Bei Krisenwiederholung bräuchten Banken 3 Billionen Dollar Kapital

Bei Krisenwiederholung bräuchten Banken 3 Billionen Dollar Kapital
Bei Krisenwiederholung bräuchten Banken 3 Billionen Dollar Kapital

Wien - Sollte die große Wirtschaftskrise wiederkommen, dann bräuchte das weltweite Finanzsystem - derzeit - drei Billionen Dollar (2,64 Billionen Euro) Kapital, um diese zu überstehen. Das ergibt der wöchentlich aktualisierte Indikator für das Systemrisiko des Wirtschaftsnobelpreisträgers (2003) Robert Engle. Der Wert schwankt aber innerhalb weniger Monate deutlich.

Die Größenordnung sei zwar beeindruckend, aber alleine die Währungsreserven Chinas sind mit vier Billionen ausreichend, um den gesamten Kapitalbedarf des weltweiten Finanzsystems zu decken, verglich Engle heute in Wien in einem Vortrag anlässlich der Überreichung der Morgenstern-Medaille. Die Hälfte des systemischen Risikos liege in Asien, davon die Hälfte wiederum in China. Und gerade in China zeigt sich, dass der Indikator von Engles Institut stark schwanken kann. Mit dem Börsenhöhenflug zu Jahresbeginn - einer Verdoppelung der Börsenkapitalisierung innerhalb eines halben Jahres - hat das systemische Risiko drastisch abgenommen, da die Sicherheiten der Banken wesentlich wertvoller schienen. Mit dem Platzen der Blase ist das systemische Risiko wieder hinaufgeschnellt. Aktuelle Tendenz: Steil nach oben.

Wie es in China weitergehen wird, traut sich Engle daraus aber nicht herauszulesen. "Ich weiß nicht, was in China passieren wird", so der 72-Jährige. Aber er sei sich sicher, dass seine Modelle auch für das von Staatsbanken dominierte chinesische Finanzsystem gelten. Der starke staatliche Einfluss könne zwar negativ sein, weil er zu sorglosem Umgang mit Risiko und ungerechtfertigten Kapitalspritzen führen könne. Andererseits sei eine starke Regierung, der kaum Opposition gegenüberstehe, im Krisenfall ein Pluspunkt.

Gleich nach Asien kommt Europa als Quelle systemischen finanziellen Risikos. Ein Billion Dollar sieht das Modell Engles hier, davon je 300 Mrd. in Frankreich und Großbritannien, nur 125 Mrd. in Deutschland - und 10 Mrd. in Österreich. 2012 waren es noch 25 Mrd. Euro gewesen, wobei nur börsennotierte Finanzunternehmen erfasst sind, darunter Erste Group, RBI und VIG. Frankreich bereite ihm Kopfzerbrechen, sagte Engle. Zwar gebe es keine Zweifel, dass der Staat die Finanzinstitute des Landes im Krisenfall stützen würde - aber die Rechnung könnte sehr hoch ausfallen. Italien habe hingegen ein finanzielles Systemrisiko von 60 bis 70 Mrd. - vor der Wirtschaftskrise von 2008 lag es praktisch bei Null.

Das langsame Wirtschaftswachstum weckt in Engle Befürchtungen für die Zukunft. Auch derzeit gut mit Kapital ausgestattete Baken könnten deshalb unter Druck kommen, ihr Kapital zu erhöhen, sagte er.

S E R V I C E: Die Daten sind öffentlich unter http://vlab.stern.nyu.edu/

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