Automesse Detroit: Volkswagen kämpft ums Image

Automesse Detroit: Volkswagen kämpft ums Image

Der deutsche Konzern wird auf der Automesse Detroit im Rampenlicht stehen, VW-Chef Matthias Müller muss viel Überzeugungsarbeit leisten. Mitte des Jahres wollen die Wolfsburger eine neue Strategie präsentieren.

Europas größter Autokonzern Volkswagen dürfte auf der ersten großen Automesse des Jahres in Detroit stärker denn je im Rampenlicht stehen. Die in den USA aufgedeckte Manipulation von Diesel-Abgaswerten beherrscht die Schlagzeilen. "Das Thema VW wird im Vordergrund stehen", sagt Analyst Jürgen Pieper vom Bankhaus Metzler.

Schließlich werde 2016 für den krisengeschüttelten Konzern das Jahr der Aufarbeitung. Elf Millionen Fahrzeuge mit geschönten Diesel-Abgaswerten müssen die Niedersachsen weltweit in Ordnung bringen - und nebenbei das ramponierte Image wieder aufpolieren. VW-Chef Matthias Müller will auf der Messe in Detroit bei seinem ersten öffentlichen Auftritt als Konzernchef in den USA um Vertrauen werben. Das Branchentreffen beginnt am Montag.

USA: Ein schwieriger Markt für Wolfsburg

Die USA sind für VW ohnehin ein schwieriges Pflaster. Denn in den Vereinigten Staaten, dem zweitgrößten Pkw-Markt der Welt nach China, verkauft die Kernmarke Volkswagen relativ wenig Autos. Die Wolfsburger kämpfen seit langem damit, dass sie den Appetit der verwöhnten Kundschaft auf neue Modelle nicht schnell genug stillen können. "In den vergangenen Jahren hat die Marke Volkswagen in den USA meistens Verlust geschrieben", erläutert Frank Schwope von der NordLB. Ausgerechnet die amerikanischen Umweltbehörden enthüllten den Skandal um manipulierte Abgaswerte, den VW lange abgestritten hatte. Betroffen sind vor allem Diesel-Fahrzeuge, die in den USA, anders als in Europa, nicht sonderlich beliebt sind. "Ein so schwerer Imageschaden lässt sich nicht schnell reparieren", gibt Schwope zu bedenken.

In den USA wird der Skandal laut Auto-Experte Pieper "sehr viel ernster genommen". Hinzu komme das schwer kalkulierbare Thema Schadenersatz und Geldstrafen. In der vergangenen Woche reichte das US-Justizministerium im Namen der US-Umweltbehörde EPA die erwartete Klage gegen VW wegen des Verstoßes gegen das Luftreinhaltegesetz ein. In der Klageschrift werden Geldstrafen gefordert, die sich auf bis zu 46 Mrd. Dollar (42,3 Mrd. Euro) summieren. Am Ende der nun anstehenden Vergleichsverhandlungen kommen erfahrungsgemäß viel geringere Geldstrafen heraus. Die Höhe ist ebenso wenig kalkulierbar wie die Kosten, die VW angesichts der mittlerweile rund 650 Sammelklagen auf Schadensersatz zu stemmen hat. "Da wird die Aufarbeitung am schwierigsten werden", sagt Pieper. Dem VW-Chef rät er, bei seinem Auftritt Reue zu zeigen. "Bei den Amerikanern muss es ein Tick mehr Schuldbewusstsein sein."

Gelegenheit dazu hat Müller auch bei einem Treffen am Mittwoch mit EPA-Chefin Gina McCarthy in Washington. Der Wolfsburger Konzern diskutiert seit Wochen über eine technische Lösung, um die insgesamt fast 600.000 betroffenen Fahrzeuge wieder in Einklang mit dem Gesetz zu bringen. Wegen der strengeren Grenzwerte für Stickoxid in den USA ist das aufwendiger als für die 8,5 Millionen Autos in Europa, die VW in diesem Jahr zurückrufen wird.

Neue Strategie kommt Mitte 2016

Der VW-Chef hat für seine Termine in den USA eine Mischung aus gesenktem Kopf und erhobenem Haupt angekündigt. Auf die Knie fallen werde er nicht, sagte der Manager. "Ich werde mich natürlich noch einmal für die Dinge entschuldigen, aber ich werde auch optimistisch und selbstbewusst den Blick nach vorne richten." An der Diesel-Offensive in den Vereinigten Staaten will Müller festhalten. Er will zudem das in der Branche übliche "Schielen auf Stückzahlen" in den Hintergrund drängen, wie er kürzlich in der "Wirtschaftswoche" bekräftigte. "Ob Nummer eins, zwei oder drei beim Volumen, das ist mir egal." Stattdessen will er die Konkurrenz bei der Profitabilität überholen. Eine neue Strategie ist für Mitte 2016 angekündigt.

Das US-Geschäft dürfte für VW schwierig bleiben - Experten erwarten für den Markt nach Jahren des Wachstums für 2016 Stagnation. Mussten in der tiefen Krise noch die amerikanischen Branchenschwergewichte GM und Chrysler vom Staat vor dem Ruin gerettet werden, konnte der wieder erstarkte US-Markt 2015 den Rekord aus dem Jahr 2000 knacken: Nach Angaben des Marktforschers Autodata rollten in den USA insgesamt 17,47 Millionen Autos von den Höfen der Händler. Von Thomson Reuters befragte Analysten hatten allerdings im Schnitt mit 18,1 Millionen Fahrzeugen gerechnet. "Der Ersatzbedarf ist längst gedeckt", sagt Experte Pieper. Die Zinswende, die die US-Notenbank Mitte Dezember einläutete, könnte ebenfalls bremsen. "Die Autokäufer sind zinsempfindlicher als hier."

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