Modehaus Hugo Boss bliebt ein Sanierungsfall

Modehaus Hugo Boss bliebt ein Sanierungsfall

Nach einem Gewinneinbruch im Quartal hat Mark Langer, der neu angetretene CEO von Hugo Boss, die Jahresprognose zurückgestutzt. Es gibt in dem 1924 gegründeten deutsche Modehaus weiteren Sanierungsbedarf.

Mark Langer, der neue Chef von Hugo Boss, sieht weiteren Sanierungsbedarf bei dem deutschen Modehersteller. Nach einem Gewinneinbruch im zweiten Quartal nahm Langer die Prognose für 2016 zurück.

"Die Bekleidungsbranche ist in einem schwierigen Marktumfeld, und dem kann sich auch Hugo Boss nicht entziehen", sagte Langer und betonte, dass sich das Unternehmen angesichts des geänderten Kundenverhaltens neu aufstellen müsse. Das Kundenverhalten sei keine temporäre Erscheinung. "Daher müssen wir schneller, digitaler und kundenorientierter werden", sagte der Manager.

Künftig werde es nur noch punktuell neue Filialen geben. Vielmehr soll das Online-Geschäft ausgebaut und mit dem stationären Handel vernetzt werden. Boss müsse zudem rascher auf Modetrends reagieren und neue Kollektionen zügiger in die Läden bringen. Es sollen auch Filialen geschlossen werden, weltweit etwa 20 zum Teil große Standorte.

Magere Aussichten

Sanierungskosten und Sonderaufwendungen von 51 Millionen Euro ließen den operativen Gewinn (Ebitda) im zweiten Quartal um 55 Prozent auf 56,6 Millionen Euro einbrechen. Der Umsatz schrumpfte um vier Prozent auf 622 Millionen Euro. Die größten Einbußen verbuchte Hugo Boss in Übersee und China. In Amerika sanken die Erlöse in lokalen Währungen um 14 Prozent, in den USA um 21 Prozent. Neben der schwachen Nachfrage schlug in den USA aber auch der teilweise Rückzug aus dem wenig profitablen Großhandelsgeschäft zu Buche. Auch in Asien lag der Umsatz währungsbereinigt um sechs Prozent unter dem Vorjahr, in China sogar um 16 Prozent.

Für das Gesamtjahr 2016 hält Langer inzwischen einen Umsatzrückgang von drei Prozent für möglich, bestenfalls gebe es eine Stagnation. Beim Ebitda vor Sondereffekten erwarte er einen Rückgang zwischen 17 und 23 Prozent. Bislang hatte Boss bei stagnierenden Erlösen einen Rückgang des bereinigten Ebitda im niedrigen zweistelligen Prozentbereich angepeilt. 2015 verbuchte Boss ein Ebitda von 594 Millionen Euro, der Umsatz erreichte 2,8 Milliarden Euro.

Kursentwicklung der Hugo Boss Aktie (DE000A1PHFF7); 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 5.8.2016

Kursentwicklung der Hugo Boss Aktie (DE000A1PHFF7); 5-Jahres-Verlauf, Stand vom 5.8.2016

Die Anleger blieben derweil gelassen - und kauften kräftig. Die Aktien (DE000A1PHFF7) legten als größter Gewinner im Nebenwerteindex MDax um über acht Prozent auf 56,16 Euro zu. Nach den dramatischen Kursverlusten seit Mitte des Jahres 2015 - im April 2015 notierte das Papier noch bei über 120 Euro - ist das allerdings nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

"Es muss erst schlimmer werden, bevor es besser werden kann", hieß es in einer ersten Einschätzung der Jefferies-Analysten. Die Anleger hätten bereits mit einer Anpassung der Ziele gerechnet. Seit Jahresbeginn haben die Papiere rund 32 Prozent verloren.

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