Pfizer warnt vor Impfstoff-Lieferkürzungen für Europa

US-Pharmakonnzern Pfizer, der mit dem deutschen Covid-Impfstoffhersteller Biontech kooperiert, will seine Produktionskapazitäten verbessern. Die dadruch resultierenden Lieferkürzungen würde Auswirkungen auf ganz Europa haben.

Pfizer warnt vor Impfstoff-Lieferkürzungen für Europa

Impfstoff-Verknappung? Pfizer hat angekündigt, dass es vorübergehend weniger Impfstoff liefert.

New York/Oslo Der US-Pharmagigant Pfizer hat nach Angaben der norwegischen Behörden vor anstehenden Lieferkürzungen bei dem gemeinsam mit dem Mainzer Unternehmen Biontech entwickelten Impfstoff gegen das Coronavirus gewarnt. "Die vorübergehende Kürzung wird alle europäischen Länder betreffen", erklärte am Freitag das staatliche Gesundheitsinstitut in Oslo. Die Kürzungen würden "ab kommender Woche" erfolgen, Pfizer wolle in der Zeit seine Produktionskapazitäten verbessern.

"Es ist derzeit nicht klar, wie lange es genau dauern wird, bis Pfizer seine maximale Produktionskapazität erreichen wird, die von 1,3 Milliarden auf zwei Milliarden Dosen jährlich steigen soll", hieß es in der Erklärung weiter. Angaben über die Liefermengen für ganz Europa wurden nicht gemacht, nur für Norwegen: Demnach werden für das skandinavische Land in der kommenden Woche nur 36.075 Impfstoffdosen erwartet, zuvor waren es 43.875. Dies entspricht einem Minus von fast 18 Prozent.

Pfizer wird jedoch nach Angaben von EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen die Lieferzusagen für die EU im ersten Quartal 2021 einhalten. Sie habe die Berichte dazu mitbekommen und daraufhin sofort den Pfizer-Chef angerufen, sagte von der Leyen am Freitagnachmittag bei einem Besuch in Lissabon.

Dieser habe erklärt, dass es in den kommenden Wochen eine Produktionsverzögerung gebe. Zugleich habe er jedoch versichert, dass alle garantierten Dosen im ersten Quartal auch geliefert würden. Er werde sich persönlich darum kümmern, die Verzögerung zu reduzieren und so schnell wie möglich aufzuholen.

Ungeklärte Fragen

Fragen danach, wie viele Impfstoff-Dosen aufgrund der Probleme zunächst weniger geliefert würden, beantwortete von der Leyen nicht. Dies müsse das Unternehmen beantworten. Sie verwies jedoch darauf, wie wichtig es sei, dass die zugesagten Dosen bis Ende März geliefert würden. Weil es innerhalb eines bestimmten Zeitraums zwei Impfungen des Impfstoffs von Pfizer und seines deutschen Partners Biontech brauche, gebe es auch die medizinische Notwendigkeit, dass der Impfstoff rechtzeitig geliefert werde.

Das Gesundheitsministerium in Wien bestätigte am späten Freitagnachmittag, dass nach den Gesprächen zwischen EU und Pfizer die für Österreich vorgesehenen Dosen gesichert sind.

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer war als erstes Vakzin gegen das Coronavirus in der Europäischen Union (EU) zugelassen worden. Er wird bereits weitflächig eingesetzt. Als zweiter Impfstoff erhielt inzwischen auch das Mittel des US-Herstellers Moderna eine europaweite Zulassung, der Corona-Impfstoff des britisch-schwedischen Herstellers AstraZeneca wird derzeit von der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) geprüft.

Die EU hat bei insgesamt sechs Impfherstellern im Herbst 2020 Covid-Impfstoff bestellt. Drei Hersteller können noch nicht liefern, weil sie noch nicht die Zulsaaaungs der EMA haben. Das deutsche Unternehmen Curevac, das mit Bayer kooperiert, will noch im laufenden Quartal seinen Impfstoff auf den Markt bringen. Johnson & Johnson sowie Sanofi mit GSK hoffen ebenso bald die Zulassung zu bekommen.

Impfungen sind derzeit der Hoffnungsschimmer im Kampf gegen die Corona-Pandemie. Die Zahl der Corona-Infektionen in Europa hatte Freitagfrüh die Schwelle von 30 Millionen überschritten.

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