IMD-Standortranking: Österreich in wichtigen Punkten weit zurück

IMD-Standortranking: Österreich in wichtigen Punkten weit zurück
IMD-Standortranking: Österreich in wichtigen Punkten weit zurück

IMD Wettbewerbsranking: Österreich liegt auf Platz 24

Das neue internationale Wettbewerbsranking des Schweizer Instituts für Management-Entwicklung (IMD) ist kein gutes Zeugnis für Österreich. Das Land hat sich zwar gegenüber dem Vorjahr um zwei Plätze auf Rang 24 verbessert, liegt bei harten Kriterien wie Besteuerung oder Reformen aber abgeschlagen zurück. An der Spitze gab es Veränderungen: Die USA wurden von Hong Kong und der Schweiz überholt und sind auf Platz 3 abgerutscht.

Das neue internationale Ranking der Wettbewerbsfähigkeit von Staaten, das World Competitiveness Ranking, das seit 1989 vom Schweizer Instituts für Management-Entwicklung (IMD) veröffentlicht wird, ist für Österreichs Verantwortliche kein Grund zum Jubeln. Das Land konnte sich gegenüber dem Vorjahr zwar leicht verbessern und liegt nun auf Platz 24.

Zufrieden darf man mit der Platzierung jedoch nicht sein, denn 2007 lag Österreich noch auf dem elften Platz. Immerhin hat Österreich einen Rang unter den Top-20-Staaten, denen Bris attestiert, besonders wirtschaftsfreundliche Umfelder generiert zu haben, nur knapp verpasst. Insgesamt werden vom IMD jährlich 61 Staaten unter die Lupe genommen.

Die Details haben es jedoch in sich. In einigen Einzelbewertungen, darunter in einigen wirtschaftlich sehr relevanten, liegt Österreich weit zurück. Beim Punkt "effektive Einkommensbesteuerung" sogar auf dem letzten Platz. Beim "Bedarf nach wirtschaftlichen und sozialen Reformen" liegt Österreich auf Rang 60, ist also vorletzter im Standort-Ranking. Nur unwesentlich besser schaut es bei den Punkten Arbeitszeit, Flexibilität und Managemententlohnung wie auch Quote der Steuern und Sozialabgaben aus. HIer liegt Österreich auf miserablen Rängen zwischen 54 und 58.

Bei der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich Österreich von 21 auf 19 verbessert. Auch die Effizienz der Regierung verbesserte sich, von 39 auf 35. Die wirtschaftliche Effizienz stieg von Rang 28 auf 22, die Infrastrukturqualität von 20 auf 12.

IMD Wettbewerbsranking 2016

Die Top 30 Staaten im IMD Ranking: Österreich liegt auf Platz 24.

Top-Platzierungen gibt es dagegen für Österreich unter anderem bei den Soft Facts. Also Aspekten wie Lebensqualität (2), Gesundheits-Infrastruktur (3), Lehrlingsausbildung (3), sozialer Verantwortung (3), Motivation der Arbeiter (4), aber auch Gesundheit- und Umwelt (je 5).

Fast 92 Prozent der befragten Manager nannten die qualifizierten Arbeitskräfte als Pluspunkt in Österreich, 80 Prozent die verlässliche Infrastruktur und 70 Prozent politische Stabilität und Vorhersehbarkeit. Für 65 Prozent sind auch die gute Bildung und das effiziente Rechtssystem positiv herauszuheben. Keiner (0 Prozent) nannte Regierungskompetenz als Stärke Österreichs, nur 3,2 Prozent das wettbewerbsfähige Steuersystem, jeweils 6,5 Prozent wirtschaftliche Dynamik, Wettbewerbsfähigkeit bei den Kosten bzw. ein unternehmerfreundliches Umfeld.

Wechsel an der Spitze

Die USA, die das Ranking im Vorjahr noch als wettbewerbsfähigste Nation der Welt angeführt hatte, ist von Platz 1 auf Platz 3 zurückgefallen. Neuer Spitzenreiter ist Hong Kong vor der Schweiz.

Professor Arturo Bris, Leiter des IMD World Competitiveness Center, erklärt den Aufstieg Hong Kongs mit einem anhaltenden wirtschaftsfreundlichen Klima und den der Schweiz damit, dass es dem kleinen Land gelungen sei, mit einem nachhaltigen Committment an Qualität zu punkten. "Die USA haben immer noch die beste Wirtschaftsleistung der Welt, aber für die Wettbewerbsfähigkeit im gesamten sind noch weitere Faktoren entscheidend", erklärt Bris.

Westeuropas Staaten haben der Studie zufolge ihr Standing generell verbessert. Asien hat dagegen allgemeoin verloren, Osteuropa aufgeholt.

IMD World Competitiveness Yearbook - Ranking 2016

Die seit 25 Jahren zusammengetragenen und öffentlich unter https://worldcompetitiveness.imd.org/ zur Verfügung gestellten Daten zeigen auch, dass die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Seit 1995 hat die Ungleichheit der Einkommen zwischen den Staaten zugenommen, auch wenn sich das Tempo zuletzt verlangsamt hat. "Unglücklicherweise ist das Problem für viele Staaten, dass die Anhäufung von Reichtum durch die Reichen ohne soziale Absicherung den Armen keinen Nutzen bringt", erklärt IMD World Competitiveness Center Direktor Bris: "Innovationsgetriebenes Wirtschaftswachstum in ärmeren Ländern verbessert die Wettbewerbsfähigkeit, erhöht aber auch die Ungleichheit. Das ist ein Thema, auf das langfristig geachtet werden muss".

IMD Wettbewerbsranking 2016

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