IHS-Studie: Kein Fachkräftemangel in Gastronomie und Informatik

IHS-Studie: Kein Fachkräftemangel in Gastronomie und Informatik

Die Gastronomie jammert häufig über einen Mangel an Fachkräften. Doch die Gehälter für Kellner, Schank und Servicepersonal sind niedrig, das Stresslevel hoch.

Gastronomen und Hoteliers klagen immer wieder darüber, dass sie kein geeignetes Personal finden. Auch in der Informatik ist oft von Arbeitskräftemangel die Rede. Genau in diesen beiden Sparten ist aber ein Fachkräftemangel unwahrscheinlich, ebenso im Handel, konstatiert das IHS in einer Studie. Ein Indikator ist die niedrige Bezahlung.

In einer bereits im Dezember 2015 veröffentlichten Studie im Auftrag des Sozialministeriums hat das Institut für Höhere Studien (IHS) 22 Berufsgruppen unter die Lupe genommen. Das Ziel der Forscher war es, die Diskussion über den angeblichen Fachkräftemangel zu versachlichen. Bisher lägen nur Firmenbefragungen und die Mangelberufsliste des Arbeitsmarktservice (AMS) vor.

Die IHS-Forscher machen zahlreiche Indikatoren für Hinweise auf Fachkräftemangel aus, etwa die Bezahlung oder Überstunden. Sie unterscheiden dabei klar zwischen Fachkräftemangel und Rekrutierungsproblemen aus anderen Gründen. So sei es möglich, "dass sich qualifizierte Personen, z.B. wegen ungünstiger Arbeitsbedingungen, dafür entscheiden, eine andere als die erlernte Tätigkeit auszuüben", heißt es in der Studie.

Gastronomie zahlt zu wenig

Genau das ist das Problem in der Gastronomie, so das IHS. Allein die hohe Arbeitslosigkeit zeige, dass es dem Gaststättenwesen nicht an Fachkräften mangle. Vielmehr seien die regelmäßig kolportierten Rekrutierungsprobleme "auf strukturelle Probleme, etwa auf die schwierigen Arbeitsbedingungen und das geringe Lohnniveau, zurückzuführen."

Bei einem echten Fachkräftemangel steigen üblicherweise die Gehälter und Überstunden, so das IHS. Auf Wirtshäuser und Co. hat das aber im Beobachtungszeitraum 2005 bis 2010 nicht zugetroffen. "Das Lohnniveau ist in den Dienstleistungsberufen im hauswirtschaftlichen Bereich und im Gaststättenwesen sehr niedrig und hat sich kaum verbessert." Gleichzeitig sei die durchschnittliche wöchentliche Arbeitszeit von 40,6 auf 39,9 Stunden gesunken.

Auch im Handel - zum Beispiel Kassierer, Ladenverkäufer oder Schalterangestellte - ist laut IHS ein Fachkräftemangel "unwahrscheinlich".

Kein Informatikermangel

Informatiker sind ebenso nicht so rar wie gemeinhin geglaubt. Die stark gestiegene Nachfrage nach Informatikern scheine auf ein genügend großes Angebot gestoßen zu sein. Die Entlohnung sei im Vergleich zur akademischen Berufshauptgruppe unterdurchschnittlich und entgegen dem Trend in den untersuchten Jahren nicht angestiegen. Aufgrund des rasanten technologischen Wandels sei es aber nicht auszuschließen, dass der Bedarf an spezifischen Fachkräften, etwa App-Programmierern, nicht gedeckt werden kann. Bei Datenverarbeitern, die das AMS lange als Mangelberuf gelistet hat, herrscht laut IHS kein Fachkräftemangel.

Eine Knappheit gibt es hingegen dem IHS zufolge bei Medizinern und Apothekern - diese werden vom AMS nicht als Mangelberufe geführt. Die Arbeitslosenquote in dieser Berufsgruppe ist vom schon niedrigen Niveau im Jahr 2005 (2 Prozent) auf nur mehr 1,5 Prozent im Jahr 2010 gesunken, der reale Stundenlohn stieg in dem Zeitraum von 28,5 auf 33,1 Euro. Gleichzeitig ist die (sehr hohe) wöchentliche Arbeitszeit gesunken. Die Umsetzung der EU-Arbeitszeitrichtlinie bei Spitalsärzten bis 2021 wird den Trend zu kürzeren Arbeitszeiten verstärken "und die Verknappung bei den Mediziner/innen weiter verschärfen", so das IHS.

"Wahrscheinlich" ist ein Fachkräftemangel laut Studie weiters bei Architekten, Diplomingenieuren, Pflegeberufen sowie materialtechnischen Fachkräften. Bei diplomierten Krankenschwestern und -pflegern sowie Schweißern und Maschinenschlossern sei ein Fachkräftemangel "möglich", jedoch nicht klar feststellbar.

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