China, der müde Drache: Yuan erneut abgewertet

China, der müde Drache: Yuan erneut abgewertet

Chinas Wirtschaftswachstum bremst sich deutlich ein. Die Regierung in Peking hat nun die Landeswährung Yuan zweimal abgewertet.

Nach enttäuschenden Konjunkturdaten hat China mit einem erneuten Eingreifen den Yuan auf Talfahrt geschickt: Nach einer Abwertung von knapp zwei Prozent am Dienstag setzte die chinesische Zentralbank die Landeswährung um weitere 1,6 Prozent herab. Ökonomen hatten bereits davor gewarnt, dass es sich bei den offiziellen Zahlen zum Wirtschaftswachstum Chinas um reine Phantasiezahlen handeln könnte.

Das chinesische Wirtschaftswunder ist auch nicht mehr was es einmal war. Die Ausfuhren des Export-Weltmeisters sind im Juli stärker als von Ökonomen erwartet zurückgegangen. Gleichzeitig sind die Erzeugerpreise deutlich gefallen, was ein weiteres Zeichen einer konjunkturellen Schwäche ist. Obendrein ist die Börse in der Volksrepublik seit Juni um fast ein Drittel abgestürzt, auch weil Anleger sich zunehmend Sorgen um den Zustand der Wirtschaft machen.

Angesichts der schwachen Wirtschaftsdaten ist die chinesische Zentralbank zunehmend unter Druck geraten und hat nun in einem überraschenden Schritt die Landeswährung Yuan zweimal abgewertet. Der Kurs wurde am Dienstag um knapp zwei Prozent gesenkt. Den Angaben der chinesischen Zentralbank zufolge sollte es sich um einen einmaligen Schritt handeln, um den Kurs den Erfordernissen des Marktes anzupassen. Dabei blieb es jedoch nicht: Am Mittwoch setzte die Zentralbank die Landeswährung um weitere 1,6 Prozent herab.

Der Yuan ist keine frei schwankende Währung wie etwa der Euro, sondern an den Kurs des Dollar gebunden: Die Zentralbank legt an Werktagen einen Referenzkurs fest, um den der Yuan um maximal zwei Prozent schwanken darf. Am Dienstag legte sie ihn auf 6,2298 Yuan je Dollar fest, nach 6,1162 Dollar am Montag - das war die bislang größte Anpassung binnen eines Tages. Der australische Dollar geriet dadurch ebenso unter Druck wie der Won in Südkorea.

Die Abwertung ist auch eine Abkehr von der bisherigen Politik mit der die Binnennachfrage gestärkt, die Kreditaufnahme von Firmen und Auslandsinvestitionen erleichtert sowie ausländische Unternehmen und Regierungen zu einem stärkeren Gebrauch des Yuan zu ermuntert werden sollten.

China, der müde Drache

Die Regierung in Peking hatte für 2015 ursprünglich ein Wachstumsziel von sieben Prozent ausgegeben, dem ohnehin schon niedrigsten Wert seit einem Vierteljahrhundert. 2014 hatte es nach offiziellen Daten noch zu einem Plus von 7,4 Prozent gereicht. In den ersten beiden Quartalen des laufenden Jahres wurde das Wachstumsziel auch erreicht. Immer mehr Experten zweifeln die Daten allerdings an und gehen von eigentlich wesentlich niedrigeren Steigerungsraten aus. "Es wird eine Herausforderung, weiterhin sieben Prozent Wachstum hinzubekommen", warnten zum Beispiel die Ökonomen der ANZ Bank. "Die Geldpolitik muss dafür unterstützender werden." Denn vor allem Unternehmen zögern derzeit mit Investitionen, auch weil Banken in der Furcht vor weiteren Kreditausfällen weniger Darlehen vergeben.

Die chinesischen Exporte fielen den offiziellen Angaben der Zollbehörde zufolge im Juli um 8,3 Prozent. Das war der stärkste Rückgang seit vier Monaten. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten bloß mit einem Minus von einem Prozent gerechnet. Erst im Juni hatte sich China mit einem Exportplus von 2,8 Prozent zurückgemeldet. Die Importe sind im Juli um 8,1 Prozent zurückgegangen, was zeigt, dass die Inlandsnachfrage in China ebenfalls rückläufig ist.

Die Erzeugerpreise sind im Juli auf den niedrigsten Stand seit fast sechs Jahren gefallen. Damals waren sie wegen den weltweiten Finanzkrise in den Keller gerasselt. Die Produzenten haben ihre Preise nun bereits den 40. Monat in Folge reduziert. Diesmal überraschend deutlich um 5,4 Prozent. Commerzbank-Ökonom Zhou Hao aus Singapur sagte, darauf müsse die Geldpolitik reagieren. Die Notenbank werde die Leitzinsen wohl noch einmal senken. Seit November hat diese bereits in vier Schritten Geld billiger gemacht. Eine so aggressive Lockerung hat das Land seit fast sieben Jahren nicht mehr gehabt.

Die Regierung in Peking versucht derzeit mit Reformen die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA umzubauen. Sie soll weniger abhängig von Exporten werden. Der Konsum soll stattdessen gestärkt, Korruption bekämpft werden. Die Kommunistische Partei hat betont, dafür auch ein langsameres Wachstum in Kauf zu nehmen.

Schwächelnde Märkte

Vom abflauenden Wirtschaftswunder betroffen ist auch der Immobilienmarkt. Zwar haben sich Häuserpreise in größeren Städten zuletzt wieder dank staatlicher Stützungsmaßnahmen erholt. In kleineren Städten bleibt der Markt aber schwach. Dort wird wenig investiert und gebaut, weil viele Immobilien leer stehen. Nach Einschätzung der Regierung soll sich der Immobilienmarkt bis zum Jahresende weiter erholen. Deswegen werde sich auch die Lage bei den Verbraucherpreisen verbessern.

Auch Chinas Automarkt, der größte der Welt, schwächelt. Im Juli gingen die Verkaufszahlen den vierten Monat in Folge zurück - das ist die längste Schwächeperiode seit mindestens fünf Jahren. Laut Branchenverband CAAM wurden im Juli 1,5 Millionen Fahrzeuge verkauft, um 7,1 Prozent weniger als zuvor. Im Juni hatte das Minus bei 2,3 Prozent und im Mai bei 0,4 Prozent gelegen.

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