Inflation erreicht mit 5,1 Prozent den Höchstwert seit 1984

Die starken Steigerungen bei den Energiepreisen haben die Inflation im Jänner auf den höchsten Wert seit fast 40 Jahren getrieben. Die Teuerungsrate liegt in Österreich und im Euroraum bei 5,1 Prozent.

Die stark steigenden Energiepreise treiben die Inflation an.

Die stark steigenden Energiepreise treiben die Inflation an.

Auch im neuen Jahr 2022 reißt der Anstieg der Preise nicht ab. In Österreich dürfte die Inflation im Jänner laut Schnellschätzung der Statistik Austria um 5,1 Prozent und damit auf den höchsten Wert seit November 1984 angestiegen sein. In der heimischen Politik werden aufgrund der Zahlen die Rufe nach Maßnahmen gegen die Teuerung wieder laut.

Einer der größten Treiber der Inflation sind die Energiepreise. In Österreich kamen "starke Preisschübe bei den Strom- und insbesondere den Gaspreisen" hinzu, so Statistik Austria-Generaldirektor Tobias Thomas am Mittwoch. In der Eurozone mussten Konsumentinnen und Konsumenten im Jänner im Schnitt um 28,6 Prozent mehr bezahlen als vor Jahresfrist. Ohne Energie hätten die Verbraucherpreise im Jänner nur um 2,6 Prozent zugelegt.

Inflation in der Eurozone

Österreich ist mit der Entwicklung nicht alleine. Im gesamten Euroraum ist die Inflationsrate auf 5,1 Prozent geklettert. Das ist dem europäischen Statistikamt Eurostat zufolge der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1997.

Haupttreiber der Inflation im Jänner waren die stark gestiegenen Preise für Energie. Dafür mussten Konsumenten im Jänner 28,6 Prozent mehr bezahlen als vor Jahresfrist. Im Dezember lag das Plus bei 25,9 Prozent. Ohne Energie hätten die Verbraucherpreise im Jänner nur um 2,6 Prozent zugelegt, nach 2,8 Prozent im Dezember. Unverarbeitete Lebensmittel verteuerten sich um 5,2 Prozent und damit ebenfalls stärker als im Dezember mit damals plus 4,7 Prozent. Dienstleistungen kosteten im Jänner 2,4 Prozent mehr, auch im Dezember hatte der Zuwachs in dieser Höhe gelegen.

Druck auf EZB steigt

Damit entfernt sich die Inflation immer weiter vom Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB), die eine Rate von 2,0 Prozent als optimalen Wert für die Wirtschaft anpeilt. Für das Direktorium um EZB-Präsidentin Christine Lagarde dürfte das eine negative Überraschung sein. Nach dem vom EZB-Stab entworfenen Szenario sollte sich die Inflation 2022 stabilisieren und schrittweise wieder abnehmen.

Bisher ist die Position der EZB klar, wenn auch alles andere als unumstritten. Die Notenbank bewertet den hohen Preisauftrieb als größtenteils übergangsweises Phänomen, das vor allem auf coronabedingte Sonderfaktoren zurückgeht. Zinsanhebungen in diesem Jahr seien daher sehr unwahrscheinlich, hatte EZB-Präsidentin Christine Lagarde bis zuletzt regelmäßig betont. Denn für die Jahre 2023 und 2024 gehen die Währungshüter von Inflationsraten in der Nähe ihres mittelfristigen Preisziels von zwei Prozent aus. Das spricht aus Sicht der EZB gegen eine rasche geldpolitische Reaktion, da Zinsanhebungen eher mittelfristig wirken.

Umstrittene Position

Die EZB-Position eines nur temporären Preisschubs ist jedoch hochumstritten. Unter Ökonomen tobt seit längerem ein Richtungsstreit, ob die Sichtweise begründet ("Team Transitory") oder unbegründet ("Team Persistent") ist. Für beide Positionen gibt es Argumente, wobei die aktuelle Entwicklung in vielen Euroländern nicht für einen raschen Rückgang der Teuerung spricht. Dennoch verweisen viele Ökonomen darauf, dass von stark steigenden Löhnen bisher wenig bis nichts zu sehen sei. Die Gefahr einer inflationsverstärkenden Lohn-Preis-Spirale wird daher überwiegend als gering angesehen.

Es wird also mit Spannung erwartet, wie EZB-Präsidentin Lagarde die aktuelle Entwicklung bewertet. Konkrete neue Entscheidungen erwarten Analysten zunächst nicht: An den rekordniedrigen Leitzinsen, die teils unter der Nulllinie liegen, dürfte sich nichts ändern. Auch an dem für März avisierten Ende des Corona-Krisenprogramms Pepp dürfte festgehalten werden. Ihre herkömmlichen Wertpapierkäufe APP will die Notenbank im Jahresverlauf zwar zurückführen, ein Enddatum steht aber noch nicht fest. Außerdem beabsichtigt sie, fällige Wertpapiere noch lange Zeit in neue Anleihen zu reinvestieren.

Dietrich Mateschitz bei Formel 1 Tests in Jerez, 2015

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