Inflation: Die Kauflaune heizt die Preise an

Die Inflation ist im Mai so stark gestiegen wie in den letzten zehn Jahren nicht mehr. In einzelnen Branchen lagen die Preissteigerungen sogar in hoher zweistelliger Höhe. Wo die Preiskeule besonders zuschlägt und warum Experten dennoch entspannt bleiben.

Inflation: Die Kauflaune heizt die Preise an

Derzeit frisst die Inflation das Ersparte besonders dann stark auf, wenn Güter und Dienstleistungen in bestimmten Branchen konsumiert werden.

Jetzt ist es also amtlich - was viele schon länger beim Bezahlten gespürt haben, wird nun sowohl für Österreich als auch die gesamte Eurozone durch die Statistik belegt: Die Inflation springt an, und zwar ziemlich unvermittelt. Das ist umso bemerkenswerter, als in den letzten Jahren, obwohl die EZB die Märkte mit Geld geflutet hat, sich diesbezüglich nichts getan an.

Es ist schließlich das lange verfolgte Ziel der EZB, die Teuerung auf knapp zwei Prozent zu treiben. Nun ist genau das eingetreten. In Deutschland ist die Teuerung mit 2,5 Prozent deutlich über das EZB-Ziel von zwei Prozent geschossen, noch stärker sogar in Österreich mit um 2,8 Prozent im Mai.

Die Gründe für den Preisanstieg sind in allen Ländern gleich: Die private Nachfrage hat sich als Folge der Pandemie aufgestaut. Nun, da die Infektionszahlen zurückgehen, die Durchimpfungsrate steigt und die Menschen wieder in Kauflaune sind, trifft die Nachfrage ein knapperes Warenangebot. Denn Betreibe sind stillgestanden und viele Beschäftigte waren in Kurzarbeit oder wurden gekündigt. Die Verbraucherpreise ziehen also an.

Preise in der Gastro ziehen leicht an

Besonders deutlich verteuerte sich in der EU zum wiederholten Mal die Preise für Energie, die gegenüber dem Vorjahresmonat 13,1 Prozent teurer war. In Österreich sind heuer bisher vor allem die Preise für Wohnen, Wasser und Energie gestiegen.

Aber auch Branchen, in denen bisher im Schnitt nur eine moderate Preiserhöhung registriert wurde, steigt das Preisniveau, wie etwa auch in der Gastronomie, wie so mancher auch schon selbst mit Blick auf die Wirtshausrechnung bemerkt hat. Christof Kastner, Chef der gleichnamigen Handelsgruppe, erwartet auch künftig eine moderate Teuerung: Es gebe an vielen Fronten Preiserhöhungen, die auf die Gastronomie durchschlugen, so seine Begründung.

Pauschalreisen vor Teuerung

Von der Teuerung betroffen sind auch Reisen. Das große Bedürfnis vieler Menschen, die verpassten Reisen des Jahres 2020 nachzuholen stößt in vielen Ländern auf ein nach wie vor eingeschränktes touristisches Angebot. „Die durchschnittlichen Preise für das Sommerprogramm 2021 liegen aktuell um 14 Prozent höher als für 2020“, erklärte kürzlich der TUI-Chef Fritz Joussen in einem Interview.

Der Reiseveranstalter TUI, in Österreich Marktführer bei Flugpauschalreisen, rechnet im Sommer mit einem starken Nachholeffekt beim Reisen. "Besonders in den Ferienmonaten werden die Flüge rasch ausgebucht sein", glaubt man bei TUI. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage bedeutet das eine Preissteigerung.

Preise für Baumaterial mit hohen zweistelligen Zuwachsraten

Doch nicht nur der Verbraucherpreisindex steigt, sondern auch der Großhandelspreisindex, in dem die Preise von 550 Großhändlern eruiert werden. Vor allem die Baubranche boomt. So lag beispielsweise der Großhandelspreisindex von Eisen und Stahl laut Statistik Austria im März um 30,9 Prozent über dem Durchschnittspreis von 2020. Daraus ergaben sich wiederum Preissteigerungen für Betonstahl um mindestens 35 bis 40 Prozent allein im ersten Quartal 2021.

So ortet Siegfried Fritz, Bundesinnungsmeister für den Holzbau, enorme Preissteigerungen bei fast allen Produkten." Vor dem Herbst rechne auch ich nicht mit einer Entspannung der Lage. "Derzeit können wir einfach nicht abschätzen, wie es weitergeht ", so Gerhard Kast, Holzbau-Landesinnungsmeister Burgenland. Dem pflichtet auch Klaus Haberfellner, Geschäftsführer des Dämmspezialisten Austrotherm bei: „Niemand kann voraussagen, wie sich die Preise entwickeln. Die Märkte sind sehr sensibel, und die Preise werden von unseren Lieferanten monatlich festgelegt."

Stahl um 30 Prozent teurer als vor einem Jahr

Die Preise für Rohstoffe sind in nur wenigen Wochen sprunghaft gestiegen. Viele Lieferanten sind froh, wenn sie überhaupt an Material kommen. Den Anfang bei der Preisexplosion machte Stahl. So lag beispielsweise der Großhandelspreisindex von Eisen und Stahl laut Statistik Austria im März um rund 30 Prozent über dem Durchschnittspreis von 2020. Teilweise sind die Preise seither gar um 80 Prozent angezogen. Und auch da fehlt es an Ware: „Die Lieferzeiten haben sich verdoppelt oder verdreifacht“, bemerkt Harald Schinnerl, Bundesinnungsmeister der Metalltechniker gegenüber dem Fachmagazin Handwerk + Bau.

Die steigenden Preise in der Baubranche sind bei bestehenden Verträgen nicht eingepreist. Doch Häuselbauer und auch große Investoren bekommen nun die Preissteigerungen im Bau zusehends zu spüren und verschieben mitunter auch bereits geplante Projekte.

Kurzer Effekt

Aber das knappe Angebot an Waren und Dienstleistungen sollte sich in den nächsten Wochen und Monaten nach und nach auflösen. In der Stahlbranche etwa geht man davon aus, dass nachdem die stillgelegten Hochöfen im vierten Quartal 2020 nach und nach wieder hochgefahren wurden, sich die Lage wieder entspannt. Ähnlich dürfte sich das Verhältnis zwischen Angebot und Nachfrage auch in anderen Branchen wieder einpendeln.

Für Konsumenten ist daher derzeit kein Grund zur Beunruhigung. Wer eine Reise buchen möchte oder im Gasthaus oder für das Tanken derzeit dafür derzeit tiefer greifen muss, hat zumindest berechtigte Hoffnung, dass diese Teuerung nicht von Dauer sein sollte.

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