Aufatmen: Weltwirtschaft erholt sich langsam

Aufatmen: Weltwirtschaft erholt sich langsam
Aufatmen: Weltwirtschaft erholt sich langsam

Der französische Kreditversicherer Coface sieht die Weltwirtschaft in einem langsamen, aber nachhaltigen Aufschwung begriffen. Die USA und Europa schlagen sich demnach gut. Schwellenländer steuern dagegen etwas rauere Zeiten entgegen.

Die Weltwirtschaft kommt langsam wieder in Schwung. Zu diesem Schluss kommt der französische Kreditversicherer Coface in seiner neuen Analyse. Das globale Wirtschaftswachstum folgt einem moderaten Aufwärtstrend und gibt daher gibt Anlass zur Hoffnung, dass die jahrelange Krise überwunden ist. Allerdings ist das für 2015 erwartete globale Wirtschaftswachstum mit einem Plus von 3,1 Prozent (2014: 2,8 %) nach wie vor bescheiden und geringer als vor der Krise des Jahres 2008. In den Industrieländern rechnen die Kreditversicherer im Jahr 2015 mit einem Plus von 2,1 Prozent, in den Schwellenländern mit einer doppelt so hohen Wachstumsrate.

In den USA, wo ein Plus von 2,9 Prozent erwartet wird, habe eine robuste Inlandsnachfrage die Renaissance der Industrie eingeläutet. In der Automobilindustrie liegt der Auslastungsgrad der Unternehmen mittlerweile wieder bei 90 Prozent. Unternehmen profitieren außerdem von den niedrigeren Energiekosten und geringen Steigerungen der Löhne. Einzig in der Stahlindustrie wird das Risiko aktuell als hoch eingeschätzt. Dagegen bewertet Coface das Risiko in den Sektoren Chemie, Textil, Transport und Automobilindustrie als "moderat" - der besten Note, die für Branchen vergeben wird.

Auch in Europa ist der wirtschaftliche Aufschwung spürbar, wenngleich auch in einem deutlich geringeren Ausmaß. Nach einen Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent im Jahr 2014 rechnet Coface nun im Jahr 2015 mit Plus 1,2 Prozent. In Spanien, Deutschland, Österreich, Frankreich, Italien und Portugal vermeldet Coface weitere Verbesserungen der Situation: "Die finanzielle Situation der Unternehmen verbessert sich sukzessive, die Margen erholen sich und die Insolvenzen sinken."

"Lowflation" als Problem

Europas Unternehmen werden jedoch aufgrund der “Lowflation” (schwaches Wachstum und schwache Inflation) und dem steigenden politischen Risiko in der Eurozone bei Investitionsentscheidungen vorsichtig bleiben. Zu den Risikofaktoren zählt Coface unter anderem die Unsicherheit über die Fähigkeit der Regierungen, Reformen durchzuführen sowie die wachsende Popularität von Anti-EU Bewegungen.

Die reduzierte Investitionsbereitschaft hat Coface als das Hauptübel der Lowflation ausgemacht. Die hohe öffentliche und private Verschuldung hätten zur Folge, dass ein Großteil der Einnahmen zur Schuldentilgung verwendet wird. Negative Inflation – verursacht durch schwache Nachfrage – führt zu einem Anstieg des realen Schuldenwerts. Die Reduktion der öffentlichen und privaten Schulden erhöht den Deflationsdruck, welcher wiederum die Schuldentilgung erschwert. In diesem Zusammenhang ist die offensive Aktion der EZB als eine sichere Rahmenbedingung sowohl für Unternehmen als auch private Haushalte wichtig, um eine Deflationskrise zu verhindern. Dennoch werden die Maßnahmen der EZB nicht ausreichen, um Investitionen in der Realwirtschaft bedeutend anzukurbeln.

"Nach der Staatsschuldenkrise sieht sich Europa nun dem gegenteiligen Risiko gegenüber: jenes der Beibehaltung hoher Verschuldung, welche die Erholung deutlich beeinträchtigt und den Deflationsdruck erhöht. Das Wachstum wird weiters durch geopolitische Ereignisse mit ungewissem Ausgang gehemmt, vor allem durch den Russland-Ukraine Konflikt, welcher die Moral der Wirtschaftsakteure untergräbt. Auch die Rückkehr der politischen Unsicherheit in Europa beeinträchtigt das Vertrauen. In dieser Hinsicht werden die in 2015 anstehenden Wahlen wichtige Tests sein", sagt Yves Zlotowski, Chief Economist, Coface Group.

Probleme in Schwellenländern

Schwellenländer leiden unter der Rückkehr traditioneller Krisen: Mit dem Abzug von Kapital und Spannungen bei ihren Wechselkursen. Die Währungen sind sehr volatil. Die Kombination aus wirtschaftlichem Abschwung, steigender privater Verschuldung und wiederholten Abwertungen, hat Coface dazu veranlasst, einige Länderbewertungen nach unten zu verändern. Die letzte Entscheidung in dieser Richtung war die Abwertung der Türkei auf B (Wachstum von 3,5% 2015 erwartet) und Russland auf C (-3,0% 2015).

Auch auf Chinas Unternehmen sieht Coface Risiken zukommen. Überkapazitäten in Sektoren, wie Metallurgie und Bau und die Konjunkturabschwächung sind ein Fakt. Darüber hinaus hat der Verschuldungsgrad ein besorgniserregendes Ausmaß erreicht. Die Verschuldung der privaten Haushalte wird von Coface auf über 200 Prozent des BIP geschätzt. Die Bankkredite wachsen rascher als das BIP. Dazu kommt noch die Finanzierung durch Schattenbanken, welche nicht transparent ist und wo teilweise Wucherzinsen verlangt werden. "Diese Phase der steigenden Risiken ist unvermeidbar und immanent für die Normalisierung des chinesischen Wirtschaftswachstums", kommentiert Coface. "Als Konsequenz daraus gehen wir davon aus, dass chinesische Unternehmen 2015 Zahlungsschwierigkeiten haben werden, da die Inlandsnachfrage abnimmt.

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