Huawei stampft Projekt "Flagship-Store" in Wien ein

Huawei stampft Projekt "Flagship-Store" in Wien ein

Logos von Huawei mit der Inschrift "Make it possible" zierten ein halbes Jahr den im "Umbau" befindlichen Flagship-Laden von Huawei in der Wiener Innenstadt, der nun endgültig nicht eröffnet wird.

Ein Jahr nach der Planung in Wien den größten Flagship-Store außerhalb Chinas zu errichten, rudert Huawei zurück. Das Projekt ist abgehakt. Der Flagship-Store wird nie eröffnet. Und Millionen wurde angeblich versenkt.

Wien. Der Flagship-Store von Huawei in Wien ist Geschichte noch bevor aufgesperrt wird. Huawei gibt w.o Im Jänner hat der aufstrebende Kommunikationskonzern aus dem "Reich der Mitte" in exponierter Lage in der österreichischen Bundeshauptstadt den größten Flagship-Store außerhalb Chinas angekündigt.

Doch daraus wird nun nichts. Zu ungewiss scheint Huawei die Lage zu sein, künftig bei Ausschreibungen für den Netzaufbau der neuen Mobilfunkgeneration 5G zum Zug zu kommen. Die USA machen seit über einem Jahr Druck auf Europa und fordern aus Sicherheitsgründen Huawei vom 5G-Ausbau auszuschließen. Noch gibt es in Österreich sowie anderen EU-Staaten keine endgültige Entscheidung dazu.

Huawei zieht somit für sich selbst die Konsequenz und stoppt als ersten Schritt sein Flagship-Store-Projekt in Wien. Den im Sommer bereits aufkeimenden Gerüchten, dass das Projekt Flagship Store in Wien eingestellt oder bis auf weiteres "on hold" stünde, widersprach der Huawei-Sprecher Adis Bilalic noch Anfang September. Es war noch von "Verzögerungen" die Rede. Als Begründung vorgeschoben wurden unter anderem Auflagen der Wiener Baubehörde.

Der Flagship-Store passt nicht mehr in die Strategie

Nun steigt Huawei endgültig auf die Bremse. Der Gratiszeitung "heute" hat Huawei bestätigt, dass der Flagship-Store nicht eröffnen wird.

Für den hinter Samsung und vor Apple weltweit zweitgrößten Smartphonehersteller ist der Stopp des Projekts nur ein dreiviertel Jahr nach den hochtrabenden Plänen offenbar nichts Außergewöhnliches. "Strategieänderungen und Prozessanpassungen gehören zu üblichen Unternehmensentscheidungen, um anpassungs- und wettbewerbsfähig zu bleiben", teilt Huawei-Sprecher Bilalic dem trend auf Anfrage mit. Die Eröffnung des Huawei Flagship Stores würde, so wörtlich - "nicht mehr in unsere Strategie passen".

Der direkte Kontakt mit dem Kunden bleibt somit aus. Huawei möchte "stattdessen in eine neue Handelsstrategie und vermehrt in die Zusammenarbeit mit den Handelspartnern investieren".

Millionen für leeren Laden versenkt

Für Huaweis Flagship-Store auf der Kärntner Straße endet somit eine unendlich anmutende Geschichte mit schließlich abruptem Ende. Und einem bisherigen Investment in Millionenhöhe alleine für die Übernahme der Geschäftslocation in der exponierten Innenstadtlage mit Kosten für Ablöse, Miete und Planung sowie für Mitarbeiterakquisition und ersten Schulungen. Bis zu 35 Mitarbeiter seien angeblich bereits für den Laden engagiert worden und auf der Payroll.

Zu den angefallenen Kosten, die laut gut informierten Kreisen sich in Millionenhöhe bewegen und dem allfälligen Mitarbeiterabbau, wollte der Huawei-Sprecher nur so viel erklären: "Ich bitte um Verständnis, dass wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt keinen Bezug auf Ihre Fragen nehmen können und diesbezüglich keine weiteren Kommentare haben."

Nicht kommentieren will Huawei einen Mitarbeiterabbau in dem Unternehmensbereich, der mit dem Aufbau von 5G-Netzwerken sich beschäftigt. Gut informierten Kreisen in der Mobilfunkindustrie zufolge sollen in Deutschland und auch in Österreich Mitarbeiter der Netzwerksparte bereits abgebaut werden.

Zu Jahresbeginn wurde vollmundig angekündigt, dass man in Wien Einzigartiges starten will. Anfang Februar wurde für den Frühsommer erstmals der Öffnungstermin avisiert, danach hieß es Ende Sommer. Einmal mehr wurden Auflagen der Wiener Baubehörde für die Verspätung vorgeschoben. Der französische Luxuskonzern Chanel hatte etwa zeitgleich im Frühjahr vis-à-vis von Huawei eine Dorotheum-Filiale übernommen. Ohne Mühe und nach kurzer Umbauzeit hat Chanel seinen neuen Nobel-Store bezogen und im Frühsommer Anfang Juni 2019 eröffnet.

Im September erklärte Huawei auf Nachfrage vom trend, dass im Herbst, "spätestens Anfang Dezember" der Flagship-Laden eröffnet werden soll, quasi gerade noch rechtzeitig zum Start des Weihnachtsgeschäft. In der Location hatte sich seit März jedoch nichts gerührt, außer Huawei-Logos mit der Inschrift "Make it possible", die aber bereits im Sommer von den mit weißem Papier abgedeckten Fenstern entfernt wurden.

Über drei Stockwerke auf insgesamt 1000 m² Ladenfläche wollte Huawei seine neuesten Geräte und Innovationen präsentieren und dem iPhone-Hersteller Apple die Stirn bieten. Apple hat seinen Flagship-Store kaum 200 Meter entfernt ebenso auf der Kärntner Straße in Richtung Stephansplatz und erfreut sich höchster Frequenz und Beliebtheit. Der US-IT-Konzern hatte seinen ersten Flagship-Store übrigens frist- und termingerecht im Februar 2018 eröffnet. Und mit den Wiener Baubehörden gab es "keinerlei Schwierigkeiten", wie ein Beteiligter dem trend versicherte, der bei der Errichtung des Apple-Stores involviert war.

<hr><div style="padding: 10px;background:#efefef";>

Lesen Sie auch: Huaweis Flaship-Pläne

Huawei tritt mit Flagship Store in Wien auf der Stelle

<hr></div>

Wirtschaft

Osram-Betriebsrat legt Beschwerde wegen ams-Offert ein

Wirtschaft

voestalpine startet Testbetrieb der Wasserstoffpilotanlage

Jürgen Rauch

Wirtschaft

Volksabstimmung verhindert Projekt von Rauch und Red Bull

Digitalisierung: Vorwärts in die Zukunft

Industrie 4.0: Adidas Speedfactories wandern nach Asien