Auto-Zulieferer wollen nicht die Zeche von VW zahlen

Auto-Zulieferer wollen nicht die Zeche von VW zahlen

Noch ist nicht absehbar, wie stark hunderte Zulieferer von VW unter dem Dieselskandal leiden. Gut aufgestellt ist, wer nicht ausschließlich auf das Volkswagen-Pferd gesetzt hat.

Er gehört zu den mächtigen Männern im Hintergrund, die bei Volkswagen jetzt den Karren aus dem Dreck ziehen müssen: Einkaufschef Francisco Javier Garcia Sanz. Der Diesel-Abgasskandal wird VW voraussichtlich zig Milliarden Euro kosten, die auch durch Einsparungen im Einkauf hereingeholt werden müssen. Den Zulieferern, ohnehin schon von den Autobauern regelmäßig zu Preissenkungen gezwungen, stehen womöglich noch unbequemere Verhandlungen mit Beschaffungsvorstand Sanz und seinen Einkäufern bevor. "Das ist ein richtig harter Knochen", beschreibt ihn ein früherer Geschäftspartner. Analysten sind aber auch sicher, dass der Spanier anders als sein legendärer Ziehvater Ignacio Lopez den Lieferanten nicht die Luft abschnüren wird.

Das legt ihm auch Stefan Wolf, Vorstandschef des Dichtungs- und Hitzeschildherstellers ElringKlinger, ans Herz. Er warnt Volkswagen davor, die finanziellen Folgen des Betrugs bei Diesel-Abgaswerten auf die Lieferanten abzuwälzen. "Es wäre äußerst unfair, jetzt in dieser Situation von den Zulieferern etwas zu holen, um die Schäden davon - und die werden immens sein - zu kompensieren", sagte Wolf: "Das würde die Reputation von VW noch stärker beschädigen."

KEIN LOPEZ-EFFEKT

Der Madrilene Sanz wurde 1993 im Gefolge seines Landsmanns Lopez vom damaligen VW-Chef Ferdinand Piech von der Opel-Mutter General Motors abgeworben. Chefeinkäufer Lopez, der wegen seines gnadenlosen Umgangs mit den Lieferanten auch der "Würger von Wolfsburg" genannt wurde, musste schon drei Jahre später wegen der Affäre um von GM mitgenommene Geschäftsunterlagen gehen. Das liegt nun fast zwei Jahrzehnte zurück, aber Lopez' Methoden sind Branchenexperten noch gut in Erinnerung. "Dass VW die Verhandlungen jetzt härter führen wird, liegt auf der Hand", sagte Frank Biller, Autoanalyst von der Landesbank Baden-Württemberg. Doch laufe das heute anders ab als zu Lopez' Zeiten, wo die Lieferanten mit hohen pauschalen Preissenkungsforderungen konfrontiert wurden. Lieferanten legten ihre Kalkulationsbasis mit allen Faktoren offen und hätten dann mehr Argumente, Forderungen abzuwehren.

Aus früheren Krisen hätten die Autohersteller die Lehre gezogen, dass sie den Zulieferern noch Luft zum Atmen lassen müssen, erklärte auch Björn Voss, Analyst von der Privatbank M.M. Warburg. "Eine Forderung nach fünf Prozent Preisrückgang würde einige in Verlust treiben." Noch sei aber nicht absehbar, wie stark VW und seine Hunderte von Zulieferern unter der Diesel-Krise litten. "Die Frage ist: Kaufen die Leute kein Auto oder nur ein anderes Auto als einen VW?" Dann komme es darauf an, wie stark ein Zulieferer von VW abhängig sei.

Größere Unternehmen, die etliche Autobauer belieferten, könnten einen Auftragsrückgang aus Wolfsburg durch mehr Nachfrage von Konkurrenten ausgleichen. "Große Zulieferer wie Continental, Bosch oder Hella sind so diversifiziert, die können das auffangen", sagt Voss. Bremsspuren seien erst im kommenden Jahr sichtbar.

GEWINNER UND VERLIERER

Nach Einschätzung von Stefan Randak vom auf Autozulieferer spezialisierten Unternehmensberater Atreus, könnte die zurzeit gute Autokonjunktur den Aufprall des VW-Abgasskandals dämpfen. "Die meisten Zulieferer haben zurzeit eine hohe Auslastung oder arbeiten an der Kapazitätsgrenze." Deshalb gebe es Spielraum, auf einen Auftragsrückgang von VW beim Personaleinsatz mit weniger Schichten zu reagieren. Doch sei auch Stellenabbau, den die IG Metall in größerem Stil befürchtet, möglich. Als erstes träfe das die Leiharbeitnehmer.

Doch das ist nur die eine Seite der Medaille: "Auf der anderen Seite wird es auch Gewinner geben: Diejenigen, die technische Lösungen für das Abgassystem liefern, können sich über zusätzliche Aufträge freuen - das könnte zum Beispiel Bosch sein", prognostiziert Randak. Bosch lieferte die Komponenten an VW für die betroffenen Modelle in den USA, während Continental der Lieferant in Europa und Asien war. Der Dax-Konzern hoffe auf Aufträge durch die Rückrufaktion für bis zu elf Millionen Fahrzeuge, sagte ein Sprecher. "Das muss man abwarten, wir kennen noch nicht die Lösungsstrategie von VW."

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