IBM schafft 17. Umsatzrückgang und massiven Gewinneinbruch

IBM schafft 17. Umsatzrückgang und massiven Gewinneinbruch

IBM CEO Ginni Rometty signalisiert das IBM-Motto: Kann man nix machen, der Umsatz geht schon wieder zurück - zum 17. Mal. Und der Gewinn lässt auch nach. Die Anleger haben (noch immer) Geduld.

Das einstige Computerflaggschiff IBM schafft noch immer nicht die Wende zu einem Wachstum. Doch gibt man sich bei "Big Blue" hoffnungsvoll: einzelne Bereiche konnten wieder leicht zulegen. CEO Ginni Rometty hat noch immer einen Vertrauensbonus - auch im fünften Jahr ihres Wirkens als Chefin von "Big Blue".

Armonk. IBM hat unter CEO Ginni Rometty noch immer nicht den Dreh heraus, auch wenn das Unternehmen seit fünf Jahren bemüht ist, sich neu aufzustellen. Im Gegenteil: Big Blue geht bereits ins fünfte Jahr mit schrumpfenden Umsätzen. Und auch die Gewinne entwickeln sich noch immer nicht nach Plan - auch hier hat IBM im abgelaufenen Quartal einen kräftigen Einbruch zu verzeichnen.

So sind die Umsätze im zweiten Quartal im Jahresvergleich um rund drei Prozent auf 20,2 Mrd. Dollar (18,3 Mrd. Euro) zurückgegangen, wie das Unternehmen nach US-Börsenschluss am Montag bekanntgegeben hat. Und damit landete IBM das 17. Quartal in Folge mit einem Umsatzrückgang eine kapitalen Bauchfleck. Unterm Strich bleibt der Computerpionier profitabel, wenngleich auch der Quartalsgewinn um gut satte 27 Prozent auf 2,5 Mrd. Dollar abgestürzt ist, was pro Aktie derzeit 2,95 Dollar sind.

Und dennoch: Die Analysten waren mit dem Ergebnis sogar leicht überrascht worden - sie hatten offenbar mit einem noch schlechteren Ergebnissen gerechnet.

Die Hoffnung und der Wink

Mit einem Wink in Richtung Finanzmarkt will IBM die Investoren milde stimmen. IBM will Hoffnung versprühen. Das Argument: In Zukunftsbereichen legt der Computergigant nun doch wieder zu. Ein großer Hoffnungsträger sind die Erlöse bei sogenannten Cloud-Diensten, Daten-Analyse und künstlicher Intelligenz. In den Zukunftsbereichen seien die Umsätze insgesamt um 12 Prozent auf 8,3 Mrd. Dollar gewachsen. Die internetbasierten IT-Dienste wurden laut eigenen Angaben um 30 Prozent erhöht werden.

Genau diesen Bereich hatte IBM vor gut fünf Jahren noch vernachlässigt, als Cloud-Dienste als das Zukunftssegment der IT-Industrie apostrophiert wurde. Während die Konkurrenz Fahrt aufgenommen hatte, gab man sich bei Big Blue vornehm zurückhaltend und machte so den Weg für andere IT-Unternehmen frei. Unter anderem wurden Sicherheitsbedenken und noch nicht ausgereifte Geschäftsmodelle vorgeschoben, auf Cloud-Services - damals zumindest vorläufig - zu verzichten.

Aber auch in der Sparte mit Analysediensten und IT-Sicherheitssoftware sieht IBM erste Hoffnungen, den nur langsam in Fahrt kommenden Kahn auf Kurs zu bringen, damit auch die Anleger wieder mit größeren Dividenden rechnen können. Sicherheitssoftware bescherte ein Umsatzplus von 3,5 Prozent auf 4,7 Mrd. Dollar.

Die Geduld der Anleger

Gespannt darf man sein, wie lange die Anleger noch Geduld mit Ginni Rometty haben. Im Jahr 2012 bei IBM als CEO angetreten hatte sie gleich eine Bewährungsprobe zu bestehen. Die Integration der Beratungsfirma PriceWaterhouseCoopers (PwC) hatte sie zwar recht rasch über die Bühne gebracht und dem einstigen Computerkonzern eine schlagkräftige Beratungsfirma hinzugefügt. Und damit vor allem eine für IBM fremde Welt übernommen, was umgekehrt freilich auch für die feinen Berater gilt. IBM hatte immerhin 3,5 Milliarden Dollar als Kaufpreis für PwC gezahlt.

Die 58-jährige US-Amerikanerin will IBM zwar permanent neuerfinden. Und hat dabei bis heute ihre liebe Not. Verkrustete Hierarchien sollen Entscheidungen kräftig einbremsen. Der selbst bei IBM gefürchtete Bürokratismus sei noch immer ein Bremsklotz, um neue Themen und vor allem die Kundenorientierung voranzutreiben. Das Großrechnergeschäft ist hingegen - allen Unkenrufen zum Trotz - bis heute eine wichtige Cashcow. Und freilich nicht wegzudenken.

Den riesigen Vertrauensvorschuss der Anleger schien IBM-Chefin Rometty mit Sommer 2015 langsam aber sicher verspielt zu haben. Die Aktie war von Anfang Juli 15 bis Mitte Februar 2016 auf Talfahrt und hatte satte 32 Prozent verloren. Und dennoch setzten die Anleger auf IBM. Seither ging es trotz Umsatzrückgängen und unveränderten Problemen zumindest beim Aktienkurs wieder bergauf. Die Aktie notiert heute immerhin bei 146 Dollar. binnen der vergangenen sechs Monate hatten die IBM-Papiere um 25 Prozent zugelegt und notierten somit besser als der Nasdaq Composite der um 13 Prozent zulegen konnte.

Immer wieder langwierige Prozesse

Einmal mehr heißt es, der Computer-Pionier ist in einem langwierigen Prozess. Botschaften, die seit fünf Jahren bekannt sind. Cloud-Dienste, Daten-Analysen sowie künstliche Intelligenz sollen IBM wieder mehr Erlöse bringen. Die Supercomputer-Technologie Watson soll das Geschäft helfen anzutreiben. Massiv wurde daher zuletzt in die Entwicklung von Watson investiert. Die Software soll zum Beispiel beim ertragreichen Gesundheitswesen zum Einsatz kommen. Quantencomputer, das Internet der Dinge mit der Vernetzung von allen Geräten sowie die Weiterentwicklung der Sicherheitstechnik Blockchain, die der Digitalwährung Bitcoin zugrunde liegt sollen dem 105 Jahre alten US-Konzern auf die Sprünge helfen.

Unverändert aktiv ist IBM beim Einkauf anderer Unternehmen. Unternehmensübernahmen haben Tradtion, weil damit stets Knowhow erworben wird, das intern nicht verfügbar ist. Binnen der vergangenen zehn Jahre hat IBM über 100 Softwarefirmen übernommen. Alleine im abgelaufenen Quartal hat Big Blue elf Übernahmen mit einem Gesamtwert von 5,4 Milliarden Dollar abgeschlossen.

Wirtschaft

KV-Verhandlungen: AUA-Angebot ist für Betriebsrat eine "Frechheit"

Easyjet startet im Jänner in Berlin Tegel

Wirtschaft

Easyjet startet im Jänner in Berlin Tegel

Gericht: Flüchtlingsbetreuern steht Erschwerniszulage zu

Wirtschaft

Gericht: Flüchtlingsbetreuern steht Erschwerniszulage zu