Hutchison Drei Austria übernimmt Tele2 Austria

Hutchison Drei Austria übernimmt Tele2 Austria

Mobilfunk übernimmt Festnetz: Der 2. Zukunftsdialog von Tele2 im Juni in Linz war der Letzte unter eigener Herrschaft. Tele2 Austria wandert unter das Dach von Drei, das sich mit dem Festnetz-Anbieter für die Zukunft neue Fitness verordnen will.

Der chinesische Mischkonzern Hutchison Whampoa übernimmt vom schwedischen Telekomkonzern Tele2 die Österreich-Tochter. Kaufpreis: 95 Millionen Euro. Die Marke Tele2 wird mit der Übernahme in Österreich verschwinden.

Wien. Österreichs drittgrößter Mobilfunkanbieter Drei ("3") übernimmt den Festnetzbetreiber Tele2 Austria. Der chinesische Mischkonzern Hutchison Whampoa will seine Mobilfunktochter Drei somit als Komplett- und Geschäftskundenanbieter vor allem gegen den teilstaatlichen Marktführer Telekom Austria positionieren. Der Kaufpreis der Österreich-Tochter der schwedischen Tele2 soll 95 Mio. Euro betragen, zehn Millionen Euro davon sollen binnen der kommenden zwei Jahre überwiesen werden.

Drei kämpft mit T-Mobile Austria in einem Kopf-an-Kopf um den zweiten Platz am heimischen Mobilfunkmarkt. Aber Drei will mehr. "Das ist natürlich auch eine Kampfansage an A1", sagte Drei-Chef Ja Trionow. Nach Angaben der Telekom-Regeulierungsbehörde RTR ist die Telekom Austria mit A1 Marktführer mit einem Marktanteil von 38,4 Prozent (5,5 Mio. Kunden) vor T-Mobile mit 29,5 Prozent (rund 4,2 Millionen Kunden). Drei bringt es auf einen Marktanteil von 26,8 Prozent (3,8 Millionen Kunden). Auf 5,3 Prozent Marktanteil ( 746.200 Kunden) bringen es die Mobilfunker ohne eigenes Netz (sogenannte MVNO wie wie HoT, Yesss oder Spusu).

Die schwedische börsenotierte Tele2 hat sich auf Geschäftskunden spezialisiert. Tele2 Austria, das zuletzt mit einem schwarzen Schaf und "Tele2 Einfach schaf." geworben hatte, soll rund ein Drittel der heimischen Top-Unternehmen als Festnetz-Kunden haben. Vor gut zwei Jahren hat Tele2 ebenso ein Mobilfunkangebot präsentiert.

Drei erzielte 2016 einen Umsatz von 772 Mio. Euro. Der Gewinn wurde um um 8 Prozent auf 342 Mio. Euro erhöht. Drei hat derzeit 1300 Mitarbeiter.

Tele2 Österreich erzielte im abgelaufenen Geschäftsjahr 2016 einen Umsatz in Höhe von 125,2 Millionen Euro. Der Gewinn beläuft sich auf 6,8 Millionen Euro - nach 8,2 Millionen im Jahr davor. Tele2 hat derzeit 235 Beschäftigte auf der Payroll. 278 Mitarbeiter waren es noch im Jahr 2015. Zusammen mit Tele2 bringt es Drei nun auf rund 900 Millionen Euro.

Drei erkauft sich auch eine Umsatzsteigerung bei Geschäftskunden. Der Anteil der Geschäftskundenumsätze am Gesamtumsatz von Drei steigt durch die Übernahme von 12 auf 22 Prozent, rechnet Trionow vor. Mittelfristig will das Unternehmen mehr als ein Viertel der Umsätze im Business-Segment erzielen.

Zur künftigen Stoßrichtung meinte er: "Mit Tele2 stärkt Drei seine Aktivitäten als IT-Dienstleister für Unternehmen durch Angebote für Netzwerkmanagement, Housing- und Hosting-Leistungen sowie Sicherheitslösungen," sagt Trionow. Die Marke Tele2 wird jedoch eliminiert. "Tele2 wird "aus dem Markt gezogen", sagt Trionow. Die Mobilfunkkunden der Tele2 behalten aber ihre Nummern und Tarife. Vorerst werden diese Kunden auch weiterhin über das Netz von T-Mobile Austria telefonieren.

Drei hatte zuletzt mit mit der Übernahme des Mitbewerbers Orange Ende 2012 für Aufsehen erregt. Der damals viertgrößte Anbieter hatte die Nummer 3 geschluckt und sich somit das Wachstum erkauft, um der langjährigen Nummer 2 T-Mobile Austria den Platz streitig zu machen. Drei zahlte für Orange 1,3 Mrd. Euro, musste aber nach Vorgaben den EU-Wettbewerbskommission im Gegenzug die Billigtochter Yesss an A1 verkaufen.

Die Wettbewerbshüter befürchteten, dass es infolge der Marktkonsolidierung von vier auf drei Netzbetreibern am Mobilfunkmarkt in Österreich zu Preissteigerungen kommen könnte, was tatsächlich nach dem Deal eingetreten war. Die Wettbewerbsbehörden der EU und in Österreich hat dies dann auch bestätigt, dass die Vorgaben für den Drei/Orange-Deal ihre Ziel nicht erreicht hätten.

Wie es mit dem Management der Tele2 weiter geht, ist noch offen, ebenso wie viele Mitarbeiter bei der Übernahme ihren Job verlieren werden. Man habe jedenfalls viele Optionen im Unternehmen, beruhigte Drei-Chef Trionow. Er stellte aber auch klar, dass es in manchen Bereichen Überschneidungen geben werde, die man berücksichtigen müsse. Offen ist auch noch, wer nach der Heirat zu wem zieht.

Fest steht hingegen, dass die Marke Tele2 verschwinden wird.

Mitbewerber T-Mobile Austria nahm die Übernahme heute gentlemanlike: "Sportliche Herausforderung, die T-Mobile gerne annimmt", twitterte Firmenchef Andreas Bierwirth. Und ebenso fair die Twitter-Antwort von "3": "Das nennen wir den richtigen Sportsgeist." Auswirkungen auf den Breitbandausbau, der gerade vom Staat mit einer Milliarde Euro gefördert wird, erwartet T-Mobile durch den Merger des Mitbewerbers nicht.

Die traditionelle Übernahmekandidat

Die nunmehrige Übernahme von Tele2 durch Drei soll noch heuer abgeschlossen werden. Es fehlt noch die Genehmigung der Bundeswettbewerbsbehörde (BWB).

Tele2 hatte im Jahr 2003 den damaligen Telekom- und Internetanbieter UTA übernommen. UTA war im Eigentum eines Konsortiums mehrerer heimischer Energieversorger, die noch in den 1990er-Jahren kräftig in Telekom investieren wollten, aber dem internationalen Trend folgend sich wieder aus der Telekomindustrie verabschiedet hatten.

Tele2 hatte für UTA 213 Mio. Euro bezahlt. Nach der Übernahme und Zusammenführung des Unternehmens wollte Tele2 als Komplettanbieter für Festnetz, Mobilfunk, Internet und TV durchstarten und den Marktführer Telekom sowie UPC attackieren. Allerdings wurde Tele2 bereits Mitte aber 2005 immer wieder selbst als Übernahmekandidat gehandelt. Das Mobilfunkangebot wurde allerdings nicht mehr forciert und sogar eingestellt.

Im Jahr 2009 wollte der ehemalige Tele2-Österreich-Chef Robert Hackl Tele2 erwerben. Die Verhandlungen waren aber gescheitert. Kurz darauf wurden 40 der damals 400 Mitarbeiter gekündigt. Wenig später kündigte Hackl-Nachfolger Alfred Pufitsch an, er habe eine Partnerschaft mit einem Mobilfunker im Visier.

Ende 2015 stieg Puritsch dann wieder ins Handygeschäft ein. Und zwar für Businesskunden wurde ein Paket geschnürt. Tele2 errichtet jedoch keine eigene Netzinfrastruktur sondern nutzte dabei das Netz T-Mobile quasi als Mieter.

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