"Ich mache mir um Christian Kern keine Sorgen"

"Ich mache mir um Christian Kern keine Sorgen"

Eveline Steinberger-Kern in ihrem Büro im Wiener Start-up-Hub WeXelerate: "Wir sind eine starke Familie."

Die Unternehmerin Steinberger-Kern über den Rückzug ihres Mannes, Christian Kern, aus der Politik, ihre Firmen und warum sie auch seine Nachfolgerin wählen würde.

trend: Frau Steinberger-Kern, sind Sie als Firmenchefin jetzt erleichtert, dass das Kapitel Politik für Ihren Mann abgeschlossen ist?
Evelin Steinberger-Kern: Es gibt Dinge, die mir im Leben wichtig sind, und die habe ich immer zielorientiert verfolgt. Da ist es mir relativ egal, was da so rechts und links von mir passiert. Beruflich beschäftige ich mich mit der digitalen Transformation, und das habe ich lange, bevor mein Mann in die Politik gegangen ist, schon konzentriert verfolgt. Mein Team und ich sehen darin eine Chance, die Welt mit unserem kleinen Beitrag zu verändern. Richtig ist: Als mein Mann Politiker war, galt ich als "politically exposed person". Man wird als Unternehmerin strenger unter die Lupe genommen, viele Kunden fallen weg. Das war zu Beginn schon eine Umstellung.

Macht das Ihr Geschäft also vielleicht jetzt leichter?
Steinberger-Kern: Wenn man diese Umstände akzeptiert, merkt man den Mehraufwand irgendwann nicht mehr.

Aber öffnet die Funktion "Kanzlergattin" nicht auch so manche Tür?
Steinberger-Kern: Das war für mich nie so die Frage, denn mit wachsender politischer Tätigkeit meines Mannes habe ich mein Geschäft immer mehr ins Ausland verlagert. Ich habe auch eine Firmenbeteiligung verkauft, um gar nicht in die Gefahr zu kommen, etwas Unvereinbares zu machen.

Kommen wir zu Ihren Unternehmen: Wie viele gehören Ihnen mittlerweile?
Steinberger-Kern: Rückblickend kann ich sagen, Unternehmerin zu werden, war für mich der absolut richtige Schritt. Das ist genau die Art von Herausforderung, die ich brauche. Wir in der Blue Minds Group haben drei eigene Firmen im Energiebereich gegründet. Daneben haben wir derzeit rund 15 Start-up-Beteiligungen, bei denen wir unterstützend tätig sind, aber nicht im Lead. Von diesen Start-ups sind nur noch ein kleiner Teil in der D-A-CH-Region, ein paar in Israel und der Türkei. Die Märkte Kanada, USA bleiben hier auch interessant für uns.

Wie groß sind diese Beteiligungen?
Steinberger-Kern: Zwischen ein, zwei und 40 Prozent. Pro Beteiligung investieren wir selber nicht mehr als 100.000 Euro.

Wie viel haben Sie seit 2014 insgesamt investiert?
Steinberger-Kern: Gemeinsam mit internationalen Co-Investoren haben wir seit 2014 rund 25 Millionen Euro in unsere Start-up-Beteiligungen investiert.

Gab es schon einen erfolgreichen Exit?
Steinberger-Kern: Ja, einen kleinen, aber es ist eigentlich gar nicht unser Ziel, so schnell wieder rein und rauszugehen.

Womit verdienen Sie momentan Ihr Geld?
Steinberger-Kern: Unsere dritte Business-Schiene ist, dass wir Start-ups und traditionelle Unternehmen für die digitale Transformation verbinden. Dazu zählen ATX-und familiengeführte sowie internationale Unternehmen, die wir beim Markteintritt in Europa begleiten. Darunter Mobileye oder der Fonds JVP.

Also werden Sie in den nächsten Monaten für das Einkommen der Familie Steinberger-Kern sorgen?
Steinberger-Kern: Darum muss sich niemand Sorgen machen. Für das Einkommen bin aber nicht nur ich verantwortlich.

Das Unternehmen Fsight (vorm. Foresight) hat im Wahlkampf 2017 eine Rolle gespielt, unter anderem weil Ihr Mann und Martin Schlaff daran beteiligt gewesen sein sollen. Hat das so gestimmt?
Steinberger-Kern: An der Fsight Energy LTD sind, wie man im Firmenbuch sehen kann, über die letzten drei Jahre neben sogenannten Family-&-Friends-Investoren - in einer dieser Runden hat auch mein Mann noch vor seiner Kanzlerschaft investiert - Privatstiftungen und VCs aus Israel, USA und Österreich beteiligt. Darunter Amrav Investment, das ist mein Co-Founder, der unter anderem den erfolgreichen Inkubator Karat des größten israelischen Energiekonzerns IEC als deren CEO aufgebaut hat, die Schweighofer-Gruppe, Alpha Capital oder Triple M.

Und über welches Vehikel ist Martin Schlaff beteiligt?
Steinberger-Kern: Zu Beteiligungen oder Nichtbeteiligungen von dritten Personen möchte und kann ich generell nicht Stellung nehmen.

Ihr Mann ist auch beteiligt. War das eine kluge Entscheidung?
Steinberger-Kern: Warum denn nicht? Fsight hat eine zukunftsträchtige Artificial-Intelligence-Lösung für Energiedaten entwickelt. Mein Mann kennt sich in dem Feld gut aus und hat sich in der Frühphase als Business Angel am damaligen Familienunternehmen beteiligt. Damals war er noch nicht Politiker.

Im Wahlkampf wurde suggeriert, Sie hätten bei Ihren Investments die Kanzlerkarte ausgespielt.
Steinberger-Kern: An dieser Kritik ist nichts dran. Im Wahlkampf wurde noch mehr an derartigen Verleumdungen von den politischen Gegnern meines Mannes gebracht, die ich vor Gericht gebracht und auch gewonnen habe. Da gibt es einen Spruch: Mitleid bekommt man geschenkt, Neid muss man sich verdienen.

Aber das wird Sie nicht kalt gelassen haben?
Steinberger-Kern: Ich bin ein sehr positiver Mensch mit einem hohen Maß an Humor, viel Grundvertrauen und Neugier. Das Fundament für meine Einstellung aus meinem Elternhaus hilft mir da sehr. Ich bin kein Glashauskind, und wir haben als Kinder ein gutes Rüstzeug mitbekommen. Wenn einmal etwas nicht so gut gelaufen ist, hieß es immer: Es kann nichts so schlecht sein, dass es nicht auch für etwas gut ist. So ist es mir gelungen, diese Angriffe zu handhaben.

Waren Sie von der Intensität der Vorwürfe überrascht?
Steinberger-Kern: Die enorme Wucht der medialen Betrachtung war natürlich nicht erwartbar. Auch nicht die Qualität der Auseinandersetzungen.

Vorwürfe gab es ja auch in Zusammenhang mit dem Hub WeXelerate. Sie haben Ihre Beteiligung daran verkauft, um Vorwürfe abzuwehren. Jetzt könnten Sie diese wieder zurückkaufen. Ist das ein Thema?
Steinberger-Kern: Das ist kein Thema. Ich habe aber bis vor Kurzem das Advisory Board auf Wunsch der Gesellschafter geführt.

Wie läuft WeXelerate?
Steinberger-Kern: Super. Es wurden kürzlich wieder zwei neue führende österreichische Unternehmen für die Zusammenarbeit dazu gewonnen. Die knapp 9.000 Quadratmeter sind voll vermietet, wir könnten sogar noch ein zweites WeXelerate füllen.

Wie finden Sie IT-Fachkräfte?
Steinberger-Kern: Wir holen sehr viele aus dem Ausland. Das ist auch einer der Gründe, weswegen ich 2014 mit Fsight nach Israel gegangen bin. In Israel gibt es ausreichend Risikokapital und gut ausgebildete Software Engineers.

Wie schätzen Sie die Start-up-Gesinnung der jetzigen Regierung ein?
Steinberger-Kern: Als Unternehmerin finde ich, dass man im Bereich Innovation und Digitalisierung nie genug tun kann, vor allem, wenn ich in andere Länder schaue. In Israel, den USA, Frankreich, sogar Portugal wird politisch viel angeschoben. Es gibt also noch "Room for Improvement".

Das neue Arbeitszeitgesetz müsste Ihnen bei der Personalsuche doch sehr entgegenkommen?
Steinberger-Kern: Das Gesetz geht völlig an unserem Bedarf vorbei. Ich kann hier nicht erkennen, wie man auf Bedürfnisse von Start-ups eingegangen ist. Mit "New Work", moderner und selbstverantwortlicher Arbeitszeitgestaltung hat das nicht viel zu tun, die haben andere Probleme. Man hat sich hier mit der Start-up-Szene nicht wirklich auseinandergesetzt.

Ist die Digitalisierungsministerin Hilfe für Ihr Business?
Steinberger-Kern: Ja, Frau Schramböck kommt aus der Branche, ist greifbar und setzt sich ein.

Die Frauenquote in der Politik ist in letzter Zeit gestiegen. Gefällt Ihnen das?
Steinberger-Kern: Jede Diversität ist absolut begrüßenswert.

Was hat Sie eigentlich zu dem Tweet veranlasst, Christian-Kern-Bashing sei der neue Volkssport?
Steinberger-Kern: Als mündige Medienkonsumentin setze ich immer wieder Tweets ab, die eine Momentaufnahme darstellen. Frei nach Heinrich Böll: "Ich bin ein Clown, ich sammle Momente." Mehr ist dazu nicht zu sagen.

Aber Sie haben damit in den Medien ordentlich für Furore gesorgt, sinngemäß: Jetzt streiten sich in der SPÖ die First Ladies.
Steinberger-Kern: Die Interpretation liegt bekanntlich beim Leser. Dieses Aufblasen im Boulevard ist unter falschen Motiven eine Überhöhung meiner Person.

Beobachter sagen, Sie hätten immer sehr großen Einfluss auf die Politik Ihres Mannes gehabt. Richtig?
Steinberger-Kern: Sie überschätzen meinen Einfluss maßlos. Wir sind eine starke Familie und treffen wichtige persönliche Entscheidungen natürlich gemeinsam, aber mit politischen Entscheidungen habe ich nichts am Hut.

Aber die großen Linien haben Sie schon mitgetragen?
Steinberger-Kern: Natürlich haben wir wichtige persönliche Entscheidungen wie auch den Rückzug aus der Politik gemeinsam getroffen. Und ich habe ihn natürlich gewählt und hätte ihn klarerweise auch gewählt, wäre er geblieben.

Würden Sie Frau Rendi-Wagner auch wählen?
Steinberger-Kern: Ich schätze Frau Rendi-Wagner sehr. Sicher würde ich sie wählen.

Warum ist der Rückzug Ihres Mannes so holprig über die Bühne gegangen?
Steinberger-Kern: Das müssen Sie meinen Mann fragen. Aber die enorme Wucht der medialen Betrachtung ändert nichts an der Tatsache, dass er die Entscheidung behutsam und umsichtig getroffen hat. Christian Kern war immer, auch in der Politik, ein hervorragender Stratege.

In seinem ersten trend-Interview als Kanzler hat er gesagt, sollte er als Politiker scheitern, könne er bei Ihnen in der Firma Handlangerdienste übernehmen. Nehmen Sie ihn?
Steinberger-Kern: Ich mache mir um Christian Kern keine Sorgen und würde ihn wahnsinnig gerne in meinem Unternehmen haben. Aber ich fürchte, er hat noch größere Pläne.

Die da wären?
Steinberger-Kern: Das müssen Sie ihn selbst fragen.

Es gibt Gerüchte, dass Sie mit der Familie bald nach Israel übersiedeln. Stimmt das?
Steinberger-Kern: Ich bin sehr gerne dort, aber das wird vermutlich schon wegen unserer Tochter nicht gehen. Außerdem ist Österreich sehr, sehr schön.


Das Interview ist der trend-Ausgabe 41/2018 vom 12. Oktober 2018 entnommen.

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