Anleihen-Käufe: Warten auf den Billionen-Segen der EZB

Anleihen-Käufe: Warten auf den Billionen-Segen der EZB

In der EZB-Zentrale in Frankfurt wird über das Anleihenkaufprogramm der EZB entschieden.

Das von der Europäischen Zentralbank geplante Programm von Staatsanleihen zur Bekämpfung der Wirtschaftsflaute in der Euro-Zone könnte ein Volumen von rund 50 Milliarden Euro monatlich haben. In Summe erwarten Banker Stützungskäufe von bis zu einer Billion Euro.

Die EZB ergreift zur Bekämpfung der hartnäckigen Wirtschaftsflaute in der Eurozone nun zu ihrem letzten Mittel Maßnahmen: Das EZB-Direktorium will durchgesickerten Informationen zufoilge ab März Anleihen-Käufe im Umfang von 50 Milliarden Euro pro Monat durchführen. Es ist angedacht, das Programm vorerst über einen Zeitraum von bis zu zwei Jahren durchzuziehen. Der Vorschlag des Direktoriums wird heute, Donnerstag, vom EZB-Rat in Frankfurt beraten. Eine Entscheidung soll am Nachmittag bekanntgegeben werden. Format.at wird über den Beschluss umgehend berichten.

Mit dem groß angelegten Kaufprogramm hofft die EZB. eine Deflation in der Eurozone im Keim ersticken zu können. Eine gefürchtete, lang anhaltende Schwächephase mit fallenden Preisen auf breiter Front und schrumpfenden Investitionen. EZB-Präsident Mario Draghi hatte zuletzt bereits die Tür für den Kauf von staatlichen Schuldtiteln - im Fachjargon "Quantitative Easing" (QE) genannt - weit aufgemacht. Über die Details des Programms wird nach Aussagen von Insidern bis zuletzt gerungen.

Hoffen auf den Billionen-Regen

Nach Einschätzung des Co-Chefs der Deutschen Bank, Anshu Jain, wäre ein Volumen von 500 Milliarden Euro bereits eine leichte Enttäuschung. Der Markt erwarte ein Volumen von 750 Milliarden Euro. Eine Billion Euro wäre eine positive Überraschung, sagte Jain auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos. Das erwartete Kaufprogramm werde tiefgreifende Auswirkungen für die europäischen Geldhäuser mit sich bringen und die Stabilität in Europa insgesamt erhöhen. Es werde weniger Insolvenzen geben - die Banken müssten dann auch weniger Geld für ausfallgefährdete Kredite zurücklegen. Allerdings bedeute QE auch sehr niedrige Zinsen, die Zinsmargen der Banken würden weiter in Mitleidenschaft gezogen - "was natürlich eine große Herausforderung sein wird".

Nach Ansicht von OECD-Generalsekretär Angel Gurria sollte die EZB ihr Programm nicht deckeln und Draghi freie Hand lassen. "Lasst Mario so weit wie möglich gehen", sagte der Chef der Industriestaaten-Organisation in Davos. Demnach soll die EZB so viele Anleihen und für einen so langen Zeitraum kaufen, wie es für eine höhere Inflation und eine Belebung der Wirtschaft nötig ist. Die EZB strebt eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent an. Davon ist sie derzeit jedoch meilenweit entfernt. Zuletzt fielen die Preise in der Euro-Zone sogar um 0,2 Prozent.

Warnende Stimmen aus Deutschland

Unterdessen warnte Deutschlands Kanzlerin Angela Merkel vor Signalen, die die Reformbemühungen der Euro-Länder bremsen könnten. Dem muss auf jeden Fall entgegengewirkt werden", so Merkel in Berlin. "Alles andere müssen wir abwarten", fügte sie unter Verweis auf die Unabhängigkeit der EZB hinzu. Der Präsident der schweizerischen Großbank UBS, Axel Weber, forderte die EZB auf, nicht das ganz große Rad zu drehen. "Sie sollten nicht zu viel machen." Damit entfalle ein Anreiz für Reformen. Europas Politiker hätten es allerdings auch versäumt, die Zeit für Reformen zu nutzen, die ihnen die EZB verschafft habe.

Für die deutsche Industrie ist es inzwischen schon ausgemachte Sache, dass EZB-Chef Draghi grünes Licht für eine weitere Geldschwemme geben wird. "Wenn das Programm nicht verkündet würde, wäre das schlecht, weil die Märkte das schon erwarten", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI), Ulrich Grillo. Es wäre für alle ein "großes Risiko", wenn die EZB nach all den Andeutungen nun einen Rückzieher mache.

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