Im inneren Zirkel der geheimen Steuermafia

Eine Insiderin packt aus. Die US-Soziologion Brooke Harrington hat sich bei den Wealth-Managern der Superreichen eingeschlichen und plaudert munter aus der Schule.

Im inneren Zirkel der geheimen Steuermafia

Kluge Wealth-Manager, die durch die Bank über ein Zertifikat der "Society of Trust and Estate Practitioners" verfügen, lotsen ihre betuchten Kunden in maßgeschneiderte Steueroasen. Russische Oligarchen lieben die British Virgin Islands, reiche Chinesen die Cayman Islands. Die Kanalinsel Jersey (im Bild) und Guernsey sind wegen ihrer Nähe zu London beliebt. Und ein Asset Protection Trust auf den Cook Islands macht jedes Vermögen für lästige Gläubiger, unerbittliche Gerichtsvollzieher, gierige Erben oder kostspielige Ex-Gattinnen absolut unantastbar.

"The Asshole. Einblicke von der Straße" - das ist der knackige Titel eines langen Essays, in dem der amerikanische Soziologe John van Maanen seine Feldforschung unter Polizisten in einem kalifornischen Kommissariat beschreibt.

Das war in den 70er-Jahren, damals gab es dort jede Menge Krawalle, doch statt dem täglichen Kampf der Cops mit wissenschaftlichen Fragebögen auf den Grund zu gehen, hat sich van Maanen einfach selbst zum Polizisten ausbilden lassen und ist mit seinen neuen Kollegen auf der Straße Streife gefahren. Noch nie gab es tiefere Einblicke in die raue Welt der "Street Justice".

Seither gilt diese "Immersion Ethnology" als Königsklasse der Sozialforschung. Ähnlich starke wissenschaftliche Erkenntnisse aus erster Hand von solch verschworenen Gemeinschaften sind indes äußerst selten. Ehrenkodex, Gruppenzwang, Geheimnistuerei -lästige Fragen laufen meist ins Leere. Nun gibt es aber eine Ausnahme von dieser Regel: Brooke Harrington.


Der Job von Wealth-Managern ist schnell erklärt: Den Reichen dabei helfen, jede Regel zu brechen, die ihnen unangenehm erscheint . Steuern zu vermeiden, ist nur der Beginn

Die in Chicago geborene und an den US-Eliteunis Stanford und Harvard ausgebildete Wissenschaftlerin liest derzeit an der Copenhagen Business School ökonomische Soziologie und hat gerade ein Meisterstück ihrer Disziplin abgeliefert. Harrington ist es gelungen, sich in zwei Jahren Recherche vor Ort in die äußerst klandestine Welt der Wealth-Manager der Superreichen einzuschleichen. Also in den inneren Zirkel jener Vermögensberater, die den weltweit gut 100.000 "Ultra-High Net-Worth Individuals" mit einem Besitz von 30 Millionen Dollar oder mehr dabei helfen, ihr Vermögen vor seinen natürlichen Feinden in Sicherheit zu bringen.

Vor dem erbarmungslosen Fiskus, dem durch deren Tricks, so der Ökonom Gabriel Zucman von der London School of Economics, global jährlich etwa 200 Milliarden Dollar durch die Lappen gehen. Vor gierigen Erben, vor kostspieligen Ex-Gattinen oder vor unerbittlichen Gerichtsvollziehern.

"Ich wollte herausfinden, wie sie das machen", sagt Harrington im FORMAT-Interview, "Und was ich dabei gelernt habe, ist extrem verstörend."

Brooke Harrington über Lobbying:


Wealth-Manager erheben ihre Klienten praktisch über das Gesetz. Manchmal schreiben sie sogar die Gesetze für ihre Kunden, so wie andere einen Maßanzug kaufen.

Exklusive Einsichten einer Eingeweihten

Brooke Harrington, 47, ist Professorin für ökonomische Soziologie an der Copenhagen Business School, wo sie am Universitätsinstitut für Business & Politics unterrichtet. Sie stammt aus Chicago und wurde an den Universitäten Harvard und Stanford ausgebildet. Harrington will ihre Erfahrungen und Analysen, die sie im Zuge ihrer zweijährigen Ausbildung zum zertifizierten "Trust and Estate Practitioner" gesammelt hat, im August 2016 als Buch veröffentlichen. Vorläufiges Fazit: "Wealth Manager sind eine ernsthafte Gefahr für demokratische Gesellschaften."

Die ganze Geschichte lesen Sie im FORMAT Ausgabe 46/2015.
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