IKEA zahlt ab März monatlich 1.800 Euro Mindestlohn

IKEA zahlt ab März monatlich 1.800 Euro Mindestlohn

Während sich die Politik in Österreich mit Mühe auf die Einführung eines Mindestlohns von 1.500 Euro brutto monatlich bis 2020 einigen konnte geht der Möbelhändler IKEA einen Schritt weiter: Ab März werden alle Vollzeit-Mitarbeiter mit mindestens 1.800 Euro entlohnt.

Praktisch am letzten Drücker - am Tag, an dem das von der damaligen SPÖ/ÖVP-Bundesregierung unter Bundeskanzler Kern gesetzte Ultimatum abgelaufen ist, haben sich Österreichs Sozialpartner Ende Juni 2017 auf die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns von 1.500 Euro brutto für alle bis zum Jahr 2020 geeinigt.

Beim Möbelkonzern IKEA müssen Mitarbeiter nicht so lange warten. Schon bisher haben dessen Mitarbeiter mehr verdient als von den Arbeitnehmervertretern gefordert. Nun hat das Einrichtungshaus angekündigt, den Mindestlohn für alle Vollzeit-Mitarbeiter ab März 2018 - rückwirkend mit Jahresbeginn - auf 1.800 Euro brutto zu erhöhen. Die Mitarbeiter des Möbelhauses werden somit zumindest in etwa so gut entlohnt wie diejenigen in der metalltechnischen Industrie, wo der Mindestlohn nach der letzten KV-Einigung vom November 2017 bei 1.838,58 Euro brutto monatlich liegt.

Für Viera Juzova, Geschäftsführerin von IKEA Österreich, ist die Erhöhung der Mindestbezüge ein weiterer Schritt in einer Reihe von Maßnahmen, um das Unternehmen als guter Arbeitgeber zu positionieren und beim Wettbewerb um die Talente gute Mitarbeiter zu bekommen. So hat IKEA unter anderem auch ein System geschaffen, in dem es gute und rasche Aufstiegschancen gibt, die Vereinbarung von Beruf und Familie, sowohl für Mütter, als auch für Väter massiv gefördert und auch bei der Gleichbehandlung und beim Thema Frauen in Führungspositionen deutliche Akzente gesetzt. Aktuell sind 54 Prozent der Top Manager von IKEA Österreich Frauen, 46 Prozent Männer.

Parallel dazu werden auch die Lehrlingsentschädigungen angepasst. Das Einrichtungshaus, für dessen Lehrlinge der Einzelhandels-Kollektivvertrag gilt, erhöht diese von aktuell 590 Euro auf 750 Euro im ersten Lehrjahr, in der Folge steigern sich die Bezüge entsprechend auf bis zu 1.150 Euro im vierten Lehrjahr.

Weiter Diskussion um Mindestlohn

Für die Gewerkschaften wurde mit dem Beschluss von Ende Juni eine alte Forderung erfüllt, obwohl die Arbeitnehmervertreter für einen um 200 Euro höheren Mindestlohn eingetreten waren. ÖGB-Präsident Erich Foglar hielt daher auch nach der Einigung an dem Ziel eines Mindestlohns von 1.700 Euro fest.

Von einem Mindestlohn von 1.500 Euro profitieren sollen zahlreiche Beschäftigte in diversen Branchen, die heute noch weniger verdienen. Dem Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo zufolge sind das rund 291.000 Personen oder 9,1 Prozent der unselbstständig Beschäftigten. Der durchschnittliche Stundenlohn der betroffenen Beschäftigten würde durch einen Mindestlohn von 1.500 Euro um 1,26 Euro oder 17,1 Prozent steigen.

Beschäftigte unter 1.500 Euro Mindestlohn

Beschäftigte unter 1.500 Euro Mindestlohn

Vertreter der Wirtschaft sehen einen Mindestlohn von 1.500 Euro monatlich daher auch als "erhebliche Belastung". Rolf Gleißner, stellvertretender Abteilungsleiter für Sozialpolitik in der WKÖ, erklärte etwa per Aussendung, dass 1.500 Euro zwar volkswirtschaftlich verkraftbar seien, für die Unternehmer aber Mehrkosten von rund 910 Millionen Euro bedeuten. "1.500 Euro Mindestlohn sind daher eine große Vorleistung der Wirtschaft. Im Gegenzug erwarten wir eine Entlastung bei den Lohnnebenkosten und endlich Bewegung in der Arbeitszeit", forderte Gleißner.

Walter Bornett, Direktor der KMU Forschung Austria, warnte außerdem, dass der Mindestlohn gerade für viele Kleinstbetriebe existenzbedrohend sei. "Ein typischer Dienstleistungsbetrieb mit einem Jahresumsatz zwischen 300.000 und 400.000 Euro und einem Mitarbeiter mit Mindestlohn erwirtschafte eine Umsatzrendite vor Steuern von 6.000 Euro jährlich. Wenn der Lohn der Mitarbeiterin um 400 Euro pro Monat angehoben würde, dann ist dieser Gewinn weg", rechnete Bornett vor. "Und Betriebe, die keine Gewinne erwirtschaften, sind nicht existenzfähig."

Teures Leben, faire Bezahlung

Bei IKEA spielen derartige Überlegungen keine Rolle. "Das Leben in Österreich ist sehr teuer geworden. Mit der Erhöhung der Mindestgehälter auf 1.800 Euro möchten wir – zumindest teilweise – Abhilfe schaffen", erklärt Eszter Árvai, Human Resources Managerin von IKEA Österreich. Für gut die Hälfte der fast 3.000 in Österreich beschäftigten Mitarbeiter wird die Erhöhung positive Auswirkungen haben.

Wie hoch die Erhöhung für einzelne MitarbeiterInnen sein wird, hängt vom jeweiligen Kollektivvertrag und der jeweiligen Verwendungsstufe ab. "Das niedrigste, bei uns zur Anwendung kommende, Kollektivvertragsgehalt liegt aktuell bei 1.460 Euro", sagt Projektleiter Thomas Hiesberger. Das Mindestgehalt wird mit dem jeweiligen Kollektivvertrag jährlich dynamisch angepasst, das gilt auch für Kollektivverträge, bei denen eine Anpassung bisher nicht vorgesehen ist.

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