Hochwasser-Schäden: Betroffene drohen auf Kosten sitzenzubleiben

Unwetter- und Hochwasserschäden im Süden Österreichs: Oft fehlen entsprechende Versicherungen.

Unwetter- und Hochwasserschäden im Süden Österreichs: Oft fehlen entsprechende Versicherungen.

Entgegen den Beteuerungen von Behörden und Politik drohen Betroffene der Unwetter-Katastrophe im Süden Österreichs auf großen Teilen der Schäden sitzenzubleiben.

Die jüngsten Unwetter im Süden Österreichs haben in den betroffenen Bundesländern Kärnten, Steiermark und Tirol Schäden im dreistelligen Millionenbereich verursacht. Gerhard Schöffmann von der Kärntner Landesversicherung warnt nun, dass viele trotz anderslautender Beteuerungen von Behörden und Politik auf den Kosten sitzenbleiben könnten. Eine Pflichtversicherung für Hochwasserschäden gebe es nämlich noch immer nicht.

"Für die Betroffenen ist das eine sehr schwierige Geschichte." Den Versichertenschaden, also das, was die Versicherer bezahlen werden, schätzt der Vorstandsdirektor allein in Kärnten auf 30 bis 50 Millionen Euro. Das sei aber nur ein Bruchteil dessen, was tatsächlich passiert sei. Der tatsächlich eingetretene wirtschaftliche Schaden liege um ein x-faches höher. Allein die Gebäudeschäden dürften sich auf 200 Millionen Euro belaufen. "Die Gesamtschäden mit Infrastruktur, Straßen, Brücken, Windbruch, den Folgeschäden in der Landwirtschaft lassen sich kaum abschätzen."

Seitens der Bundesregierung wurde zwar rasche und unbürokratische Hilfe zugesichert, die aktuell verfügbaren Mitteln reichen jedoch nicht, um die Schäden abzudecken. Aus den Mitteln des Katastrophenfonds stehen derzeit insgesamt noch bis zu 102 Millionen Euro für Schäden und Katastrophenfälle zur Verfügung. Privatpersonen, in deren Vermögen Schäden durch Naturkatastrophen eingetreten sind, können direkt bei ihrer Gemeinde einen Antrag auf Unterstützung aus dem Katastrophenfonds stellen. Die Höhe der Beihilfen wird von den Bundesländern jeweils festgelegt. Nach der Prüfung durch eine Kommission kann das Geld unmittelbar ausbezahlt werden.

Hochwasserschäden kaum gedeckt

Während Sturmschäden - etwa abgedeckte Häuser - zur Gänze von den Versicherungen bezahlt werden, seien die Deckungen bei Hochwasserschäden nur sehr eingeschränkt. Und laut Schöffmann sei aktuell der überwiegende Teil der Schäden den Hochwassern zuzurechnen. "Wir haben hier eine Deckung von 10.000 bis 12.000 Euro pro Einfamilienhaus. Ein vollgelaufenes Haus, dort müssen Sie mit Schäden rechnen, die sich an der 100.000 Euro-Grenze befinden."

Die Differenz werde zum Teil aus dem Katastrophenfonds bezahlt - bewertet nach dem Zeitwert. Für einen 30 Jahre alten Fußboden werde deshalb so gut wie nichts mehr bezahlt, bemängelte Schöffmann. Eine Versicherung würde den Neuwert als Basis nehmen. Abgesehen davon dauere die Abwicklung über den Katastrophenfonds oft sehr lange. So seien etwa bis heute noch nicht alle Schäden des Hochwassers in Lavamünd im Jahr 2012 abgeschlossen.

"Es steht zu befürchten, dass sehr viele sehr viel weniger bekommen werden, als sie erwarten." In aller Regel klinge es sehr schön, wenn die Politik Hilfe zusage, für die Betroffenen entspreche das aber letzten Endes nicht den Tatsachen, wie die Vergangenheit gezeigt habe, sagte Schöffmann. "Der Katastrophenfonds zahlt nur sehr eingeschränkt." Eine obligatorische Pflichtversicherung, angebunden an die Feuerversicherung, würde im Jahr nicht mehr als 20 bis 50 Euro pro Haushalt kosten, erklärte der Versicherungschef. "Das würde jene massiv entlasten, die jetzt so schwer betroffen sind." Fertige Konzepte der Versicherungen dafür gebe es schon lange. "Seit mehr als zehn Jahren bemühen wir uns darum, eine solche Regelung zu bekommen. Die Konzepte liegen aber unbearbeitet in den zuständigen Ministerien."

Volksanwaltschaft: Pflichtversicherung

Auch Volksanwalt Peter Fichtenbauer hat angesichts der Hochwasserkatastrophe die Forderung nach einer Pflichtversicherung erneuert. Nach Hochwasserereignissen zeige sich immer wieder, dass Betroffene auf die Katastrophenfonds der Bundesländer angewiesen sind, um entschädigt zu werden. Abgesehen davon, dass auf solche Entschädigungen kein Rechtsanspruch besteht, sei die Höhe der Geldleistung für viele Betroffene nur „ein Tropfen auf den heißen Stein“.

Mit dem Geld könne kein anderes gleichwertiges Eigentum außerhalb der Gefahrenzone erworben werden. Gezeigt habe sich das etwa im Jahr 2013 nach dem katastrophalen Hochwasser im Eferdinger Becken, dem Absiedelungsangebote der OÖ Landesregierung folgten.

„Man muss kein Klimaexperte sein, um zu sehen, dass Naturkatastrophen immer mehr zunehmen. Die Politik muss endlich darauf reagieren“, betont Fichtenbauer. Er verweist darauf, dass die Volksanwaltschaft dem Nationalrat seit 2014 mehrfach davon berichtet hat. Eine im früheren BMJ eingerichtete Arbeitsgruppe tagte nur einige Male und wurde ohne Ergebnis geschlossen.In anderen Länder wie der Schweiz oder Belgien sei das Modell der Naturkatastrophenpflichtversicherung bereits erfolgreich umgesetzt.

Wirtschaft

Nach Betrugsaffäre: FACC klagt Ex-Vorstände

Wirtschaft

In den Casinos läuft die Kugel nicht rund

Die KTM-Fahrrad-Chefinnen: Johanna Urkauf (29) ist seit 2018 Geschäftsführerin beim größten Fahrrad-und E-Bike-Hersteller Österreichs. Carol Urkauf-Chen (62) zieht aber vorerst weiterhin die Fäden im Unternehmen.

Wirtschaft

KTM gegen KTM: Fahrradschlacht in Mattighofen