Big in Shanghai: Der chinesische Traum und die Seidenstraße

Big in Shanghai: Der chinesische Traum und die Seidenstraße
Big in Shanghai: Der chinesische Traum und die Seidenstraße

Das Reich der Mitte lebt den "chinesischen Traum", zwei Drittel der städtischen Haushalte gehören inzwischen zur Mittelschicht. Die Nachfrage nach politischen Freiheiten oder Menschenrechten ist dennoch gering.

Mit zwei großen ideologischen Projekten will der chinesische Präsident Xi Jinping die Identität seines Volkes prägen. "Der chinesische Traum" - analog zum amerikanischen Traum vom Aufstieg zu einem bescheidenen Wohlstand für alle und "die Seidenstraße" - die Verbindung Asiens, Europas und Afrikas unter chinesischer Anleitung.

Für Österreichs Botschafterin in China, Irene Giner-Reichl, ist der chinesische Traum letztlich eine Umschreibung für die Rückkehr zu einer großen, schönen chinesischen Nation wie sie es bis ins 17. Jahrhundert war. Das Seidenstraßen-Projekt wiederum ist der Überbegriff für eine lose Zusammenarbeit mit 60 Staaten, über die einst Seide nach Europa ging - am Land- und am Meerweg. Es geht nicht um ein Gesamtkonzept, sondern einzelne bilaterale Projekte. Und Chinas Ziel ist klar: Überkapazitäten in der Infrastruktur und bei der Liquidität abbauen in Ländern, die in diesem Bereich Investitionen und Kredite brauchen. Zentral- und Osteuropa spielt dabei aus chinesischer Sicht eine wichtige Rolle.

Das Streben nach dem "chinesischen Traum" hat eine rapide wachsende Mittelklasse entstehen lassen, schildert Giner-Reichl. Inzwischen können zwei Drittel der städtischen Haushalte der Mittelklasse zugerechnet werden - bis 2020 dürften es 75 Prozent sein und damit etwa 650 Mio. Menschen. Ziel ist, dass es "niemandem ganz schlecht geht", ein Auto und ein Haus leistbar werden. Offiziell soll der chinesische Traum bis zum 100. Jahrestag der Gründung der Partei verwirklicht sein - 2021.

"Keine breite Nachfrage nach Menschenrechten"

Auch wenn diese Mittelklasse sehr aktiv ist, auch im Internet, darf man sich das aber politisch nicht wie in Europa vorstellen. "Es gibt keine breite Nachfrage nach politischen Freiheiten und Menschenrechten", so Giner-Reichl. Auch betont China seine eigenen kulturellen Werte, der chinesische Weg lebt von der Abgrenzung von westlichen Werten. Universitäten oder Menschenrechtsaktivisten werden davor gewarnt, "westliche Werte wie parlamentarische Demokratie oder offene Meinungsäußerung zu propagieren".

Recht wird angewendet, um die Vorherrschaft der kommunistischen Partei zu zementieren, sagte die Botschafterin. Bei den bürgerlichen Menschenrechten habe es seit der Machtübernahme von Xi eine gravierende Verschlechterung gegeben, insbesondere im Hinblick auf Meinungsfreiheit. Der Kampf gegen Korruption werde geführt, aber außerhalb der Gerichte, womit Beschuldigte nicht durch Verfahrensrechte geschützt sind. Viele Rückschritte gebe es bei den Frauenrechten - weil Frauen in den Führungsstrukturen der Partei praktisch nicht vorkommen und weil eine Rückbesinnung zu traditionellen Familienwerten stattfindet mit einer "Rückverbannung der Frauen in Haus und Küche". Als Beispiel nennt Giner-Reichl eine Kampagne, in der unverheiratete Frauen über 30 als "left-over-women" gebrandmarkt werden.

Verbesserungen würdigt Giner-Reichl allerdings auch. Das System der Umerziehung durch Arbeit wurde abgeschafft, die Todesstrafe steht nun auf weniger Straftaten.

Österreichs Betriebe naschen am Kuchen mit

Zuletzt häuften sich Meldungen, dass Chinas Wachstum sich abschwächt; im Jahr 2014 erreichte das BIP-Wachstum den niedrigsten Wert seit 24 Jahren - mit einer Steigerung von 7,4 Prozent. Dennoch übertrifft dieser Wert die Wachstumsraten westlicher Nationen um ein Vielfaches. Und Österreicher naschen an diesem Kuchen bereits eifrig mit.

Alleine 2014 flossen 106 Mio. Dollar (96,80 Mio. Euro) an österreichischen Investitionen nach China. Auch wenn das fast um ein Drittel weniger war als 2013 (153 Mio. Dollar) sind heimische Investoren überwiegend mit ihren Geschäften in China zufrieden. Eine Umfrage der Vertretung der Wirtschaftskammer in China in Jahr 2014 unter 103 Firmen ergab, dass 43 Prozent der befragten Firmen eine Ausweitung ihres Engagements in Erwägung zieht und nur fünf Prozent einen Rückzug.

Die Marktgröße ist dabei der meistgenannte Grund für das China-Investment. Produktionskosten und eine strategische Partnerschaft mit einer chinesischen Firma waren hingegen "weniger ausschlaggebend".

Auch im Außenhandel steigt die Bedeutung Chinas unaufhaltsam, vor allem für die österreichischen Importe. 2014 beliefen sich die Einfuhren auf 7,2 Mrd. Euro oder 5,6 Prozent des weltweiten Aufkommens. Damit liegt China nur mehr knapp hinter Italien auf Rang drei der österreichischen Importländer. Nur Deutschland ist weiter deutlich wichtiger.

10 Milliarden Euro Handelsvolumen

Die österreichischen Exporte ins Reich der Mitte sind ebenfalls laufend gestiegen, mit 3,4 Mrd. Euro machen sie inzwischen 2,64 Prozent aller österreichischen Ausfuhren aus. Das Handelsvolumen ist damit 2014 erstmals über 10 Mrd. Euro gestiegen. Maschinenbau und Fahrzeuge machen bei Importen (3,3 Mrd. Euro) und Exporten (2,1 Mrd. Euro) den größten Einzelposten aus. Bei den Importen sind außerdem Fertigwaren mit 2,6 Mrd. Euro dominant. Für China ist Österreich wenig überraschend nur ein sehr kleiner Handelspartner. Gerade einmal 0,003 Prozent der chinesischen Ausfuhren (weltweit 2.140 Mrd. Euro) gehen in die Alpenrepublik.

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