Huawei tritt mit Flagship Store in Wien auf der Stelle

Huawei tritt mit Flagship Store in Wien auf der Stelle

Im März war noch alles auf einen Eröffnungstermin im Sommer getrimmt. Doch Huawei hat massive Startschwierigkeiten, den Laden flott zu bekommen. Die orangenen Huawei-Logos wurden kürzlich entfernt.

Es hätte der größte Flagship Store des chinesischen Telekomausrüsters Huawei außerhalb Chinas werden sollen. Knapp ein halbes Jahr nach der Ankündigung im Sommer 2019 in exponierter Innenstadtlage Wiens einen Nobelshop zu eröffnen, steckt das Projekt fest. Der Laden ist noch immer geschlossen.

Wien. Ecke Kärntner Straße/Maysedergasse, Nahe der Staatsoper und dem Hotel Sacher, wollte der chinesische Telekomanbieter Huawei nicht kleckern, sondern mit einem Flagship Store richtig protzen. Und vor allem: Ein Gegengewicht zum US-amerikanischen Computer- und Mobiltelefonhersteller Apple setzen, der nur kaum 200 Meter weiter in Richtung Stephansdom seinen Flagship Store hat, der bei den Nutzern wie kaum andere Geschäfte frequentiert wird. Apple hat im Februar 2018 seinen Flagship Store in Österreich eröffnet. Ein Jahr später hat der chinesische Telekomausrüster Huawei seinen Willen bekundet ebenso einen Nobelladen für seine Handys und Tablets zu eröffnen.

Im Frühsommer 2019 sollte aufgesperrt werden, Doch nun scheint alles anders. Gerüchten zufolge wird bereits von einem Rückzug Huaweis gesprochen, was den Flagship Store betrifft. Die Verschärfung im Handelskrieg zwischen China und USA sollen entscheidend gewesen sein, das in China die Reißleine gezogen wurde, um den Flagship Store gleich gar nicht mehr zu öffnen.

Angekündigt hatte Huawei das Projekt Flagship Store bereits Anfang Februar 2019. Gleichzeitig hat Huawei avisiert 30 bis 35 Mitarbeiter für das neue, auf drei Stockwerken konzipierte Ladengeschäft zu beschäftigen. Auf über 1000 m², auf drei Stockwerke verteilt, sollten neueste Produkte wie Smartphones und Tablets "Made in China" aus dem Hause Huawei präsentiert werden. Ab Frühsommer, so hieß es bei Huawei bei der Ankündigung, sollte der neue Flagship Store offen sein.

Im März wurden bereits Umbauarbeiten in dem Ladengeschäft gemacht und kräftig gestemmt. Die Location wurde zuvor vom Textileinzelhändler Desigual genutzt. "Beste Lage", sagen Immobilienexperten. "Aber auch sehr, sehr teuer." Die Kärntner Straße übt freilich auf Nobelkonzerne eine besondere Anziehungskraft aus. So ist direkt vis-à-vis Anfang Juni Chanel eingezogen. Noch im März war von dem französischen Modekonzern noch weit und breit nichts zu sehen. Das Ladengeschäft war noch eine Baustelle, zuvor was in der Location eine Dorotheum-Filiale. Doch Chanel hat Tempo gemacht und bereits im Frühsommer, konkret Anfang Juni, somit kaum ein halbes Jahr nach Beginn der Totalsanierung des Geschäfts, seine Pforten und sein Geschäft als Vorzeigeadresse präsentiert.

Die Weißabgleich im Fenster

Huawei hatte im Februar sogleich nach der Ankündigung die Fenster der Location mit Papier tapeziert, das mit Huawei-Logo und Leitspruch "Make it possible" bedruckt war.

Zuletzt wurde das Papier abgekletzelt, im Ladengeschäft lugte der blanke Beton hervor. Von Huaweis Papierln war an den Fenstern weit und breit nichts mehr zu sehen. Am Freitagfrüh prangte weißes, neutrales Papier am Innern der Fenstern. Huawei-Logos? Fehlanzeige. Erst dann, wenn der Baufortschritt vorankommt, will Huawei wieder seine Farben und Logos an den Fenstern affichieren.

"Es kam zu Verzögerungen bei der Bauausführung", beschwichtigt einmal mehr Huawei Austria-Sprecher Adis Bilalic. Bereits im Mai hieß es, dass der Handyladen im Spätsommer 2019 eröffnet werde. Gerüchten, dass das Projekt Flagship Store eingestellt oder bis auf weiteres "on hold" stünde, widersprach der Huawei-Sprecher. Auch hätte die Entscheidung "nichts mit dem Handelskrieg" zu tun, der zur Zeit zwischen Trumps USA und China tobt.

Huawei will 2019 doch noch die Pforten in Wien öffnen. Wann? "Das können wir derzeit noch nicht sagen", so Huawei-Pressesprecher Bilalic. Spätestens zum Weihnachtsgeschäft soll Huaweis Flagship-Laden jedoch offen sein. Die Mitarbeiter für das Geschäft würden bereits geschult werden. Wie viel Geld Huawei bereits für Pacht des leeren Geschäfts in der Kärntner Straße, für die Ausbildung der neuen Mitarbeiter sowie für die Baumaßnahmen und Planung investiert hat, wollte der Sprecher nicht beziffern.

Bedeutende strategische Maßnahme

Der Wiener Flagship Store sollte nach eigenen Angaben Huaweis größter Flagship Store Europas und außerhalb Chinas werden. Und vor allem wesentlicher Bestandteil einer neuen Strategie in Österreich werden.

„Der erste Huawei Flagship Store Europas wird in Wien eröffnen. Das ist eine bedeutende strategische Maßnahme für die Marke Huawei und ich bin sehr stolz, diesen Schritt gemeinsam mit einem starken, lokalen Team begleiten zu dürfen", erklärte Wang Fei, Country Manager Huawei Consumer BG in der Pressemitteilung im Frühjahr 2019. "Der von grundauf neu konzipierte Huawei Flagship Store unterstreicht unsere lokale Strategie, nämlich allen Nutzern optimale Rahmenbedingungen zu bieten, um Huawei Produkte selbst vor dem Kauf auszuprobieren und sich persönlich von unseren innovativen Technologien zu überzeugen.“

Noch kein "Make it possible"

Huawei wirbt bei seinen neuen Läden in Top-Lagen europäischer Städte mit dem Leitspruch "Make it possible". Gleich mehrere Flagship Store sollten heuer in europäischen Metropolen eröffnet werden. Die Wiener Filiale sollte die erste Glanznummer der Chinesen in Europa sein.

Doch in Wien wurde offensichtlich die Bremse angezogen. Noch zu Sommerbeginn wurde von "Verzögerungen" gesprochen. Das Ladengeschäft in der Wiener Innenstadt ist noch immer eine Baustelle und verwaist.

Anders tickt die Uhr der Chinesen jedoch in Spanien. Auf der Top-Einkaufsmeile Gran Via in Madrid wurde Anfang Juli ein Huawei-Store eröffnet. Auch in Barcelona sowie für Frankreichs Hauptstadt Paris wurde für Spätjahr 2019 die Eröffnung von Flagship Stores angekündigt. Für die Schweiz soll es ebenso Pläne für einen Nobelshop in Top-Lage geben. In der Schweiz befindet sich der hinter Samsung zweitgrößte Smartphonehersteller der Welt in der Phase der Standortsuche.

Statt "Showrooms und Experience Zones", die "zum Staunen und Verweilen" einladen sollten, wie der Telekomausrüster noch im Frühjahr das Projekt beworben hatte, ist derweil nur der blanke Estrich beim Blick ins Innere sichtbar. Geblieben sind leichte Marmorplatten, die am Fuß der Fenster aufgelegt wurden.

Harmony für das "Making"

Mit Spannung wird daher auch die Produktpräsentation in der kommenden Woche erwartet. In München präsentiert Huawei sein neueste Smartphone, mit dem die Chinesen eigentlich Samsung an der Spitze attackieren wollte und Apple auf Rang drei auf Distanz halten will. Doch die USA unter Donald Trump persönlich machen den Chinesen einen Strich durch die Rechnung. Huawei darf keine US-Software mehr auf seinen Smartphones installieren. Der chinesische Telekomkonzern wurde von den USA unter anderem der der Industriespionage beschuldigt. Huawei soll demnach Telekomnetzinfrastruktur nutzen um Daten abzugreifen, was bisher nicht bewiesen wurde. Dennoch hat die Trump-Administration mit Verweis auf Sicherheitsbedenken Huawei auf eine schwarze Liste gesetzt. US-Unternehmen ist es somit nur mit besondere Erlaubnis möglich Huawei Technologie oder Software zu liefern. Alphabet (Google) darf seine Betriebssystemsoftware Android nicht mehr Huawei zur Verfügung stellen. Das gilt ebenso für die Millionen Apps, die Nutzer von Huawei-Smartphones via Googles App-Store downloaden können.

"Wir werden kommende Woche auch Neues zur Betriebssystem und Software präsentieren", sagt Huawei Austria-Sprecher Bilalic. Der chinesische Telekomausrüster ist bereits eifrig daran, mit Harmony ein eigenes Betriebssystem samt den dazu passenden Appstore aufzubauen. Anfang August wurde das erste Mobiltelefon mit Harmony OS präsentiert. Fraglich und entscheidend wird auch sein, ob es Huawei gelingt die Nutzer, aber vor allem auch die Netzbetreiber zu überzeugen.

Oder einfach gesagt: Wer WhatsApp, Facebook oder Gmail von Google nutzt, dürfte nicht so rasch auf chinesische Pendants umsteigen wollen. "Der Andrang dürfte künftig überschaubar sein", heißt es bei den heimischen Netzbetreibern. Gemeint ist damit auch das neue Flagship, das kommende Woche von den Chinesen präsentiert wird. Nach der Jubelstimmung vergangener Jahre, dass mit Huawei ein neuer starker Wettbewerber in den Ring gestiegen war, der Samsung und Apple vor allem auch beim Preis unter Druck gesetzt hat, ist bei den Netzbetreibern angesichts der neuen Entwicklungen Ernüchterung eingekehrt, weil sich schließlich auch die Kunden schon abwenden.

Um vor allem die Kunden zu überzeugen, müsste Huawei wohl unzählige Locations für Flagshipstores mieten und die Altläden rasch umrüsten, um den Nutzern auch geschwind die Vorzüge des Huawei-Imperiums schmackhaft zu machen, um dahinter blicken zu lassen, was "Make it possible" dann wirklich heißt.

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