Höhere Tarife schrecken Kunden ab: Das Netflix-Dilemma

Höhere Tarife schrecken Kunden ab: Das Netflix-Dilemma

Leute mögen es nicht, wenn etwas teurer wird - das muss auch Netflix-Chef Reed Hastings erkennen. Er ist trotzdem überzeugt, dass die von ihm erhöhten Preise am Ende mehr Umsatz bringen. Für die bestehenden Kunden hat er ein spezielles Zuckerl parat.

Der Online-Videodienst Netflix hat im vergangenen Quartal die eigenen Prognosen zum Nutzerwachstum klar verfehlt. In den vergangenen drei Monaten kamen 1,7 Millionen Nutzer hinzu, wie Netflix nach US-Börsenschluss am Montag mitteilte. Das Unternehmen selbst hatte einen Zuwachs von 2,5 Millionen in Aussicht gestellt.

Gründer und Chef Reed Hastings machte dafür unter anderem eine Preiserhöhung verantwortlich. "Was auch immer etwas kostet, die Leute mögen nicht, wenn es teurer wird", sagte er in einer Videokonferenz mit Analysten. Netflix müsse durch die Phase aber durch. Am Ende würden die höheren Preise mehr Umsatz bedeuten.

Im vergangenen Quartal sollten nach Erwartungen des Dienstes 500.000 Kunden in den USA hinzukommen und 2 Millionen weltweit. Im Heimatmarkt gewann Netflix aber nur 160.000 Nutzer. Der Zufluss neuer Nutzer ist entscheidend, damit eine große Wette von Hastings aufgeht. Netflix steckt jedes Jahr mehrere Milliarden Dollar in Inhalte, darunter auch in Serien und Filme aus eigener Produktion. Das Geld muss aus den Abo-Gebühren der Mitglieder kommen. Hastings zeigte sich zuversichtlich für die Zukunft: Er sehe nicht, warum in 10 bis 20 Jahren nicht jeder Haushalt in den USA Netflix-Kunde sein sollte.

International sei es typisch, dass sich beim Start in einem neuen Markt erst eine aufgestaute Nachfrage entlade und das Wachstum dann abbremse, sagte Hastings. "Wir wachsen, aber nicht so schnell, wie wir gerne würden oder es in der Vergangenheit geschafft haben", erklärte Netflix im Quartalsbrief an die Aktionäre. Die Aktie fiel nachbörslich um rund 15 Prozent. Die Anleger waren auch vom Ausblick enttäuscht.

Umsatz stieg um 28 Prozent

Netflix hat jetzt 83,2 Millionen Kunden weltweit, davon gut 47,1 Millionen im Heimatmarkt USA. Der Dienst war Anfang des Jahres in rund 130 weiteren Ländern gestartet und ist damit nun fast auf der ganzen Welt verfügbar, bis auf China und Länder wie Nordkorea. Die globale Reichweite weckt auch entsprechende Erwartungen an das Wachstum der Nutzerzahlen.

Den Umsatz konnte der Videodienst im Jahresvergleich um 28 Prozent auf 2,1 Milliarden Dollar (1,9 Mrd. Euro) steigern. Beim Gewinn gab es ein Plus von 55 Prozent auf 40,75 Millionen Dollar.

Video: Reed Hastings spricht über das Q2/2016

Zuckerl für die Kunden: Kommt die Download-Funktion?

Ein weiter Detail, das im Rahmen der Videofonferenz ans Licht kam, dürfte die Nutzer aufhorchen lassen: Netflix lehnt eine Download-Funktion für seinen Online-Videodienst nicht mehr grundsätzlich ab. "Mit der globalen Expansion sind wir offen dafür", sagte Netflix-Chef Reed Hastings. Der Dienst habe sich mit der Idee beschäftigt, weil in einigen Ländern die mobilen Datennetze nicht so gut seien. Und für Netflix würden dadurch keine erheblichen Kosten entstehen.

Während Rivalen wie Amazon Prime die Möglichkeit anbieten, Filme und Serien auch herunterzuladen und sich dann ohne Internet-Verbindung anzusehen, wollte Netflix eine solche Funktion bisher nicht einführen. Stattdessen kann das Netflix-Angebot nur per Streaming direkt aus dem Netz abgespielt werden. Zur Begründung hieß es stets, eine Download mache die Bedienung komplizierter und schaffe neue Probleme bei der Synchronisation zwischen verschiedenen Geräten und der Verwaltung von Zugriffsrechten. Zugleich räumte Netflix auch ein, dass es durchaus Kundenwünsche dazu gebe.

Hastings verwies jetzt darauf, dass Rivalen auch in Ländern wie Deutschland und die USA eine lokale Speicherfunktion anböten und sie dort zum Standard gehöre.

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