigkeit auf einen Rekordwert von 13,4 Prozent.

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