Infineon eröffnet Mega-Chipfabrik mit Punktlandung

Vor gut drei Jahren geplant, hat der Chiphersteller Infineon nun in Villach seine neue Chip-Fabrik eröffnet. Just zu einem Zeitpunkt, wo es am Weltmarkt einen massiven Chipmangel gibt. 1,6 Milliarden Euro wurden investiert.

Infineon eröffnet Mega-Chipfabrik mit Punktlandung

Villach. "An der Wurzel der Halbleiterei", so formulierte es Infineon-Konzernchef Reinhard Ploss, hat der Chip-Konzern in Villach sein neuestes Werk errichtet. Vor drei Jahren wurde das neue Halbleiterwerk in Villach geplant, wo bereits über 4500 Mitarbeiter aus über 70 Ländern Chiptechnologie entwickeln und produzieren. In der neuen Fabrik werden künftig Energiesparchips produziert, die in E-Autos, Haushaltsgeräten, Smartphones, Windkraft- oder Solaranlagen sowie für den Einsatz in Rechenzentren bestimmt sind. Infineon ist im Segment der Energiesparchips Weltmarktführer.

Der deutsche Chipkonzern beziffert die Investitionen in das neue Villacher Werk auf 1,6 Milliarden Euro. Vom Bund wurde das Projekt mit rund 100 Mio. Euro gefördert, das Geld kommt aus einem insgesamt 150 Mio. Euro schweren Programm für Mikroelektronik.

Im Volleinsatz soll die neue Fabrik 2 Milliarden Euro mehr Umsatz pro Jahr bringen. Mit der neuen Produktionsstätte wurden 400 hochqualifizierte Arbeitsplätze geschaffen, von denen zwei Drittel bereits besetzt sind. Aktuell sucht Infineon Österreich 200 neue Mitarbeiter, sagt Infineon-Österreich-Chefin Sabine Herlitschka

Die Planung der Mega-Chipfabrik erfolgte bereits vor drei Jahren. Die Errichtung des Werks dauerte rund zwei Jahre und fand großteils während der Corona-Krise statt. Zahlreiche Hürden wie Reisebeschränkungen und Hygienemaßnahmen sowie Arbeiten in mehreren Teams mussten bewältigt werden. Trotzdem sei man letztlich drei Monate früher fertig geworden als geplant, betont Herlitschka.

Mangelware Energiespar-Chips

"Braucht es ein so großes Werk überhaupt hier in Villach, gar in Europa?", hieß es im Vorfeld. Die Frage könne eindeutig mit Ja beantwortet werden", sagt Infineon-Chef Ploss. Alleine schon angesichts der bereits seit gut vier Monaten andauernde Chipkrise. Energiesparchips vor allem für Autos, Solaranlagen und Elektronikgeräte sind derzeit Mangelware. Unternehmen müssen zum Teil ihre Produktion runterfahren. Die Nachfrage boomt und wird nicht so schnell nachlassen. "Es könnte für uns nicht besser laufen, jeder sagt wir brauchen mehr, und wir brauchen nachhaltig mehr", sagt Infineon-Chef Ploss. Infineon könne die Märkte mit seinen Leistungshalbleitern aus Villacher Produktion künftig versorgen.

Allerdings werden die Preise für die Energiesparchips bereits in naher Zukunft kräftig steigen. Die Zulieferer hätten bereits ihre Preise erhöht. Diese Preissteigerungen würden letztendlich an die Kunden weiter verrechnet werden.

Kompetenzzentrum Villach

Ein weiterer Ausbau wäre in Villach möglich. Infineon-Konzernchef Ploss hielt sich zu der Frage aber bedeckt. Zunächst müssten die Kapazitäten der Fabrik voll aufgebaut werden, das werde einige Jahre dauern. Der Konzern wolle jährlich um 9 Prozent wachsen, derzeit sei das Wachstum viel höher. "Diese Halle wird die Zielsetzung wesentlich unterstützen", so der Infineon-CEO.

Künftig soll die Villacher 300-mm-Dünnwafer-Fabrik mit der Infineon-Fabrik in Dresden zu einer virtuellen Mega-Fabrik zusammengeschlossen werden. Dann könne man besser auf die Bedürfnisse der Kunden reagieren, kündigte Hanebeck an. Beide Fabriken zusammen hätten im Endausbau ein Umsatzpotenzial von 5 Milliarden Euro jährlich. Die Folgen eines Stromausfalls im öffentlichen Netz in Dresden am Montag auf die dortige Chip-Produktion müsse man noch genau erheben.

Alleine das Gebäude im Österreich-Headquarter des Konzerns am Rande der Draustadt ist imposant: Eine Bruttogeschoßfläche von 60.000 m² wurde errichtet, die Fabrik weist 120 Meter Länge und 110 Meter Breite und 35 Meter Höhe auf. 70.000 m³ Beton und 18.000 Tonnen Stahl wurden verbaut, 2.500 Kilometer lange Kabel und Rohrleitungen verlegt.

Herzstück der Fabrik ist der Reinraum, wo die Zahl der Partikel mit Filtern und Abluftsystemen auf ein Minimum reduziert wird. In der Fabrik wird eine Reinraumklasse 1.000 erzeugt, das sind nur 1.000 Staubpartikel auf 28 Liter Luft - zum Vergleich: Ein Operationssaal enthält bis zu 10.000 Partikel je 28 Liter Luft, reine Gebirgsluft rund 100.000 Partikel.

Die Energieversorgung werde mit 100 Prozent Grünstrom gewährleistet. Für den Wärmebedarf wird Abwärme der Kühlsysteme recycelt, damit sollen jährlich rund 20.000 Tonnen CO2 eingespart werden. Produktionsstart war im August 2021, die Anlagen zur Chiperzeugung werden nun schrittweise weiter aufgebaut.

Villach ist im Konzern das Kompetenzzentrum für Leistungshalbleiter und Leistungselektronik. Die Fertigung der Chips erfolgt auf 300-Millimeter-Dünnwafern, die mit 40 Mikrometern dünner als ein menschliches Haar sind. In Villach wurde die Fertigung von Leistungshalbleitern auf 300-Millimeter-Dünnwafern vor rund zehn Jahren entwickelt, die dann am Infineon-Standort Dresden in den vergangenen Jahren zur vollautomatisierten Volumenfertigung ausgebaut wurde. Die Nutzung dieser Technologie bringe aufgrund des größeren Scheibendurchmessers Produktivitätsvorteile und reduziere den Kapitaleinsatz, so das Unternehmen.

Infineon Technologies Austria ist ein Tochterunternehmen der Infineon Technologies AG mit Sitz in München. Infineon Österreich hat seinen Hauptsitz in Villach, weitere Niederlassungen gibt es in Graz, Klagenfurt, Linz und Wien. Mit rund 4.500 Beschäftigten in Österreich, davon 1.960 in Forschung und Entwicklung, wurde im Geschäftsjahr 2020 ein Umsatz von 3,1 Milliarden Euro erzielt. Mit einem Forschungsaufwand von fast 500 Millionen Euro zählt das Unternehmen zu den forschungsstärksten in Österreich.

Der börsennotierte Konzern Infineon entstand ursprünglich als Spin-off von Siemens. Er spielt am Markt für Halbleiter in den Top-Ten mit, dominiert wird die Branche allerdings von Herstellern in den USA und Asien. Marktführer sind Intel (USA) und Samsung (Südkorea), in einem Ranking der zehn umsatzstärksten Firmen (2020) liegt Infineon auf Platz 9.

Zur feierlichen Eröffnung werden am Nachmittag Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sowie Kärntens Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) erwartet. Auch Klimaschutzministerin Leonore Gewessler (Grüne), Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) und Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) sowie der Villacher Bürgermeister Günther Albel (SPÖ) sollen an dem Eröffnungsakt teilnehmen. EU-Binnenmarktkommissar Thierry Breton schickt eine Videobotschaft.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hat diese Woche in ihrer Rede zur Lage der EU die große Bedeutung der Halbleiterindustrie für Europa betont. Die Abhängigkeit Europas insbesondere von Asien solle durch den Aufbau eines europäischen Wirtschaftssystems für Mikrochips verringert werden.

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Zur Person. Martin Butollo ist seit 2013 Country CEO der Commerzbank in Österreich. Davor war Butollo für die Commerzbank und die Dresdner Bank in Frankfurt/Main in Managementfunktionen tätig. Seine berufliche Laufbahn begann bei PriceWaterhouseCoopers.

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